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30.11.2018 10:07

Stanford-Professorin Londa Schiebinger war zu Gast an der Universität Kassel

Vortrag und Workshop zu Gendered Innovations in Science, Technology & Engineering

Foto: Frauen- und Gleichstellungsbüro

Londa Schiebinger, Wissenschaftshistorikerin der Stanford University und Leiterin des internationalen Projekts „Gendered Innovations in Science, Medicine, Engineering and Environment“, hielt am 21.11.2018 einen vielbeachteten und begeisternden Vortrag an der Universität Kassel zum Thema „How sex and gender analysis creates better research in technology and engineering“. Dabei hob sie die innovative Wirkung hervor, die entfaltet wird, wenn Gender und Diversity-Aspekte in Forschung und Praxis einbezogen werden. Sie stellte das von ihr an der Stanford University initiierte Projekt „Gendered Innovations in Science, Engineering and Environment“ vor. Es bietet eine neue Perspektive auf die Fragestellung „Wie kommt Innovation in die Wissenschaft?“ und stellt differenzierte Methoden zur Analyse des biologischen (sex) und sozialen Geschlechts (gender) vor. Die Dimensionen von Geschlecht und Diversität werden in die Forschung der Natur- und Technikwissenschaften integriert. Diese Gender-Analyse beruht auf den strategischen Ansätzen:

  • ·         Fix the numbers of woman 
  • ·         Fix the institutions
  • ·         Fix the knowledge

Anhand konkreter Fallbeispiele aus den Bereichen Naturwissenschaften, Gesundheit und Medizin, Technik und Umwelt stellte sie Forschungsinnovationen vor. Am Beispiel der „Schwangeren Crashtest-Dummies“ zeigte sie, wie wichtig es ist, Standards und Referenzmodelle zu überdenken. So gibt es bis heute keine Sicherheitsgurte für Schwangere, was viele Leben kostet.

Auf die Frage, „Wie bekommen wir mehr Frauen in ingenieurwissenschaftliche Bereiche wie z. B. Computer Science?“  betonte Londa Schiebinger die Notwendigkeit, das Curriculum zu ändern: erhöhter Anwendungsbezug der Studiengänge, praxisbezogene Arbeitsweisen und die Stärkung interdisziplinärer Angebote.  Bereits zu Beginn des Studiums sollten Anwendungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Diese Änderungen machen das Studium attraktiv, nicht nur für Frauen.

In dem Workshop „Applying Gendered Innovations“  am 22.11.2018 diskutierte Prof. Londa Schiebinger mit Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Studierenden der Universität Kassel aus den Bereichen Elektrotechnik/Informatik, den Naturwissenschaften, den Ökologischen Agrarwissenschaften, der Kunsthochschule, den Human-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften und Mitgliedern des Präsidiums, wie die Gender-Analyse für die Forschung kreativ genutzt  und Gender- und Diversity-Aspekte in die eigenen Forschungsbereiche einbezogen werden können.

Die Veranstaltung wurde organisiert von der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Universität Kassel, Dr. Sylke Ernst und Prof. Dr. Claude Draude, Professorin „Gender/Diversity in Informatics Systems (GeDIS) und dem ITeG.