AG Lymphologie: Forschungsbericht

1. Projekt Klärung des Wandaufbaues initialer Lymphbahnen unter Berücksichtigung ihrer Beziehung zum umliegenden Bindegewebe
2. Projekt Besonderheiten des uterinen Lymphgefäßsystems. Eine vergleichende Studie an verschiedenen Spezies der Mammalia
 
3. Projekt
Einfluss von Schwermetallverbindungen auf die Zellmembran und das Zytoskelett bei Zellen aus Zellkulturen: REM-
    Dokumentation der morphologischen Veränderungen
   
     
     
 

1. Projekt: Fachbereich 18 (Naturwissenschaften), Fachgebiet Zellbiologie

Projektleiter: Privatdozent Dr. rer. nat. hab. Hellmuth Zöltzer
weitere Beteiligte:
Heidemarie Gärtner (medizinisch technische Assistentin)
Diplomanden und Examenskandidaten

 
 

Klärung des Wandaufbaues initialer Lymphbahnen unter Berücksichtigung ihrer Beziehung zum umliegenden Bindegewebe.

Das Ziel dieses Forschungsprogramms ist auf die Klärung der Mikrostruktur und die Funktionsanalyse des lymphatischen Systems ausgerichtet. Hierbei stehen insbesondere die spezifischen Leistungen des Endothels der initialen Lymphbahn im Vordergrund, das gemeinsam mit seiner Basalmembran und dem umliegenden Gewebe als eine funktionelle Einheit betrachtet werden muss. Das Versuchsvorhaben soll neue Erkenntnisse über den Prozess der Lymphbildung erbringen. Für Mensch und Tier ist dieser Vorgang lebenswichtig. Die Bedeutung des Gleichgewichtes zwischen Lymphbildung und Lymphabtransport wird uns meist erst dann bewusst, wenn aus diesem Gleichgewicht ein Ungleichgewicht wird. Sichtbares Zeichen dafür ist z.B. eine Schwellung (Ödem). Ein länger bestehendes Ödem führt häufig zu irreparablen Gewebeschäden und damit zu einer Leistungsbegrenzung oder einem Leistungsausfall des entsprechenden Organs. Als Modell für die Untersuchungen dient u.a. der Uterus mit seinem von der Natur vorgegebenen "funktionellen System", beruhend auf den zyklischen Veränderungen bezüglich der Bildung und dem Abtransport von Gewebsflüssigkeit im Uterus. Der Uterus befindet sich in jedem Östrus und während der Trächtigkeit in einem ödematösen Zustand, anschließend muss die vermehrt gebildete "lymphatische Last" über das Lymphgefäßsystem abtransportiert werden. Dies ermöglicht eine Untersuchung unterschiedlicher Stadien der Lymphbildung sowie der Gewebeclearance und entsprechender feinstruktureller Anpassungsmechanismen der initialen Lymphgefäße im "normalen" und im ödematösen Gewebe, ohne dass vorher eine entsprechende Manipulation vorgenommen werden muss. Durch den Einsatz von neuen Markersubstanzen, Weiterentwicklung von spezifischen Versilberungstechniken, immunbiologischen Methoden, spezifische Bearbeitungen der Gewebeproben für die Raster- und Transmissionselektronenmikroskopie u.a. sind an diesem Modell wesentliche neue Erkenntnisse sowohl zum prälymphatischen als auch zum initialen Bereich des Lymphgefäßsystems zu erwarten. Der Schwerpunkt der geplanten Untersuchung ist die funktionelle Anpassungsmöglichkeit der Endothelzellen des initialen Lymphendothels. Die für das initiale Lymphendothel typische Zelle hat eine eichenlaubähnliche Form und besitzt neben regulären Zell-Zell-Verbindungen auch sich überlappende Bereiche zweier Endothelzellausläufer, die so eine Einlassklappe ausbilden. Die Funktion der initialen Lymphgefäße wird bis heute in Abhängigkeit zu der spezifischen, sehr dünnen Basalmembran und den daran inserierenden Ankerfilamenten hauptsächlich passiv angesehen. Bei Ausdehnung des Interstitiums durch Ansammlung von Gewebswasser, vergrößern die entsprechend über die Ankerfilamente übertragenen Kräfte das Lumen der initialen Lymphgefäße, die Überlappungszonen der open junction Formationen öffnen sich, interstitielle Flüssigkeit tritt in das Lumen ein und wird nun als Lymphe bezeichnet. Die Größenordnung der Lymphproduktion hängt auf diese Weise von der Anzahl der open junction Formationen ab, im eigentlichen Sinne von der Zone der direkten Kontakte zwischen dem Interstitium und dem Lumen des initialen Lymphgefäßes. Bestimmt man die Anzahl der open junction Formationen in unterschiedlichen Gewebsproben, ergeben sich unter Umständen sehr große Differenzen zwischen den einzelnen Präparaten. Diese bedeutende Tatsache ist bis heute weder ausreichend berücksichtigt noch logisch interpretiert worden. Noch immer sind viele Fragen offen zu Möglichkeiten dieser Zellen, auf die vermehrte "lymphatische Last" zu reagieren. Wir vermuten z.B., dass die Anzahl der "Open junction Formationen" unter Ödembedingungen aktiv vermehrt werden kann und dass es prälymphatische Kanäle im Uterusgewebe gibt, die eine direkte Verbindung zwischen Gewebsraum und Lymphraum bilden. Solche "Tissue channels" sind bisher nur am Mesenterium morphologisch nachgewiesen, sind aber auch für jedes andere Gewebe zu fordern. Eine entsprechende feinstrukturelle Untersuchung soll hier versuchen, Klarheit zu schaffen. Die Voraussetzungen für die geplante Studie bilden ein histologisch-histochemisches Labor, eine Ausstattung mit einem Feldemmissions-Rasterelektronenmikroskop und einem konfokalen Laser-Scanning-Mikroskop, wodurch auch für differenzierte morphologische Untersuchungen beste Arbeitsbedingungen geschaffen wurden. Für die transmissionselektronenmikroskopischen Untersuchungen steht ebenfalls eine entsprechende Einrichtung zur Verfügung.

