Beförderung - Gefährliche Abfälle (Sonderabfälle)

Welche Vorschriften gibt es für die Beförderung von Gefahrgut?

Bild_Gefahrgutlager

Über die Beförderung von Gefahrgut existieren besondere Vorschriften hinsichtlich Verpackung, Ladungssicherung, Kennzeichnung und Transport. Die Vorschriften sind im „Übereinkommen des Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR - Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route)“ für den Straßenverkehr, beziehungsweise die Regelung zur internationalen Beförderung gefährlicher Güter im Schienenverkehr (RID) beim Schienenverkehr festgelegt.

Das ADR beinhaltet in 9 Kapiteln auf über 1.400 Seiten die Anforderungen an das Verpacken und Verpackungen, Fahrzeuge und Fahrweg, Kennzeichnung etc.

Die Vorschriften des ADR gelten nicht für...

Nachfolgend die wichtigsten Freistellungen, die im Zusammenhang mit dem innerbetrieblichen Transport von gefährlichen Gütern Anwendung finden (Auszug, nicht vollständig!):

Freistellungen in Zusammenhang mit der Art der Beförderung (ADR 1.1.3.1, Auszug, nicht vollständig!)
Für alle nachfolgend aufgelisteten Beförderungsarten gilt, dass Maßnahmen zu treffen sind, die unter normalen Beförderungsbedingungen ein Freiwerden des Inhalts verhindern!

Die Vorschriften des ADR gelten nicht für:

  • Beförderungen gefährlicher Güter, die von Privatpersonen durchgeführt werden, sofern diese Güter einzelhandelsgerecht abgepackt sind und für den persönlichen oder häuslichen Gebrauch oder für Freizeit und Sport bestimmt sind…
  • Beförderungen von Maschinen oder Geräten, die in ihrem inneren Aufbau oder in ihren Funktionselementen gefährliche Güter enthalten…
  • Beförderungen, die von Unternehmen in Verbindung mit ihrer Haupttätigkeit durchgeführt werden, wie Lieferungen für oder Rücklieferungen von Baustellen im Hoch- und Tiefbau, oder im Zusammenhang mit Messungen, Reparatur- und Wartungsarbeiten …
  • Beförderungen, die von Einsatzkräften oder unter deren Überwachung durchgeführt werden…
  • Notfallbeförderungen zur Rettung menschlichen Lebens oder zum Schutz der Umwelt…
  • die Beförderung ungereinigter, leerer, ortsfester Lagerbehälter, die Gase der Klasse 2 Gruppe A, O oder F, Stoffe der Verpackungsgruppe II oder III der Klasse 3 oder 9 oder Pestizide der Verpackungsgruppe II oder III der Klasse 6.1 enthalten haben, unter den folgenden Bedingungen….


Freistellungen / Transporterleichterungen

Der innerbetriebliche Transport von Gefahrgut z.B. die Lieferung  von Chemikalien vom zentralen Chemikalienlager in der Heinrich-Plett-Straße zu den Standorten und Einrichtungen oder die Lieferung von Chemikalien zu Versuchseinrichtungen sollte im Regelfall nur geringe Mengen umfassen. Das ADR sieht für den Transport von begrenzten Mengen Erleichterungen vor. Diese Freistellungen gelten jedoch nur für in Versandstücken verpacktes Gefahrgut. Alle anderen Vorschriften des ADR hinsichtlich Verpackung und Kennzeichnung etc. gelten weiterhin!

Freistellungen von in begrenzten Mengen verpackte gefährliche Güter (3.4 ADR)

Kleine Mengen (Limited Quantity oder LQ) gefährlicher Güter bestimmter Klassen können unter erleichterten Bedingungen befördert werden.

Voraussetzung dafür ist, dass:

  • die entsprechenden Mengengrenzen gemäß Kapitel 3.4 pro Innenverpackung eingehalten werden,
  • die höchstzulässige Gesamtbruttomasse von 30 kg für zusammengesetzte Verpackungen und 20 kg für Trays in Dehn- oder Schrumpffolie nicht überschritten wird,
  • sie in zusammengesetzten Verpackungen oder Trays befördert werden, die den Bedingungen für solche Verpackungen entsprechen, jedoch nicht bauartgeprüft und zugelassen sein müssen und
  • das Versandstück mit dem in Kapitel 3.4.7 ADR abgebildeten Kennzeichen versehen ist.

 

 

Freistellungen für begrenzte Mengen, die je Beförderungseinheit befördert werden (1.1.3.6 ADR):

Das ADR sieht in Kapitel 1.1.3.6 Freistellungen in Zusammenhang mit Mengen, die je Beförderungseinheit befördert werden vor, die so genannte „1000-Punkte Regelung“.

In Verbindung mit der Tabelle 1.1.3.6.3 können die mit dieser Freistellung zu transportierenden Bruttomengen für die verschiedenen Gefahrklassen abgelesen werden, z.B.:

  • BENZIN oder OTTOKRAFTSTOFF, UN 1203, Klasse 3, Verpackungsgruppe II, Beförderungskategorie 2 bis max. 333 Liter Nenninhalt oder
  • DIESELKRAFTSTOFF, UN 1202, Klasse 3, Verpackungsgruppe III, Beförderungskategorie 3 bis max. 1000 Liter Nenninhalt).

Werden Gefahrstoffe verschiedener Klassen zusammen transportiert, so muss die Punktzahl unter Verwendung der in Kapitel 1.1.3.6.4 angegeben Faktoren berechnet werden und darf einen Gesamtwert von 1000 nicht überschreiten.

Das Gefahrgut muss nach den Vorschriften des ADR klassifiziert, verpackt und gekennzeichnet sein:

  • Ausschließlich Verwendung von zugelassenen Verpackungen.
  • Die Versandstücke müssen entsprechend den Inhaltsstoffen mit den vorgeschriebenen Gefahrzetteln versehen sein.
  • Kennzeichnung der Versandstücke mit der Kennzeichnungsnummer des Gutes, der die Buchstaben „UN“ vorangestellt sind.

Beim Transport kann nach dieser Regelung verzichtet werden:

  • auf eine Kennzeichnung des Fahrzeugs (orange Tafel),
  • auf spezifische persönliche Schutzausrüstung und Ausrüstungsgegenstände,
  • auf das Mitführen von Unfallmerkblättern und
  • den ADR-Führerschein

Der Fahrer benötigt jedoch:

  • eine interne Unterweisung z.B. durch den Gefahrgutbeauftragten
  • ein Beförderungspapier
  • einen 2 kg Feuerlöscher im Fahrzeug.


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