Safebike: Entwicklung eines Verkehrssicherheitsprogramms für Radfahrende zwischen 11 und 14 Jahren mit dem Fokus auf metakognitiven Fähigkeiten

Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer
Dipl.-Ing. Franz Lambrecht
 

Problemstellung

Im Jahr 2015 verunglückten ca. 28.000 Kinder im Straßenverkehr in Deutschland (Statistisches Bundesamt 2016). Die Jahrgänge mit den meisten Unfallopfern sind dabei die 11- bis 14-Jährigen, von denen wiederum etwa die Hälfte mit dem Fahrrad verunglückte (ca. 5.800 Kinder). Die Zahl der verunglückten Radfahrer steigt nach dem Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule stark an. Dies ist auf ein geändertes Mobilitätsverhalten nach dem Schulwechsel im Vergleich zur Grundschulzeit zurückzuführen. Viele Schülerinnen und Schüler beginnen nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule, mit dem Rad zur Schule zu fahren. Insbesondere Wahrnehmungsfehler treten bei Radfahrern unter 15 Jahren im Vergleich zu anderen Altersgruppen besonders häufig auf. Obwohl mit Beginn der Pubertät umfangreiche Verhaltensänderungen eintreten und z. B. die Risikobereitschaft im Straßenverkehr zunimmt, gibt es insgesamt an weiterführenden Schulen kaum Verkehrserziehungs- und Mobilitätsbildungsmaßnahmen. Systematisch entwickelte Programme für die 11- bis 14-Jährigen Schülerinnen und Schüler sind daher in Deutschland gegenwärtig nicht vorhanden.

Projektziel

Das Ziel des Projektes ist die Reduktion der verunglückten Radfahrenden in der besonders auffälligen Zielgruppe der 11- bis 14-Jährigen. Um dies zu erreichen, wird ein Verkehrssicherheitsprogramm für die Zielgruppe entwickelt, das auf Beobachtungsverfahren, Selbstreflexion und Eigenverantwortung basiert. Das Verkehrssicherheitsprogramm wird anschließend in einem Pilotversuch an zwei kooperierenden Schulen durchgeführt und bzgl. seiner Wirkungen evaluiert. Es soll insbesondere das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler für Gefahrenwahrnehmung beim Radfahren schärfen, was zu einem erhöhten Sicherheitsempfinden führt. Mit diesem Verkehrssicherheitsprogramm sollen kurzfristig bewusste Verhaltensänderungen erreicht werden, so dass infolgedessen langfristig die Zahl der mit dem Fahrrad Verunglückten in der Zielgruppe zurückgeht.

Durchführung

Als erster Projektbaustein soll im Rahmen des Vorhabens das Verkehrsverhalten der Zielgruppe erhoben werden, um gefährliche Situationen und die Gefahrenwahrnehmung der jugendlichen Radfahrer zu ermitteln. Diese bilden einen Überblick über das gegenwärtige Fahrverhalten sowie die Grundlage für das im zweiten Projektbaustein zu entwickelnde Verkehrssicherheitsprogramm.

Der zweite Projektbaustein des geplanten Vorhabens ist die Entwicklung eines Verkehrssicherheitsprogramms für Radfahrende zwischen 11 und 14 Jahren. Das zu entwickelnde Verkehrssicherheitsprogramm arbeitet mit Beobachtung, Selbstreflexion und Eigenverantwortung bei der Zielgruppe. Es nutzt dabei verschiedene Lehrtechniken, wie wie Mirroring Method (Koivista & Mikkonen 1997) sowie Coaching Technique (u. a. Edwards 2011). Dieses Programm wird so gestaltet, dass es als Endprodukt des Projektes an allen Schulen in Deutschland eingesetzt und unter Leitung einer Lehrkraft selbstständig durchgeführt werden kann.

Der dritte Projektbaustein ist die Erprobung des Verkehrssicherheitsprogramms in einem Modellversuch an zwei Schulen, mit dem die kurzfristigen Verhaltensänderungen bestimmt werden sollen. Dabei sollen die Schüler u.a. in einem Fragebogen vor und nach Durchführung des Programms jeweils ihr eigenes Verhalten im Verkehr kritisch einschätzen.

Im vierten Projektbaustein wird das Verkehrsverhalten der Zielgruppe in denselben Situationen wie im ersten Projektbaustein erhoben. Dies dient der Wirkungskontrolle und Evaluation des Verkehrssicherheitsprogramms. 

 

Laufzeit: 09/2018 bis 11/2020