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FB 03 Fachrichtung Psychologie
Arbeitsgruppe "Evolutionäre Psychologie"
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1. Der evolutionäre Ansatz in der Psychologie
2. Mitglieder der Arbeitsgruppe "Evolutionäre Psychologie" an der Uni Kassel
3. Laufende Projekte
4. Lehrveranstaltungen der Arbeitsgruppe "Evolutionäre Psychologie"
5. Weiterführende Links
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Impressum | Letzte Änderung: Juni 02



1. Der evolutionäre Ansatz in der Psychologie
 


Warum haben Menschen Gefühle? Warum sind sie in bestimmten Situationen froh, traurig, eifersüchtig, verliebt, wütend, schuldbewusst? Warum gehen Menschen jemals Risiken ein, lieben ihre eigenen Kinder meist mehr als etwa die ihres Partners, können sich in andere Personen hineinversetzen, sind wählerisch bei der Partnersuche, töten einander, glauben an überirdische Wesen, imitieren das Verhalten anderer Menschen, fürchten sich vor Schlangen mehr als vor Autos, essen mit Vorliebe fette und süße Speisen und finden bestimmte Körpermerkmale des anderen Geschlechts attraktiv?

Eine der zentralen Aufgaben einer Psychologie des Menschen ist es, diese und viele andere universell verbreitete psychische Merkmale sowie ihr kontextspezifisches Auftreten zu erklären. Doch wie geht man diese Fragestellungen am besten an? Vieles spricht dafür, dass dies am erfolgversprechendsten unter Berücksichtigung der Naturgeschichtlichkeit des Menschen geschieht.

Darwins Theorie der Evolution durch natürliche Selektions ist bis heute die einzige wissenschaftliche Theorie, die erklären kann, wie Organismen mit funktionellem Design entstehen und sich über die Generationen hinweg verändern können. Jeder Organismustyp (jede Art) repräsentiert ein Aggregat von funktionalen Mechanismen (Anpassungen), die sich in der Vergangenheit gegenüber weniger funktionalen Mechanismen-Varianten durchsetzen konnten. “Funktional” heißt hier: das individuelle Reproduktionsergebnis relativ zu Konkurrenten derselben Art positiv beeinflussend.

In der Evolution entsteht funktionelles Design also durch das Wirken von genetischer Selektion über lange Zeiträume hinweg. Da wir keinen anderen Prozess kennen, der ähnliches leisten könnte, müssen wir schlussfolgern, dass auch die organismische Funktionalität des Menschen Ergebnis eines Selektionsprozesses ist – seine psychische Funktionalität miteingeschlossen. Dies ist der argumentative Ausgangspunkt der evolutionären Psychologie.

Unsere psychischen Mechanismen sind demnach als Anpassungen zu verstehen, d.h. als Mechanismen, die Problemlösungen zu spezifischen, im Laufe der Naturgeschichte immer wieder auftretenden “Problemen” darstellen und die entsprechend in spezifischen Kontexten aktiviert werden. Spezifisch sind psychische Mechanismen deshalb, weil sie nur in Antwort auf spezifische selektive Einflüsse entstehen können. Gehirne sind also keine universellen Problemlösungs-Computer - einfach deshalb, weil es in der Naturgeschichte nie ein universelles Problem gab, das so einen Computer hätte hervorbringen können. Die Evolutionspsychologen John Tooby und Leda Cosmides vergleichen den menschlichen Denkapparat daher anschaulich mit einem Schweizer Taschenmesser, das – je nach Situation – erlaubt, zwischen einer Reihe von ausklappbaren Spezialwerkzeugen auszuwählen. Etwa so, wie sich Spezialwerkzeuge bei der Bewerkstelligung von ihrer Funktion entsprechenden Aufgaben am besten bewähren, so sollten auch psychische Mechanismen dann am effizientesten Arbeiten, wenn sie von genau denjenigen (externen oder internen) Umwelteinflüssen aktiviert werden, die im Laufe der Naturgeschichte regelmäßig mit dem Eintreten genau derjenigen selektiv wirkenden Problemsituation einhergingen, die zur Evolution dieser Mechanismen geführt hat.

Die Evolutionspsychologie zieht sowohl empirische Befunde wie auch evolutionstheoretische Modelle dazu heran, um die Funktionsweise psychischer Mechanismen besser zu verstehen und um tatsächliches Verhalten in bestimmten Kontexten vorauszusagen.

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2. Mitglieder der Arbeitsgruppe "Evolutionäre Psychologie"