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Ringvorlesung Moderne Naturwissenschaften
im Sommersemester 98

Eine Veranstaltungsreihe der Fachschaft Biologie/Chemie
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Vorträgen

Die GAIA-Hypothese von James Lovelock, eine Betrachtung (M. Fasterding)

Nach der altgriechischen Erdgöttin Gaia ist die Theorie des englischen Wissenschaftlers Professor Dr. James Lovelock eines "lebenden Systems Erde" benannt. Dabei geht die Namensgebung auf den Literatur-Nobelpreisträger William Golding zurück. Die Haupthese dieser Theorie ist die Annahme, daß die Erde ein einziger großer und hochempfindlicher Organismus ist und somit als Lebewesen betrachtet wird. Dies steht im Gegensatz zu der Auffassung vieler Geologen, die die Erde als einen größtenteils von Wasser bedeckten, toten Körper ansehen, der um seine Sonne kreist. Nach Lovelock ist die Evolution der Arten ausgesprochen eng mit der Evolution ihrer physikalischen und chemischen Umwelt gekoppelt, so daß beide zusammen in eine einzige, untrennbare evolutionäre Entwicklung einbezogen sind. Obwohl die Theorie nach wie vor innerhalb der wissenschaftlichen Welt sehr umstritten ist, mehren sich doch in letzter Zeit Hinweise, die die Annahmen von James Lovelock untermauern. So gibt es Untersuchungen darüber, daß die Biosphäre in den Kohlendioxid-Gehalt der Erdatmosphäre eingreift, daß das Algen-Stoffwechselprodukt Dimethylsulfid die Wolkenbildung über den Ozeanen reguliert und der Salzgehalt der Meere konstant gehalten wird.

Gäbe es kein Leben auf der Erde, so würde diese eher der Venus, als dem Mars vergleichbar sein. Nach Lovelocks Berechnungen hätte sie dann eine Oberflächentemperatur von ungefähr 290° Celsius. Zur Klimasituation hat James Lovelock einen der Erde nachempfundenen Computer-Planet entwickelt. Dabei erwärmt sich die Sonne des Planeten "Daisyworld", wie unsere Sonne im Laufe ihrer Evolution. Lovelock geht dabei der Frage nach, ob die Evolution des Ökosystems Daisyworld zu einer Selbtregulation des Klimas führen würde? Von Lovelock wurde die Darstellung der Gaia-Hypothese einmal mit den Worten eingeleitet:

"Kann ein Planet, der fast ausschließlich aus Felsen besteht, die noch dazu zum größten Teil weißglühend oder geschmolzen sind, leben? Bevor man diese Vorstellung als absurd zurückweist, denke man ein anderes großes, lebendes Objekt: einen großen Mammutbaum, eine amerikanische Riesenkiefer. Sie lebt, obwohl sie zu 99 Prozent aus totem Holz besteht. Wie die Erde besitzt sie nur eine dünne, die Oberfläche bedeckende Haut aus lebendem Gewebe".

James Lovelock, geb. 1919, arbeitet heute als freier Wissenschaftler. Er ist Fellow der Royal Society und erhielt 1990 den Umweltpreis der Kgl. Niederländischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Literatur:

James Lovelock: GAIA - Die Erde ist ein Lebewesen, Scherz 1992

James Lovelock: Das GAIA-Prinzip: Die Biographie unseres Planeten, Insel Verlag, 1993

Elisabet Sahtouris: GAIA - Vergangenheit und Zukunft der Erde., Insel Verlag 1993

Joachim Müller-Jung: Einzeller im Meer beeinflussen das Klima, FAZ 9.7.97

Filmdokumentation:

Die GAIA-Hypothese: James E. Lovelock: Die Erde ist ein lebender Organismus, Komplettvideo München

Zur Person:

Michael Fasterding, geb. 1965

Abitur an der Albert-Schweitzer-Schule Hofgeismar 1985.
Berufliche Erfahrungen in verschiedenen Bereichen der Industrie.
1990-92 Ausbildung zum Gärtner in der Fachrichtung Blumen- und Zierpflanzen im Schloßpark Wilhelmshöhe, Kassel.
Von 1992-94 Ausbildung zum CTA an der Elisabeth-Knipping-Schule, Kassel. Dabei Praktikum in der Arbeitsgruppe von Frau Prof. Dr. M. E.. Michel-Beyerle: "Elementarprozesse der Photosynthese" an der TU München Garching.
Seit 1994 Studium der Biologie und Chemie für das Lehramt an der Universität Gesamthochschule Kassel.

Hauptinteresse: Entwicklungsprozesse der Materie.

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Kritik, Anregung, verantwortlich und mehr ... Cornelius R. Bartke
(letzte Änderung am 20.04.1998)