Forschungsverbund Neue Suburbanität

Nach einer Phase der Reurbanisierung zu Beginn des neuen Jahrtausends sind viele Städte mittlerweile zusehends am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt, die wachsende Wohnflächennachfrage auf Innenentwicklungsflächen zu befriedigen. Sie planen daher wieder verstärkt an den Rändern, teilweise mit besonderem Anspruch. Eine Reihe von Entwicklungen der letzten Jahrzehnte legt es nahe, dass diese neuen suburbanen Quartiere einen völlig anderen Charakter haben werden als frühere. Dazu gehören die inzwischen verbreiteten urbanen Lebensstile, veränderte Haushaltsstrukturen und stark von der Tertiärisierung geprägte Arbeitsmärkte. Hinzu kommen die Infragestellung klassischer, von Einfamilienhausquartieren und stigmatisierten Großsiedlungen geprägter „Schlafstädte“, eine Ausdifferenzierung der Wohnungstypologien und Trägerformen an den Wohnungsmärkten sowie die vielfältigen Erfahrungen mit der Um- und Wiedernutzung innerstädtischer Brachen. Die sich hierbei herausbildenden Milieus, Lebensstile, planerischen Leitbilder, Quartierstypologien, Governancearrangements und Umsetzungsstrategien sind bislang im Hinblick auf ihre Wirkungen für die Stadtproduktion kaum erforscht.

Vor diesem Hintergrund untersuchen wir die gesellschaftlichen Hintergründe sowie die politischen und stadtentwicklungsplanerischen Praxisansätze einer neuen Suburbanisierung und fragen nach den geltenden Qualitätsansprüchen neuer Stadterweiterungsprojekte: Inwiefern unterscheidet sich die neue Phase vor dem Hintergrund von Erfahrungen mit Ansätzen des Flächensparens und der Innenentwicklung sowie der gewandelten Lebensstile von früheren Phasen? In suburbanen Quartieren – so lautet die zu überprüfende Hypothese – wird heute anders gewohnt und gelebt, und sie werden anders hergestellt als bisher.

Ziel des Verbunds ist es, neue Suburbanisierungsprojekte bereits im Zuge ihrer Entstehung zu analysieren und zu charakterisieren. Über einen Zeitraum von ca. zehn Jahren soll eine Langzeitstudie zu wesentlichen Schauplätzen und Phänomenen der neuen Suburbanisierung sowie zu den sie tragenden soziokulturellen, ökonomischen, politischen und planerischen Hintergründen und Triebkräften entstehen.

Von August 2018 bis August 2021 wird der Verbund aus Forschungsmitteln der Universität Kassel ("Antragslinie Zukunft") finanziert. Eine Fortführung nach 2021 über Drittmittel wird angestrebt.