Kooperationen:
Forschungszentrum Karlsruhe, Institut für Toxikologie (PD Dr. H.F. Krug)
Klinikum Kassel, Pathologisches Institut (Prof. Dr. Rüschoff)

Publikationen:
CASTENHOLZ, A. und ZÖLTZER, H. (1985): Funktionsmorphologische Mechanismen des Lymphtransportes. Zeitschrift für Lymphologie, 9: 14-20.
ZÖLTZER, H. und CASTENHOLZ, A. (1985): Die Zusammensetzung der Lymphe. Zeitschrift für Lymphologie, 9: 3-13.
ZÖLTZER, H. (1986): Der Aufbau des Lymphgefäßsystems im Tierreich. Zeitschrift für Lymphologie, 10: 3-13.
CASTENHOLZ, A. und ZÖLTZER, H. (1989): Neue Erkenntnisse zur strukturellen Grundlage der Lymphbildung. Zeitschrift für Lymphologie, 13: 23-31.
ZÖLTZER, H. und CASTENHOLZ, A. (1990): Tierexperimentelle Darstellung von Lymphgefäßen im Uterus des Meerschweinchens. Vasomed, 8/90: 28-33.
CASTENHOLZ, A. und ZÖLTZER, H. (1990): Die lymphbildende Funktion des Bindegewebes und ihre Dekompensation im Ödemfalle. Vasomed, 6/90: 35-40.
RETTBERG, U.; CASTENHOLZ, A.; ZÖLTZER, H. (1992): Untersuchungen zur strukturellen Organisation initialer Lymphgefäße im Mesenterium des Meerschweinchens. Lymphologica. Jahresband 1992, Berens v. Rautenfeld, D. et al. (Hrsg), Karger,Bonn, S.: 27-30.
CASTENHOLZ, A.; ZÖLTZER, H. (1995): Neue Erkenntnisse zur immunbiologischen Bedeutung des Endothels initialer Lymphbahnen mit Hilfe der konfokalen Laser-Scanning-Mikroskopie. European Journal of Lymphology. 5 (19), 75-85.
OLSZEWSKI, W.L., JAMAL, S. KUBICKA, U., PANI, S., CASTENHOLZ, A., ZÖLTZER, H. (1995): Immunohistochemical and scanning microscopic changes in filarial lymphedema. XV Intern. Congr. of Lymphology, Sao Paulo/Recife, Brasilien, Sept. 1995.
CASTENHOLZ, A.; ZÖLTZER; H.; RÜHLING, H. (1995): Transport and ingestion of fluorescent liposomes in lymphatic pathways. An experimental study based on video microscopy and laser scanning microscopy. Abstraktenband XV Int. Congr. Lymphology, Sao Paulo, Brasilien, Sept. 1995. P. 38
CASTENHOLZ, A.; ZÖLTZER, H. (1996): Anwendung von Liposomen in Biologie und Medizin unter besonderer Berücksichtigung ihrer Indikatoreigenschaften für die Lymphströmung. Lymphologica. Jahresband 1996, 25-32.
CASTENHOLZ, A.; ZÖLTZER, H.; RÜHLING, H. (1996): Strömungsdynamik der Primärlymphe. Lymphologica Jahresband Bochum 1996, 133-137
ZÖLTZER, H. (2000): "Funktionelle Anatomie des Lymphgefäßsystems und organspezifische Besonderheiten seiner Ausprägung im Uterus der Myomorpha und Caviomorpha". Habilitationsschrift, Kassel.
ZÖLTZER; H. (in Druck) (2001): Das initiale Lymphendothel ist aktiv an der Lymphbildung beteiligt. Lymphologie in Forschung und Praxis. 5 (1), x-x

