Projekt A3: Insekten, Reptilien, Fische

Insekten, Reptilien, Fische. Ästhetische Ordnungen und wissenschaftliche Praktiken der Académie des sciences und der Royal Society (1660–1750).

Verantwortlicher: Prof. Dr. Alexis Joachimides
Projektbearbeiterin: Dr. Silke Förschler

Tiere spielten in der Konstitutions- und Frühphase der nationalen Wissenschaftsakademien in London (1662) und Paris (1666) als Forschungsgegenstände eine wichtige Rolle. Vor allem Aspekte an Tieren, die mit dem bloßen Auge nicht zu sehen oder in der alltäglichen Lebensrealität nicht anzutreffen waren (Insekten, Fische, exotische Reptilien), standen im Vordergrund der Auseinandersetzung.

In Zeichnungen von Akademiemitgliedern und Künstlern, die als Grafiken publiziert wurden, fanden sich anatomische Ansichten, mikroskopische Vergrößerungen und sezierte Tierkörper. An diesen Visualisierungen lassen sich historisch-spezifische methodische Annahmen ablesen sowie Anleihen von Stillleben, illustrierten Bibeln, Stundenbüchern und Flugschriften ausmachen.

Durch akribische Beschreibungen in Texten und Bildern soll, so das erklärte Ziel in den Akademieprotokollen, die Wahrheit der theologisch begründeten Ordnung der „Scala Naturae“ dargelegt werden. Für das Projekt war von Interesse, dass im Zuge dieser Bildproduktion Diskussionen um visuelle Evidenz der abgebildeten Tiere geführt werden. So finden sich in den „Mémoires pour servir à l’histoire des insectes“ (1734) von Réaumur Ausführungen darüber, ob eine Tiergrafik koloriert sein soll um zu überzeugen und ob er selbst als Naturforscher oder die für ihn zeichnende Künstlerin Hélène Dumoustier de Marsilly entscheiden kann, ob eine Tierdarstellung dem Ideal der Naturtreue entspricht.

Anhand der Quellen können Begegnungskonstellationen zwischen Mensch und Tier und Auffassungen von adäquater Erfassung und Repräsentation rekonstruiert werden. Ziel war es, durch den länderübergreifenden Vergleich Ähnlichkeiten und Unterschiede der Darstellungsweisen herauszuarbeiten und das Material so in Forscher/Zeichner-Tier-Relationen einzuteilen. In einem zweiten Schritt wurden diese Unterscheidungen mit philosophiehistorischen Positionen und tiermedizinischem Wissen in Verbindung gebracht.