4. Landschaftswandel
4.1. Methodik
Historisch-geographische Betrachtungsweisen
In den Betriebs-Chroniken der Elemente des Kulturlandschaftskatasters, wie sie in Kapitel 2 formuliert wurden, wird die historische Entwicklung des Objektes durch eine möglichst lückenlose Folge von Ereignissen (z.B. Gründung, erste Nutzungsform, Besitzerwechsels, Umnutzung, Stilllegung, heutige Nutzung) beschrieben. Die Folge dieser Ereignisse und ihre Zeitpunkte werden durch die verfügbaren Quellen des jeweiligen Objektes bestimmt. Die Zeitpunkte zu verschiedenen Elementen stimmen in der Regel nicht überein; auch ist die Anzahl von Zeitpunkten u.U. sehr unterschiedlich groß. Dies wird die längsschnittliche (diachrone) Betrachtungsweise genannt.
Der Nachteil dieser Methodik besteht darin, dass die Genese der Kulturlandschaft nur anhand weniger Punkte beschrieben wird. Die übrige Landschaft „außerhalb der Punkte“ bleibt „ein unbeschriebenes Blatt“.
Die querschnittliche (synchrone) Betrachtungsweise dagegen ist auf die landschaftlichen Zustände einer bestimmten Vergangenheit gerichtet. Zu allen Elementen der Kulturlandschaft liegen zu identischen Zeitpunkten Daten vor.
Aufgrund der Situation der vorliegenden Quellen wurde im Projekt für das Kulturlandschaftskataster des Lossetals wie folgt verfahren :
Landschaftswandelkartierung
Woher kommen die Daten für die gesamte Kulturlandschaft zu verschiedenen historischen Zuständen ? Hierzu werden topographischen Karten in möglichst großem Maßstab verwendet (typischerweise im Maßstab 1:25000), die seit den Landesaufnahmen im 19. Jahrhundert flächendeckend vorliegen und die immer wieder den erfolgten Änderungen der Landschaft angepasst wurden. Im Projekt „Industriekultur im Lossetal“ wurde auf historische Karten im Abstand eines halben Jahrhunderts (etwa 1850, 1900, 1950, 2000) zugegriffen
Tabelle 4 :
verwendete historische Karten für die Landschaftswandelkartierung:
|
Jahr |
Aufnahme |
Blatt |
Maßstab |
|
1859 |
NKH Kurhessische Landesaufnahme |
Blatt 23 |
1:25000 |
|
1909 |
Preußische Landesaufnahme |
Blatt 4723 |
1:25000 |
|
1958 |
Hessisches Landesvermessungsamt |
Blatt 4723 |
1:25000 |
Quelle : Hessische Landessstelle für Bodenmanagement und Geoinformation
Bei den Blättern (23 bzw. 4723) handelt es sich jeweils um das mit Oberkaufungen bezeichnete Blatt.
Zur Visualisierung der Karteninhalte wird in Karte 7 für denselben Ausschnitt (Lossetal unterhalb von Niederkaufungen) der Inhalt der Karten für 1859, 1909 und 1958 dargestellt und dem Digitalen Landschaftsmodells DLM25 gegenübergestellt.
