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01.11.2019 17:00

Neues Studierendenhaus für die Uni Kassel eröffnet

In der deutschen Hochschullandschaft ist es ein einzigartiges Projekt mit Modellcharakter: Das neue Studierendenhaus der Universität Kassel.

Das neue Studierendenhaus der Uni Kassel. Fotos: Pressestelle/A. Gebhardt

Unter dem Motto „Studenten planen für Studenten“ waren diese unmittelbar am Entstehungsprozess beteiligt. Das Gebäude auf dem Campus Nord am Holländischen Platz wurde am 1. November mit einem Festakt feierlich eröffnet.

Als zentrale Anlaufstelle und Treffpunkt für alle Studierenden unter einem Dach ist das neue Studierendenhaus der Universität Kassel einmalig in Deutschland. Sämtliche Bereiche und Serviceangebote des AStA sind nun in dem historischen Gebäudekomplex der ehemaligen Gottschalkfabrik vereint und bieten Raum für die Selbstverwirklichung studentischen Lebens.

Das Gebäude befindet sich auf dem Campus Nord in einem 1910 errichteten, freistehenden und denkmalgeschützten Gebäudekomplex der ehemaligen Textilfabrik Gottschalk. Diese so genannten Kopfbauten liegen neben dem Science Park Kassel direkt am Grünzug der Ahna. Der städtische Fahrradweg führt unmittelbar an der östlichen Gebäudeseite vorbei. Der Gebäudekomplex besteht aus drei Baukörpern. Der südliche Körper zur Moritzstraße hin ist ein viergeschossiger Bau mit Öffnungen zu allen Seiten. Der nördliche Baukörper hat drei Ebenen und einen eher geschlossenen Charakter. Dazwischen gibt es eine ca. 7 Meter breite Fuge, die in den 1950 er Jahren mit einem eingeschossigen Bau geschlossen wurde. Dieser wurde im Zuge der Umbaumaßnahme durch einen verglasten Zwischenbau mit Flachdach ersetzt. Das äußere Erscheinungsbild der Fassaden blieb gestalterisch weitgehend unverändert, um die Geschichte und Nutzungsspuren des Gebäudes weiter ablesbar zu machen.

Bei der Stromversorgung setzen die Planerinnen und Planer auf „grüne Energie“. Die Dächer sind mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet, die ca. 75 Prozent des Strombedarfes abdecken wird. Dadurch werden rund 29 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Installiert wurde die PV-Anlage von der in Kassel ansässigen cdw-Stiftung, mit denen die Hochschule ihre Eigenstromversorgung steigern kann.

Das Studierendenhaus gewährt nicht nur Platz für die Selbstverwaltung und autonomen Referate, sondern auch Veranstaltungsflächen für Ausstellungen, Lesungen, Theater- und Musikveranstaltungen. Darüber hinaus gibt es ein großes Flächenangebot für studentische Gruppen (z. B. Alumni, Amnesty, Kammerorchester, Studententheater u.a.). Alle studentischen Gremien, Gruppen, und Referate waren bislang auf sechs Gebäude am Campus Holländischer Platz verteilt.

Der neue Veranstaltungsraum im Untergeschoss, den der AStA unter dem Namen „Färberei“ betreiben wird, bietet bis zu 350 Besucherinnen und Besuchern Platz. Er ist mit einer multifunktionalen Bühne, einem Backstage-, und Thekenbereich ausgestattet, so dass dieser für eine bunte Vielfalt von kulturellen Veranstaltungen genutzt werden kann. Insgesamt steht den Studierenden im Studierendenhaus künftig ca.1.400 m² Hauptnutzfläche zur Verfügung. Das bisher als studentische Veranstaltungshalle genutzte „Kulturzentrum K 19“ wird geschlossen und im Zuge weiterer Baumaßnahmen auf dem Campus Nord einer neuen Nutzung zugeführt.

Das Studierendenhaus wurde nicht über die Köpfe der künftigen Nutzer hinweg geplant. Ganz im Gegenteil: Unter dem Motto „Studenten planen für Studenten“ war die künftige Nutzergruppe von Anfang an am Entstehungsprozess beteiligt und Teil des Projektteams. Bereits 2015 wurde dafür ein studentischer Wettbewerb im Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung (ASL) ausgerichtet. Die daraus hervorgegangenen prämierten Entwürfe bildeten die Grundlage der weiteren Baumaßnahmen, die die studentischen Preisträger weiterentwickelten und den tatsächlichen Bedürfnissen der Zielgruppe anpassten. Darüber hinaus gab es mehrere studentische Projekte zur Technischen Gebäudeausrüstung (TGA), Freiraumgestaltung, Gebäudevermessung, Graffiti-Gestaltung oder Statik in den Fachbereichen ASL, Bauingenieurwesen und der Kunsthochschule. So wurden u. a. für das Foyer Brandschutzmöbel aus Leichtbeton von Studierenden der Fachrichtungen Produkt-Design und Architektur entworfen und von Studierenden der Fachrichtung Bauingenieurwesen gebaut. Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit kommen neben neuen auch gebrauchte Möbel zum Einsatz. 2018 erhielt die Universität Kassel für das Format „Studenten planen für Studenten“ den Hessischen Hochschulpreis für exzellente Lehre.
Das Projektteam war von Anfang an hoch motiviert. Es setzt sich aus studentischen Vertretern des AStA, Vertretern der Fachabteilung, dem Architekturbüro Kreter-Peters-Lubenow, den Büros RBS-Ingenieure und PPC Projekt-Planung & Consulting GmbH und weiteren Fachplanern (Brandschutz, Denkmalpflege, etc.) zusammen.

Die Kosten für die Baumaßnahme Studierendenhaus betrugen 7,3 Mio Euro. Die Mittel dafür stammen aus dem Hochschulpakt 2020, der das Ziel hat, die Studienqualität an deutschen Hochschulen deutlich zu verbessern.