 
   
     
 

2. Projekt: Fachbereich 19 (Biologie/Chemie), Fachgebiet Zellbiologie

Projektleiter: Privatdozent Dr. rer. nat. hab. Hellmuth Zöltzer
weitere Beteiligte:
Heidemarie Gärtner (medizinisch technische Assistentin)
Diplomanden und Examenskandidaten

 
     
 

Besonderheiten des uterinen Lymphgefäßsystems. Eine vergleichende Studie an verschiedenen Spezies der Mammalia.

Der Uterus der Säugetiere weist immunologisch gesehen Besonderheiten auf. Er muss wie jedes Organ in der Lage sein, gegen potentiell pathogene Mikroorganismen eine adäquate Abwehr durchzuführen. Andererseits muss er die Spermatozoen und den Embryo mitsamt seinen Eihüllen und der Plazenta als ebenfalls allogene Zellgebilde tolerieren, ohne in jedem Fall eine immunologisch destruktive Antwort zuzulassen. Der Uterus scheint ein privilegierter Ort zu sein, an dem verhindert werden kann, dass sensibilisierte Lymphozyten den Fremdkörper erreichen, um ihn zu zerstören. Ein Schlüssel zum Verständnis dieser Phänomene ist zweifelsfrei die Art und Weise, in der fremde Substanzen während ihres intrauterinen Aufenthaltes prozessiert werden. Diese differenzierten Antworten des Uterus auf antigene Exponate scheint auch in den Besonderheiten seines Lymphsystems begründet zu sein. Somit ist einer der wesentlichen Punkte beim Verständnis der Natur von Immunvorgängen dieses Organs das Wissen über seine Lymphdrainage. Vorwiegend mit Hilfe der Licht- und Raster- und Transmissionselektronenmikroskopie soll eine Analyse des Verteilungsmusters der Lymphgefäße und deren funktioneller Anatomie im Uterus erfolgen.