Die Kulturlandschaft wird beschrieben durch folgende Komponenten aus DLM25
|
LN |
Landnutzung |
Ableitung aus DLM25 |
|
2100 |
baulich geprägte Flächen |
Objektgruppe 2100 ohne Objektart 2112 |
|
2112 |
Industrie und Gewerbe |
Objektart 2112 |
|
2200 |
Siedlungsfreiflächen |
Objektgruppe 2200 |
|
2301 |
Tagebau, Grube, Steinbruch |
Objektart 2301 |
|
3000 |
Verkehr |
Objektbereich 3000 |
|
4101 |
Ackerland |
Objektart 4101 |
|
4107 |
Wald, Forst, Gehölz |
Objektarten 4107 und 4108 |
|
4100 |
Grünland + restliche Vegetation |
Rest Objektgruppe 4100 |
|
5100 |
Gewässerflächen |
Objektgruppe 5100 |
|
LNG |
Landnutzung |
enthält die Kategorien der Feinstruktur LN |
|
2000 |
baulich geprägte Flächen und Verkehr |
2100 + 2112 + 3000 |
|
4101 |
Ackerland |
4101 |
|
4107 |
Wald, Forst, Gehölz |
4107 |
|
4000 |
Grünland, restliche Vegetation, Gewässer |
2200 + 2301 + 4100 + 5100 |
Zur Erfassung des Wandels der Kulturlandschaft wird das folgende Verfahren angewendet :
4.2. Ergebnisse für den Bereich Kaufungen
4.2.1 Veränderung der Landschaft
Für die Landschafts-Komponenten Straßenverkehr (bearbeitet im Projekt von Katharina Mannel), Eisenbahn (Yunbo Yang), Gewässer(Maren Witte, Nicole Neubauer) und Landnutzung (Horn) werden in den Karten 8,9,10,11 die Zustände für 2000, 1958, 1909 und 1859 visualisiert. Für die Landnutzung wird die Unterteilung nach der obigen Tabelle 5 „Feinstruktur“ verwendet.
Zur Interpretation des Befundes aus den Karte 8-11:
Quantitative Beschreibung
Die Veränderung der Landschaft wird im Folgenden quantitativ untersucht. Als Maß wird die Flächengröße der verschiedenen Landnutzungsarten genutzt. Um die Darstellung zu vereinfachen (und um so die Genese der Landschaft deutlicher darstellen zu können), wird hierbei die Grobstruktur der Landnutzungsarten nach Tabelle 6 verwendet.
Tabelle 7
Landschaftswandel für Nieder- und Oberkaufungen
Absolute Flächenangaben in Hektar (links)
und relativ zur Gesamtfläche des Ortes in Promille (rechts)
|
|
2000 |
1958 |
1909 |
1859 |
|
2000 |
1958 |
1909 |
1859 |
|
|
Hektar |
Hektar |
Hektar |
Hektar |
|
vT |
vT |
vT |
vT |
|
Landnutzung |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Niederkaufungen |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
bebaut + Verkehr |
196,5 |
94,1 |
38,4 |
25,4 |
|
197 |
94 |
38 |
25 |
|
Ackerland |
455,5 |
603,7 |
641,7 |
653,9 |
|
457 |
606 |
644 |
656 |
|
Wald, Forst, Gehölz |
106,9 |
78,3 |
74,6 |
72,1 |
|
107 |
79 |
75 |
72 |
|
Grünland |
237,5 |
220,3 |
241,8 |
245,0 |
|
238 |
221 |
243 |
246 |
|
Summe |
996,4 |
996,4 |
996,4 |
996,4 |
|
1000 |
1000 |
1000 |
1000 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Oberkaufungen |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
bebaut + Verkehr |
227,6 |
95,5 |
58,6 |
36,2 |
|
141 |
59 |
36 |
22 |
|
Ackerland |
280,4 |
429,9 |
490,6 |
555,3 |
|
174 |
266 |
304 |
344 |
|
Wald, Forst, Gehölz |
809,1 |
750,8 |
747,2 |
641,5 |
|
501 |
465 |
463 |
397 |
|
Grünland |
297,6 |
338,5 |
318,4 |
381,7 |
|
184 |
210 |
197 |
236 |
|
Summe |
1614,8 |
1614,8 |
1614,8 |
1614,8 |
|
1000 |
1000 |
1000 |
1000 |
Die Daten aus der Tabelle 7 sind in Diagramm 1 (für Niederkaufungen) und Diagramm 2 (für Oberkaufungen) visualisiert. In den Säulen werden die relativen Werte (in Tabelle 7 die rechte Abteilung) eingetragen.
