Solardorf Bracht

Für den Stadtteil Bracht der Stadt Rauschenberg wurde von Ende 2015 bis Oktober 2016 eine Machbarkeitsstudie zur Nahwärmeversorgung der Gebäude aus erneuerbaren Energien durchgeführt. Neben einer Bestandsaufnahme der Gebäude und Heizungsanlagen über Fragebögen wurden mehrere Technologieoptionen für eine zentrale Wärmeversorgung betrachtet und gegenübergestellt. Auf Basis der Machbarkeitsstudie wurde entschieden, eine besonders umweltschonende und innovative Variante mit einem großen Solarthermiefeld und einem saisonalen Wärmespeicher weiterzuverfolgen. Dabei soll der gesamte Wärmebedarf der Gebäude zu 100% über Solarwärme gedeckt werden. Hierzu wurde in Bracht eine Arbeitsgemeinschaft Solarwärmeversorgung gebildet. Laut einer Befragung sind bereits etwa 45% der Hauseigentümer interessiert sich an das solare Wärmenetz anschließen zu lassen.

Das vorgesehene Konzept „Solardorf Bracht“ weist jedoch noch Optimierungspotential auf. So wurden einerseits wirtschaftlich erschließbare Sanierungspotentiale der an das Nahwärmenetz anzuschließenden Gebäude nicht berücksichtigt und die Anlage zur regenerativen Wärmebereitstellung dadurch zu groß dimensioniert. Andererseits kann auch das Anlagenkonzept selbst verbessert werden. Beispielsweise könnte durch den Einsatz von Wärmepumpen die Temperaturspreizung im saisonalen Wärmespeicher und damit auch die spezifische Speicherkapazität erhöht werden und das Speichervolumen dadurch geringer ausfallen.

In einer erweiterten Machbarkeitsstudie der Universität Kassel werden die Optimierungspotentiale des Konzeptes „Solardorf Bracht“ nun genauer untersucht. Durch den Auftraggeber und Projektpartner, die Landesenergieagentur (LEA), werden zunächst Hausbesitzer individuell sowie kostenlos beraten und wirtschaftlich umsetzbare Sanierungspotentiale der Gebäude im Netzgebiet identifiziert. Die ermittelten Einsparpotentiale des Wärmebedarfs fließen in die erweiterte Machbarkeitsstudie der Universität Kassel mit ein und bilden die Grundlage für die Entwicklung von Sanierungsszenarien mit jeweils unterschiedlichen Wärmebedarfssenkungen und Umsetzungskosten. Die Erstellung eines Wärmeatlas Bracht dient der Visualisierung des lokal auftretenden Wärmebedarfs und der Nahwärmenetzvorauslegung. Varianten des technisch verbesserten Anlagenkonzeptes werden auf der Basis von dynamischen Jahressimulationen ausgelegt. Das Ziel der Studie ist die Anlagenkosten der solaren Wärmeversorgung weitmöglichst zu senken. Der Kostensenkungseinfluss einer wirtschaftlich tragbaren Sanierung durch die Netzanschlussnehmer wird hierbei mitberücksichtigt.