Zukunft des ÖPNV im ländlichen Raum - Planung und Betrieb vor dem Hintergrund der demografischen, siedlungsstrukturellen und fiskalischen Entwicklung

Dipl.-Ing. Timo Bertocchi

 

Das Forschungsprojekt hat das wesentliche Ziel, Bedienungsformen des Linienbetriebes, nachfragegesteuerte Bedienungsformen und Kombinationen beider Formen so gegeneinander abzugrenzen, dass Einsatzbedingungen für diese ÖPNV-Bedienungsformen formuliert werden können. Dabei sollen dem Verkehrsplaner nicht nur Übersichten über verschiedene Bedienungsformen und –möglichkeiten dargelegt werden, sondern auch grundsätzliche Beurteilungen von ÖPNV-Angeboten bezüglich Attraktivität und Kosten möglich werden. Letztlich bleibt es immer eine politische Entscheidung, wie attraktiv und kostenintensiv ein ÖPNV-Angebot gestaltet wird oder werden kann. Die formulierten Empfehlungen sollen den Entscheidungsträgern diesbezüglich eine Unterstützung zur Auswahl eines angemessen Angebotes darbieten.

Im besonderen Fokus liegt hierbei der ÖPNV des ländlichen Raumes, der aufgrund der demografischen, siedlungsstrukturellen und fiskalischen Entwicklungen einer tiefgreifenden Anpassung bedarf. In den Empfehlungen werden neben den Grundlagen der Nahverkehrsplanung, die unter anderem Aussagen zu Nahverkehrsplänen und Wettbewerb im ÖPNV beinhalten, die Rahmenbedingungen für den ÖPNV in der Fläche dargelegt, die sowohl gesellschaftlicher als auch politischer Natur sind. Die demografische Entwicklung zeigt deutlich auf, wie sich die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland sowohl in ihrer Anzahl als auch in ihrer Struktur verändern wird und wie einzelne Bevölkerungsgruppen zahlenmäßig abnehmen werden. Die bereits eingetretenen Kürzungen der Zuschüsse für den ÖPNV weisen zudem auf einen unter finanziellem Druck stehenden ÖPNV hin, der aufgrund massiver Einsparungen zu einer Veränderung gezwungen wird. Die Folgen sind Attraktivitätseinbußen und weitere Verluste in der Fahrgastnachfrage.

Um allerdings Empfehlungen für Einsatzbereiche von Fahrzeugen oder Systemen formulieren zu können, benötigt man zunächst ein detaillierteres Wissen über die Systeme selbst, deren Eigenschaftsprofile in einer einheitlichen Gliederung gegenübergestellt werden, um Vor- und Nachteile eines Einsatzes herauszustellen. Des Weiteren werden neben den Eigenschaften bereits bekannter Verkehrssysteme zukünftige ÖPNV-Konzepte zur Bedienung ländlicher Räume genannt, die unter Zugrundelegung der Attraktivität und Kosteneinsparungen durchaus zukunftsfähig sind.
Für die Darstellung von Einsatzbedingungen bzw. Abgrenzung straßengebundener Betriebsformen wird mit Hilfe eines Simulationsprogramms sowohl eine Abgrenzung von Verkehrssystemen im Sektor als auch von Betriebsformen im Korridor vorgenommen. Ferner wird neben den straßengebundenen Systemen die Regionalbahn näher untersucht, bei der allerdings nicht nur eine betriebswirtschaftliche Betrachtung stattfindet, sondern auch strukturelle und betriebliche Vor- und Nachteile eines Regionalbahneinsatzes berücksichtigt werden.
Letztlich werden mit den Handlungsempfehlungen, Ableitungen und Schlussfolgerungen zu Einsatzbedingungen von Bedienungsformen die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst und die Chancen des ÖPNV in der Fläche aufgezeigt. Die angesprochenen Empfehlungen dienen Planern und Entscheidungsträgern als Entscheidungsgrundlage, welches System unter gewissen Voraussetzungen kostengünstig einzusetzen ist.

 

Laufzeit:

09/2005 – 12/2007

Zuwendungsgeber:

BMVBS (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung), D-10115 Berlin, http://www.bmvbs.de/