Ausschreibungen

Zwei Promotionsstipendien der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Rahmen des ProSoM

Ausschreibung von zwei Promotionsstipendien der Rosa-Luxemburg-Stiftung

zum Thema

Globale Soziale Rechte

Die Entwicklung eines Diskurses über Globale Soziale Rechte sowie die Durchsetzung von sozialen und demokratischen Menschenrechten weltweit ist ein Schwerpunkt der Arbeit des Zentrums für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit, dem Auslandsbereich der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Eine zentrale Grundposition der GSR ist die Unteilbarkeit und Interdependenz von sozialen und politischen Menschenrechten. Die volle Durchsetzung sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Menschenrechte wie das Recht auf angemessene Ernährung, angemessenes Wohnen, Zugang zur Bildung, ein Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit, das Recht auf Arbeit sowie gerechte und günstige Arbeitsbedingungen für alle Menschen wird als unabdingbare Voraussetzung für die volle Durchsetzung auch der bürgerlichen und politischen Menschenrechte betrachtet, wie dem Recht auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit sowie grundsätzlich aller Freiheitsrechte. Die hinter diesem Postulat der Unterteilbarkeit und Interdependenz von Menschenrechten stehende Annahme ist denkbar einfach: Nur wer über eine im umfassenden Sinne sozial gesicherte Existenz verfügt, kann vollumfänglich sein Recht auf Teilhabe am demokratischen Prozess wahrnehmen und seine bürgerlichen und politischen Rechte in Anspruch nehmen. Nur wer andererseits frei von Furcht vor politischer Verfolgung und Repression lebt und seine demokratischen Rechte ausübt, kann vollständig Zugang zu seinen sozialen Rechten erhalten und diese voll verwirklichen.

Vor allem während der Blockkonfrontation des Kalten Krieges wurden politische und soziale Rechte oft gegenüber gestellt. Der Diskurs über die GSR versucht diese Trennung aufzuheben. Diese Unteilbarkeit der sozialen und politischen Menschenrechte unterscheidet den Diskurs über die GSR von einem reduzierenden Menschenrechtsgedanken, der sich lediglich an einer isolierten, von gesellschaftlichen Bedingungen abstrahierenden Sicht auf bürgerliche und politische Rechte orientiert. Die GSR knüpfen dagegen an neuere Menschenrechtsdiskussionen an, und die Fortentwicklung sozialer Menschenrechte, die u.a. auf der Ebene der Vereinten Nationen geführt werden und soziale Rechte stärker berücksichtigen (bspw. Erklärung der Wiener Menschenrechtskonferenz von 1993).

Das Konzept der GSR geht aber weit darüber hinaus. Es ist politischer und kontroverser, weil es Macht- und Herrschaftsverhältnisse, die der Verwirklichung der GSR entgegenstehen, klar sichtbar macht. Die GSR basieren auf einem Menschenrechtsbegriff, der nicht nur die Verletzung von Rechten kritisiert, sondern die Widersprüche der herrschenden Produktions- und Herrschaftsverhältnisse sichtbar macht und überwinden will. Ausgangspunkt sind die Menschen als handelnde politische Subjekte und individuelle sowie kollektive Rechtsträger. Die GSR fordern gleiche Rechte für alle Menschen unabhängig von Ethnizität, Geschlecht, Religion oder Nationalität. Eine grundlegende ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Transformation der Produktionsweisen und der Eigentumsverhältnisse sowie eine Demokratisierung der "global Governance" wird als Voraussetzung für die Durchsetzung der GSR betrachtet. Die GSR fundieren und aktualisieren damit den universellen Emanzipationsgedanken des Demokratischen Sozialismus.

Forschungsbedarf besteht insbesondere in folgenden Themenfeldern:

  • Politische Theorie zur Herausbildung eines umfassenden Verständnisses von sozialen und politischen Menschenrechten im Kontext demokratisch-sozialistischer Gesellschaftsdiskussionen.

  • Untersuchung von Prozessen der Etablierung und Weiterentwicklung von sozialen Rechten in nationaler Gesetzgebung, internationalen Verträgen und Konventionen (bei United Nations, International Organization of Labour, Europäischer Union, Council of Europe etc.) sowie von Durchsetzungsmechanismen auf nationaler und supranationaler Ebene.

  • Untersuchung von Prozessen der Herausbildung, Artikulation und Durchsetzung sozialer Rechte durch Soziale Bewegungen sowie des strategischen Einsatzes des Konzeptes sozialer Rechte bei der Stärkung transnationaler Organisierungsprozesse sozialer Bewegungen (Case studies zu Gewerkschaften, Bauernorganisationen, Frauenorganisationen etc.)

  • Untersuchung von Ansätzen der Überwindung imperialer Lebensweisen und die Entwicklung solidarischer Lebensweisen auf der Grundlage globaler ökologischer Nachhaltigkeit und GSR.

In diesem thematischen Rahmen soll den Stipendiat*innen eine qualitativ hochwertige Doktorand*innen-Ausbildung gewährleistet werden. Von zentraler Bedeutung ist die interdisziplinäre Ausrichtung des Kollegs, welches die Rechtswissenschaft, die Politikwissenschaft, die Philosophie, die Soziologie und die Ökonomie einbezieht.

Voraussetzungen:

  • ein MA-, Diplom- oder Magisterabschluss mind. mit "gut"; bei juristischen Staatsexamina mind. mit "befriedigend"

  • aktuelles ausgeprägtes gesellschaftliches und soziales Engagement im Sinne der Rosa Luxemburg Stiftung

  • ein entwickeltes und aussagefähiges Promotionsexposé zu einem der o.g. Themen

  • die Bereitschaft, aktiv und regelmäßig an den Veranstaltungen des Kollegs in Kassel und Fulda teilzunehmen

  • die Bereitschaft, an Aktivitäten des Zentrums für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin oder Standorten der RLS Auslandsbüros zum Thema der GSR während der Dauer der Promotion aktiv und kontinuierlich teilzunehmen

  • die Promotion kann auf Deutsch oder Englisch verfasst werden

Die Doktorand*innen werden fachlich von den beteiligten Professor*innen des Kollegs in Kassel und Fulda betreut, darüber hinaus sind sie als Stipendiat*innen am Studienwerk der Rosa Luxemburg Stiftung angebunden und können an dessen ideellem Begleitprogramm teilhaben.

Einbindung und Stipendium:

Die Stipendiat*innen werden am Kolleg assoziiert.

Das Stipendium setzt sich aus 1.350,- € Grundstipendium und 100,- € Forschungskostenpauschale zusammen, darüber hinaus können Zuschläge für Kinder und deren Betreuung gezahlt werden. Für Auslandsaufenthalte werden Zuschläge und Reisekostenpauschalen gezahlt.

Bewerbungsfrist und Bewerbungsunterlagen:

Bitte bewerben Sie sich mit vollständigen Unterlagen über unser online-Portal.

Den Link zum Portal und die einzureichenden Bewerungsunterlagen finden Sie hier:

https://www.rosalux.de/stiftung/studienwerk/bewerbung/

Bewerbungsschluss ist der 15. Oktober 2017.

Weitere Informationen zum Stipendium erhalten Sie auf unserer Website.

Weitere Informationen zum Promotionskolleg Soziale Menschenrechte

https://www.uni-kassel.de/projekte/kolleg-soziale-menschenrechte/startseite.html