Studienprogramm

Interdisziplinäres Studienprogramm Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Kassel

Seit dem Wintersemester 2005/2006 können sich Studentinnen und Studenten der Universität Kassel für das "Interdisziplinäre Studienprogramm Frauen- und Geschlechterforschung“ der IAG FG anmelden.
Voraussetzung ist, dass sie im Haupt- oder Nebenfach in den beteiligten Fächern der Fachbereiche 01, 02 oder 05 eingeschrieben sind. Mittlerweile werden auch Studierende anderer Fachbereiche gerne angenommen, für die beim Scheinerwerb eine leichte Änderung gilt. Da für Studierende anderer Fachbereiche meist keine Veranstaltung im eigenen Fach belegt werden kann, müsste beim Scheinerwerb darauf geachtet werden, dass Leistungsnachweise in mindestens zwei verschiedenen Fächern erworben werden, damit die Interdisziplinarität gewahrt bleibt.
Die im Studienprogramm angebotenen  Lehrveranstaltungen (siehe auch unter Kommentiertes Veranstaltungsverzeichnis) können im Rahmen bestimmter Vorgaben individuell kombiniert werden. Die interdisziplinäre Struktur des Angebotes ermöglicht es den Studierenden, über die Fächergrenzen hinaus Perspektiven und Methoden verschiedener Disziplinen zur Analyse der Geschlechterverhältnisse miteinander zu verknüpfen (empfohlene Einführungslektüre).
Ab dem Sommersemester 2006 können auch Promotionsstudentinnen und -studenten am Studienprogramm teilnehmen.

Das „Interdisziplinäre Studienprogramm Frauen- und Geschlechterforschung“ kann von Studentinnen und Studenten nach dem zweiten Semester belegt werden. Mit dem Erwerb von drei Leistungsnachweisen (siehe Studienaufbau) wird das Studienprogramm spätestens nach vier Semestern mit einem Zertifikat in „Frauen- und Geschlechterforschung“ abgeschlossen.
Alle drei Leistungsnachweise müssen benotet und durch Studienleistungen erbracht werden.

Ziel des Studienprogramms

Das "Interdisziplinäre Studienprogramm Frauen- und Geschlechterforschung“ hat das Ziel, durch ein strukturiertes Lehrangebot Studierenden wissenschaftlich analytische Fähigkeiten zu vermitteln, die Entstehung, Wirkung und Bedeutung von Geschlechterverhältnissen in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten zu erkennen und deren Anwendung in den Praxisbereichen zu zeigen.
Der kritische Blick auf Geschlechterverhältnisse, auf die Herstellung und Deutungen von Differenzen zwischen den Geschlechtern gibt innovative Impulse für die Überprüfung wissenschaftlicher Feststellungen und Normalitätsbehauptungen, ermöglicht die Weiterentwicklung wissenschaftlicher Fragestellungen und eröffnet neue Forschungsfelder. Für die Gegenwart sind Erkenntnisse über die Relevanz historischer, kultureller, sozialer und politischer Prozesse der Differenzierung innerhalb wie zwischen den Geschlechtern, der Verschränkung von Macht- und Herrschaftsverhältnissen mit Geschlechterordnungen unabdingbare Voraussetzungen für die Theorie und Praxis der demokratischen Gestaltung von Gesellschaften und Institutionen und die Analyse internationaler und interkultureller Entwicklungen.

Die Frauen- und Geschlechterforschung vermittelt Einsichten in die sozialen Bedingungen von Erfahrung, Lernen und Wissensaneignung, die in der sogenannten Wissensgesellschaft erneut hohe Bedeutung erlangen. Mit ihrer Kritik am Androzentrismus in den Wissenschaften hat feministische Wissenschaftskritik Forschungen zur Geltungs- und Durchsetzungsgeschichte von Wissensformen und Wissensvermittlung und deren Bedingungen in den Geschlechterverhältnissen angeregt. Die Art der Beteiligung und die mehr oder weniger subtile Behinderung von Frauen im Bildungssystem und in den Wissenschaften müssen weiterhin Gegenstand von Untersuchungen sein und in den Studienbedingungen beachtet werden. Verschiedene Formen wissenschaftlichen Arbeitens sollen im Studienprogramm erprobt werden.

Die Bedingungen der Akzeptanz und der Barrieren gegenüber den Ergebnissen der Frauen- und Geschlechterforschung im wissenschaftlichen Diskurs und in den Institutionen der Wissensvermittlung selbst müssen reflektiert werden, von den Lehrenden und Studierenden.
Die interdisziplinäre Verbindung des Studienprogramms ermöglicht, die Erkenntnisweisen verschiedener Fächer kennen zu lernen und sie methoden- und erkenntniskritisch in die jeweiligen Disziplinen zurückzutragen. Die Perspektive auf die Geschlechterverhältnisse schärft die Einsicht in die unterschiedliche Verbindung von Theorie und Praxis der einzelnen Wissenschaften und deren Wirkung innerhalb der symbolischen Ordnung einer Gesellschaft.

