Moritz von Hessen-Kassel - Bad Boll

Unter der alten Rubrik „Unbekannte Orte“ befindet sich eine Zeichnung, die aufgrund der Beschriftung „das Bolle bad 1629 den 14. Junij M.H.L.“ als Darstellung der Badeanlagen in Bad Boll (Ldkrs. Göppingen, Baden-Württemberg) mitsamt dem von Heinrich Schickhardt 1596 errichteten Badehaus zu identifizieren ist.

2° Ms. Hass. 107 [12] Bad Boll, Ansicht der Badeanlagen mit dem Lustgarten

Die Anordnung der Gebäude und des Gartens entspricht weitestgehend der anschaulichen Ansicht in Walchs „Ausführlicher Beschreibung des Boller Bades“ von 1644. Das eigentliche Badehaus mit dem „Herrn Bad“ und den Räumen des Herzogs und die rechtwinklig anschließende Herberge besaßen ein massives Erdgeschoß und zwei Fachwerkgeschosse. Auf der gegenüberliegenden Seite des abgeschlossenen Hofes sind diverse Nebengebäude gruppiert (u.a. „Marstal“, „Bade Meister Hauß“ „Herrn Küche“). In ähnlicher Form erscheinen diese Gebäude auch im späteren Kupferstich, allerdings in deutlich reduzierten Proportionen. Vor allem das Bademeisterhaus erhält in der Zeichnung des Landgrafen eine unverhältnismäßige Größe und Ausdehnung, die das Gebäude scheinbar rückseitig an die Herberge anstoßen lässt. Es fehlt zudem der 1598 an der Stirnseite des Badehauses aufgesetzte Glockenturm, während der durch Schickhardts Entwürfe überlieferte Röhrenbrunnen im Hof sehr präzise dargestellt ist. Die Anlage des symmetrisch gegliederten und mit der Mittelachse auf den Eingang zum Badehaus-Hof hin ausgerichteten Lustgartens wurde vermutlich unter Schickhardts Mitwirkung entworfen. Moritz unterteilt den Garten in acht rechteckige, eingezäunte Parzellen, die mit lateinischen Pflanzennamen betitelt sind und ein Nebeneinander von Küchen- und Kräutergarten dokumentieren („Esculenti“ d.h. essbar, „Medicinales plantae“). Fraglich ist, ob es sich bei dieser durchdacht wirkenden Einteilung um die vorgefundene Bepflanzung oder um eigene Vorschläge des Landgrafen handelt. Die eingezeichneten Maßangaben in Fuß, die allerdings von den überlieferten Maßen differieren, sowie die handschriftliche Datierung und das im Stuttgarter Raum beheimatete Wasserzeichen lassen eine Bestandsaufnahme vor Ort vermuten. Die im HStAM erhaltenen Briefe aus diesem Zeitraum (Philippsburg 5.6., Göppingen 27.6.) belegen jedenfalls einen längeren Aufenthalt von Landgraf Moritz in dieser Gegend im Juni/Juli 1629.