Zur Interpretation des Befundes zum Landschaftswandel aus Tabelle 7 / Diagramm 1 / Diagramm 2:
4.2.2 Konstanz der Landschaft
Die Karten und Tabellen aus dem vorausgegangen Abschnitt vermitteln primär den Eindruck einer sich massiv verändernden Landschaft. Dies gilt auf jeden Fall für die bebauten Flächen. Für die anderen Landnutzungsarten gilt dies jedoch nicht. Untersucht man alle Flächen, deren Nutzung seit 1859 konstant geblieben ist, so verbleibt ein großer Anteil „konstanter Landschaft“.
Tabelle 8
Konstanz der Landnutzung für Nieder- und Oberkaufungen
Ausgangszustand : Landnutzung im Jahr 2000
Seit wann besteht diese Landnutzungsart ?
Absolute Flächenangaben in Hektar (links) und
relativ zur Gesamtfläche einer Landnutzungsart(Spalte „Summe“) in Promille
(rechts)
|
Landnutzung 2000 |
nur |
seit |
seit |
seit |
Summe |
|
nur |
seit |
seit |
seit |
|
|
Hektar |
Hektar |
Hektar |
Hektar |
Hektar |
|
vT |
vT |
vT |
vT |
|
bebaut+Verkehr |
241,1 |
96,5 |
33,2 |
53,3 |
424,1 |
|
569 |
227 |
78 |
126 |
|
Grünland+Gew. |
140,7 |
49,3 |
29,9 |
315,1 |
535,0 |
|
263 |
92 |
56 |
589 |
|
Ackerland |
14,0 |
3,8 |
9,3 |
708,9 |
736,0 |
|
19 |
5 |
13 |
963 |
|
Wald,Forst,Gehölz |
89,5 |
25,9 |
116,5 |
684,2 |
916,1 |
|
98 |
28 |
127 |
747 |
|
Summe |
485,3 |
175,5 |
188,9 |
1761,5 |
2611,2 |
|
186 |
67 |
72 |
675 |
Zur Interpretation der Tabelle 8:
In Karte 12 werden die Bereiche der Kaufunger Fluren, deren Nutzung seit der Aufnahme aus der Karte von 1859 unverändert geblieben ist, im Einzelnen visualisiert. Ausgehend von der aktuellen Landnutzung (im Jahr 2000) werden die konstanten Bereiche durch die waagrechte Schraffur hervorgehoben.
Zur Interpretation der Karte 12:
4.2.3 Wandel des Anteils „bebaute Flächen“
Der übereinstimmend für Nieder- und Oberkaufungen deutlichste Landschaftswandel für die untersuchten Zeitzustände betrifft die Zunahme der bebauten Flächen.
Im Folgenden wird untersucht, welcher Art die Landnutzung der bebauten Flächen im vorausgegangen Zeitzustand (und die dort noch nicht bebaut waren) war. Hierbei ergeben sich Unterschiede für Nieder- und Oberkaufungen, die ihren Grund in der Topographie der beiden Ortsteile haben.
Diagramme 3 und 4 : Vornutzung der jeweils bebauten
Flächen
Landnutzungskategorien : Grobstruktur nach Tabelle 6
Diagramm 3 : Niederkaufungen
Diagramm 4 : Oberkaufungen
Zur Interpretation der Diagramme 3 und 4:
In Karte 13 wird versucht, den in den Diagrammen dargestellten Zustand räumlich zu visualisieren.
Zur Interpretation der Karte 13:




| Karte 7 | pdf 5.4 MB | Historische Karten im Vergleich mit dem DLM25 |
| Karte 8 | pdf 156 KB | Zustand 2000 |
| Karte 9 | pdf 139 KB | Zustand 1957 |
| Karte 10 | pdf 139 KB | Zustand 1909 |
| Karte 11 | pdf 131 KB | Zustand 1859 |
| Karte 12 | pdf 225 KB | Zustand 2000 : konstante Landnutzung seit 1859 |
| Karte 13 | pdf 196 KB | Zuwachs der bebauten Flächen |