Mögliche Praxisbezüge sind:

  • Frauenräume, Männerräume als Ausdruck unterschiedlicher Nutzung in der Stadtplanung
  • Lehren und Lernen, Geschlechterverhältnisse in der Schule
  • In den Gesellschaftswissenschaften stärkt das Studium der Frauen- und Geschlechterforschung berufsvorbereitend die Fähigkeit zur Analyse

 

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Studienaufbau

Das interdisziplinäre Studienprogramm umfasst 6 SWS bzw. drei Veranstaltungen. Für den Erwerb des Zertifikats müssen beide Module erfolgreich absolviert werden; je nach Wahl Modul 1 mit zwei Veranstaltungen und Modul 2 (als Teil-Modul) mit einer Veranstaltung oder umgekehrt. Die Veranstaltungen müssen in mindestens zwei Fächern des Studienprogramms belegt werden, wobei ein Fach eigenes Studienfach sein muss.

Für das Zertifikat werden nur Veranstaltungen anerkannt, die im Rahmen des „Interdisziplinären Studienprogramms Frauen- und Geschlechterforschung“ angeboten werden. Diese sind im Kommentierten Veranstaltungsverzeichnis für das Studienprogramm aufgelistet.

Belegungspflicht besteht für die jeweils im Wintersemester stattfindende interdisziplinäre Einführungsvorlesung mit Tutorium in verschiedene Theorieperspektiven der Geschlechterforschung und das dazugehörige Tutorium.


Das Zertifikat bescheinigt 12 Credits im Bereich Frauen- und Geschlechterforschung.

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Inhaltliche Themenschwerpunkte des Studienprogramms Frauen- und Geschlechterforschung

Die inhaltlichen Themenschwerpunkte des Studienprogramms Frauen- und Geschlechterforschung sind:

  • Modul 1: Theorien und kulturelle Konstruktionen von Geschlecht
  • Modul 2: Geschlechterverhältnisse und Handlungsstrategien


Diesen zwei Modulen ordnen sich die angebotenen Veranstaltungen in den beteiligten Fächern zu.
Es sind Veranstaltungen aus beiden Modulen zu belegen.

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Qualifikation und Zertifikat

AbsolventInnen des Studienprogramms erhalten nach ihrem Studienabschluss ein Zertifikat über die Zusatzqualifikation im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung. Sie verfügen neben den inhaltlichen Kenntnissen der Frauen- und Geschlechterforschung über Erfahrungen in interdisziplinärer Zusammenarbeit und der Entwicklung fächerübergreifender Forschungsfragestellungen.
Das Zertifikat wird von der IAG FG in Kooperation mit den beteiligten Fachbereichen ausgestellt.

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Organisatorisches an der Universität Kassel

Das "Interdisziplinäre Studienprogramm Frauen- und Geschlechterforschung“ wurde entwickelt unter der Federführung der IAG FG. Die Tradition von fächer- und fachbereichsübergreifenden Studiengängen an der Kasseler Universität, von Praxisverbindung und Projektstudium bietet eine gute Basis bereits bekannter Praxis für das Studienprogramm. Die Verbindung von praxisorientierter Ausbildung z.B. in berufsbildenden Studiengängen, für das Lehramt, in künstlerischer Ausbildung und in sozial- und geisteswissenschaftlichen Studiengängen ist eine herausfordernde Aufgabe, die der Relevanz der Frauen- und Geschlechterforschung Rechnung trägt und sie interdisziplinär bestärkt.

Das Programm ist mit Absicht kein Studiengang als Haupt- oder Nebenfach, da wir die wissenschaftliche Entwicklung der Frauen- und Geschlechterforschung aus den Disziplinen heraus und innerhalb der Disziplinen und deren Vermittlung in der Praxis betonen und innovative Diskussionen in den jeweiligen Fächern weiter befördern wollen. Das Studienprogramm Frauen- und Geschlechterforschung ist integriert in die Planungen zu BA- und  MA-Studiengängen und in die Einrichtung international orientierter Studiengänge. Es ermöglicht den Studierenden den Anschluss an die international eingeführten Gender Studies.

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Anmeldung

Anmeldung für das Studienprogramm Frauen- und Geschlechterforschung bis drei Wochen nach Beginn eines Semesters schriftlich (bitte verwenden Sie das Anmeldeformular) bei der Koordinatorin des Studienprogramms: Kontakt.

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Informationsveranstaltung zum Studienprogramm

Zu Beginn jedes Semesters wird eine Informationsveranstaltung zum Studienprogramm angeboten. Der genaue Termin wird rechtzeitig auf der Homepage und im kommentieren Veranstaltungsverzeichnis bekannt gegeben.

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