Geschlechtergerechte Sprache

Um Frauen und Männer gleichermaßen anzusprechen und die Chancengleichheit zu fördern, ist es sinnvoll, auf eine nicht diskriminierende Sprache zu achten.

Studien haben gezeigt, dass beispielsweise Stellenausschreibungen oder Veranstaltungshinweise, die in geschlechtergerechter Sprache formuliert sind, Wirkung zeigen: Es gibt mehr Bewerbungen oder Veranstaltungsbesuche von Frauen, wenn diese sich direkt angesprochen fühlten.

Geschlechtergerechte Sprache hat eine Reihe von Vorteilen. So können Sie beispielsweise Ihre Zielgruppe differenzierter ansprechen. Dem Schreiben  sollte daher immer die Überlegung vorausgehen: Wer soll meinen Text lesen? Möchte ich nur Männer oder nur Frauen ansprechen? Wie kann ich alle Leserinnen und Leser unabhängig von ihrem Geschlecht ansprechen und motivieren?

Rechtliche Grundlagen

  • Das Hessische Gleichberechtigungsgesetz hat die Verwirklichung der Chancengleichheit der Geschlechter zum Ziel erklärt. Die ausgewogene Repräsentanz der Geschlechter in Sprache und Texten wird dafür als Voraussetzung bezeichnet.
  • Das Hessische Hochschulgesetz betont ebenfalls das Ziel der Chancengleichheit.
  • Der Frauenförderplan der Universität Kassel gibt vor, dass alle Schriftstücke entsprechend umgewandelt werden sollen. Er weist auch darauf hin, Rollenklischees zu vermeiden und bei Bildveröffentlichungen auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis zu achten.

Formulierungshilfen

Zur geschlechtergerechten Sprache gehört, das generische Maskulinum (z.B. die männliche Form „der Wissenschaftler“ stellvertretend für alle Geschlechter) zu umgehen. Es gibt eine Reihe alternativer Formulierungen. Manchmal fehlt es an kreativen Ideen, den Vorsatz im Alltag umzusetzen, darum einige Vorschläge:

  • direkte Formulierungen: z.B. „Kommen Sie bitte morgen zur Veranstaltung XY“ statt „Interessenten kommen morgen ….“: Damit umgehen Sie Doppelformulierungen wie Interessentinnen/Interessenten und können Ihren Text verkürzen.
  • weibliche Suffixe: Sagen Sie z.B. Studentin, wenn es um eine weibliche Person geht.
  • Doppelformen: z.B. Professorinnen und Professoren; bei der Doppelform hat sich etabliert erst die weibliche, dann die männliche Form zu nennen

Tipp: Plural verwenden („Die Professorinnen und Professoren …“), um die doppelte Angabe des Artikels (der/die) zu vermeiden.

  • präzise Bezeichnungen: Berufsbezeichnungen lassen sich z.B. ganz einfach geschlechtergerecht anpassen, indem Sie genau darauf achten, ob es sich im jeweiligen Fall um eine Frau oder einen Mann handelt. Schreiben Sie beispielsweise „Vizepräsidentin“.
  • geschlechtsneutrale Begriffe:  z.B. Studierende, Lehrende, Teilnehmende, Zuhörende, Person, Mitglied, Angehörige. Hier sind Pluralformen wieder günstig, um die Mehrfachnennung des Artikels zu vermeiden

Hinweis: auch neutrale Formulierungen wie „Studierende“ lassen sich durch einen Artikel wieder geschlechtsspezifisch differenzieren, falls sie eine bestimmte Geschlechtergruppe ansprechen möchten: z.B. die Studierende, der Studierende

  • Abstraktion: z.B. Schulleitung, Präsidium.
  • Schrägstrich-Doppelform: Professoren/Professorinnen oder Professor/innen; hier ist die Verwendung des Plurals wieder günstig, um die doppelte Angabe des Artikels zu vermeiden
  • Passiv-Formulierungen: z.B. „ es wird gebeten“ statt „alle Bewerber werden gebeten“

Weitere alternative Formulierungen:

  • statt von „Interessenten“ zu sprechen können Sie z.B. schreiben: „diejenigen, die interessiert sind“ oder „wer interessiert ist…“, „alle Personen, die interessiert sind“, „alle, die interessiert sind…“ oder eine direkte Ansprache wählen: „Wenn Sie sich für das Thema interessieren…“
  • statt Herausgeber/Veranstalter/Verfasser können Sie schreiben: Herausgegeben von…, Veranstaltet von…, Verfasst von…
  • weibliche Formen weiterführen: Einige Autorinnen und Autoren vermeiden das generische Maskulinum konsequent, indem sie weibliche Formen weiterführen, auch wenn es nicht um Personen geht, sondern beispielsweise um Institutionen: „Universitäten dürfen nicht als Konkurrentinnen zueinander auftreten.“
  • Unterstrich: teilweise hat sich die Verwendung des Unterstrichs etabliert, dieser schließt neben Männern und Frauen auch Personen ein, die sich zu keiner dieser Kategorien eindeutig zugehörig fühlen; der Unterstrich gewährleistet somit eine noch höher gesteigerte Form einschließender Sprache; Hinweis zur Barrierefreiheit: Diese Schreibweise ist für einen Screenreader nicht geeignet, denn in den meisten Fällen wird der Unterstrich nicht vorgelesen.

Hinweis: Die Klammerlösung, z.B. „Professor(innen)“ war ein erster Schritt zur geschlechtergerechten Sprache, ist inzwischen aber veraltet. Denn auch hier wirkt es so als sei die Frau weniger wichtig und würde daher in Klammern stehen. Das so genannte Binnen-I (z.B. StudentInnen) ist inzwischen weithin gebräuchlich, allerdings nach den deutschen Rechtschreibregeln nach wie vor nicht vorgesehen; problematisch ist der Einsatz des Binnen-I im Web vor allem für sehbehinderte Menschen. Diese Schreibweise kann ein Screenreader nicht erkennen, da er zwischen i und Binnen-I nicht unterscheidet.

Geschlechterstereotype

Versuchen Sie geschlechterstereotype Sprachwendungen zu vermeiden, z.B. „Milchmädchen-Rechnung“, „seinen Mann stehen“.

Bilder

  • Versuchen Sie Frauen und Männer gleich häufig auf den Bildern zu zeigen. Achten Sie auf eine gleichwertige Darstellung (Größe, Mimik, Anordnung im Bild).
  • Vermeiden Sie Geschlechterstereotype (z.B. Frauen immer im Kreis der Familie, Männer im Anzug als Stellvertreter der Geschäftswelt)

Denn: Bilder haben eine große Wirkung auch in Bezug auf Rollen-Vorbilder. Sollen beispielsweise Schülerinnen für naturwissenschaftliche Studienfächer interessiert werden, kann die Bildauswahl dies unterstützen.