Projekt D4: Kunstgeschichte des Kadavers

Eine Kunstgeschichte des Kadavers. Der Tod des Tieres in Kunst und Leben

Verantwortlicher: Prof. Dr. Alexis Joachimides
Projektbearbeiterin: Stephanie Milling

Unter dem Paradigma der Human-Animal Studies ist die Grenzziehung zwischen Mensch und Tier in den Fokus gerückt. Im Hinblick auf den Tod ergibt sich die paradoxe Situation einer Grenze, in der Mensch und Tier zusammenfallen: Von menschlicher Seite wird ein Unterschied zwischen menschlichen Leichnamen und Tierkörpern proklamiert, doch sind beide Spezies dem Tod gleichermaßen ausgeliefert. In der zeitgenössischen Kunst werden die Grenzziehungen zwischen Mensch und Tier in verschiedenen Formen verhandelt; dazu gehören die Tötung von Tieren, die Verwendung von Tierkörpern, von sterbenden Tieren oder entsprechende Darstellungen mit künstlerischen Mitteln. Um eine neue Perspektive auf das Mensch-Tier-Verhältnis zu eröffnen, untersuchte das Projekt die Rolle des Tiertodes in der zeitgenössischen Kunst.

Das Projekt legte den Fokus auf Werke der zeitgenössischen Kunst. Neben der Untersuchung der Wurzeln zeitgenössischer Praxis in künstlerischen Gattungen und Traditionen wurden Aspekte einer Kunstethik diskutiert, die immer dort aktuell ist, wo Künstler tote oder sterbende Tiere verwenden. Der Tierkadaver in der Kunst wirft Fragen sowohl der Materialität als auch des Körpers auf und markiert die andere Seite einer Grenze zwischen Mensch und Tier bzw. zwischen verschiedenen Tiergattungen und -arten. Gleichzeitig zeigt er die gemeinsame Endlichkeit menschlichen wie tierlichen Lebens an. Im Tod des Tieres in der Kunst spiegelt sich das Verhältnis der Spezies zueinander in konzentrierter Form wider. In der Diskrepanz zwischen Schlachtung, Jagd, Tierversuchen und ökologischen Katastrophen und den aufwendigen Schutzmaßnahmen gegen das Artensterben, die potentielle Verletzung von Tieren bei Dreharbeiten („no animals were harmed“), zwischen Haustierbestattung und hemmungslosem Fleischkonsum, wird das tote Tier zum Träger vielfältiger Bedeutungen, die im Projekt untersucht wurden.