Kooperationen:
Klinikum Kassel, Pathologisches Institut (Prof. Dr. Rüschoff)
Forschungszentrum Karlsruhe, Institut für Toxikologie (PD Dr. H.F. Krug)

Publikationen:
ZÖLTZER, H. (1989): Demonstration of lymph vessels in the uterus of rats and guinea pigs with silver staining technique. Bulletin de l'Association des Anatomistes. Symposium de Neuroanatomie et Neurobiologie. Nancy 25.-26.9.1989. Volume des Résumés: 113.
ZÖLTZER, H. (1991): Zur Organisation des Lymphgefäßsystems im Uterus von Meerschweinchen und Ratte. Verh. Anat. Ges. 85. (Anat. Anz. Suppl. 170), S.: 353-354.
ZÖLTZER, H. (2000): "Funktionelle Anatomie des Lymphgefäßsystems und organspezifische Besonderheiten seiner Ausprägung im Uterus der Myomorpha und Caviomorpha". Habilitationsschrift, Kassel.
KLAMMROTH, S., ZÖLTZER, H. (in Vorbereitung): Die Entwicklung der sogenannten "METRIALEN DRÜSE" bei der Ratte. Eine histologisch - histometrische Untersuchung.

 
   
     
 

3. Projekt: Fachbereich 19 (Biologie/Chemie), Fachgebiet Zellbiologie

Projektleiter: Privatdozent Dr. rer. nat. hab. Hellmuth Zöltzer
weitere Beteiligte:
Heidemarie Gärtner (medizinisch technische Assistentin)
Diplomanden und Examenskandidaten

 
     
 

Einfluss von Schwermetallverbindungen auf die Zellmembran und das Zytoskelett bei Zellen aus Zellkulturen: REM-Dokumentation der morphologischen Veränderungen

Diese Studie wird seit 1987 in Zusammenarbeit mit dem Toxikologischen Institut des Forschungszentrums Karlsruhe betrieben. Die Erkenntnisse aus dieser Untersuchung sollen u.a. dem frühen Nachweis einer Schwermetallbelastung des menschlichen Körpers dienen. Es werden der zelluläre Lipidstoffwechsel und der Eingriff von Schwermetallen in das Gleichgewicht der zugehörigen Enzyme analysiert. Fluoreszenzmikroskopie, Transmissions- und Rasterelektronenmikroskopie ergänzen hierbei die in Karlsruhe durchgeführten biochemischen Untersuchungen. Zu beobachtende Veränderungen der Zelloberfläche sind immer auch ein Resultat von Veränderungen des Zytoskeletts. Ein besonderes Problem, das Ablösen der Zellmembranen bei Erhalt des Zytoskeletts, konnte mittlerweile gelöst werden. Hochauflösende REM-Aufnahmen von Filamenten des Zellgerüstes sollen in den nächsten Jahren die Ergebnisse der biochemischen Analysen von normalen und unter Schwermetallbelastung veränderten Kulturzellen erhärten.

Kooperationen:
Forschungszentrum Karlsruhe, Institut für Toxikologie (PD Dr. H.F. Krug)

Publikationen:
KRUG, H.; ZÖLTZER, H.; CULIG, H. und TAYLOR, D.M. (1988): Morphological changes of HL-60 cells after differentiation by DMSO or treatment with triethyl lead. European Journal of Cell Biology, 46 (Suppl. 22): 36.
KÄFER, A.; ZÖLTZER, H.; KRUG, H.F. (1992): The Stimulation of Arachidonic Acid Metabolism by Organic Lead and Tin Compounds in Human HL-60 Leukemia Cells. Toxicology and Applied Pharmacology 116, S.: 125-132.
ZAUCKE, F.; ZÖLTZER, H.; KRUG, H.F. (1995): Cell Damage and Apoptosis induced by Organometals. Gesellschaft für Biologische Chemie, Herbsttagung in Hannover vom 11.-13. Sept. 1995. Abstract in: Biological Chemistry (Hoppe-Seyler) Vol. 376, 1995
KRUG, H.F.; ADE, T.; ZAUKE, F.; ZÖLTZER, H. (1996): Calcium as a mediator and/or amplifier of organometal toxicity. Metal Ions in Biology and Medicine; Vol 4. Eds. Ph. Collery, J. Corbella, J.L. Domingo, J.C. Etienne, J.M. Llobet. John Libbey Eurotext, Paris. 275-277
ZAUKE, F.; ZÖLTZER, H.; KRUG, H.F. (1998): Dose-dependent induction of apoptosis or necrosis in human cells by organotin compounds. Fresenius J. Anal. Chem. 361, 386-392.

 
     
     
     
     

 


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