Grüner Weg des Open Access

Hiermit sind Zweitveröffentlichungen wissenschaftlicher Beiträge, die in klassischen Verlagszeitschriften erschienen sind, auf fachlichen oder institutionellen Dokumentenservern (Repositorien) gemeint. Man spricht daher auch vom Self-Archiving. Es gibt drei Varianten der Zweitveröffentlichung:

  • als Preprint in der beim Verlag eingereichten Manuskriptfassung vor dem Review,
  • als Postprint in der überarbeiteten, akzeptierten Manuskriptfassung nach dem Review,
  • in der endgültigen Verlagsfassung im jeweiligen Zeitschriften-Layout.

Was ist erlaubt?

Ob und in welcher Form ein Verlag bzw. eine Zeitschrift den Autorinnen und Autoren eine Zweitveröffentlichung erlaubt und welche zeitlichen Sperrfristen einzuhalten sind, verrät die SHERPA/RoMEO-Liste. Sofern nicht die Verlagsfassung benutzt werden darf, ergibt sich jedoch das Problem mangelnder Zitierbarkeit.

Unabhängig von dieser Liste besteht auch die Möglichkeit, sich durch individuelle Vertragszusätze das Recht einer parallelen Open-Access-Publikation zu sichern. Ein vorformulierter Vorschlag für eine solche Zusatzvereinbarung zwischen Autor und Verlag ist auf den Seiten der Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition (SPARC) verfügbar. Die Scholar's Copyright Addendum Engine generiert aus einigen Angaben zum Artikel einen Vertragszusatz als PDF. Im Rahmen der verbreiteten Online-Einreichung von Artikeln über die Verlagswebseiten ist es jedoch nicht immer ohne Weiteres möglich, eigene Vertragszusätze hinzuzufügen.

Zweitveröffentlichung im Urheberrecht

Mit der Urheberrechtsnovelle von 2013 wurde ein neues Zweitveröffentlichungsrecht beschlossen. In Absatz 4 zu § 38 steht: "Der Urheber eines wissenschaftlichen Beitrags, der im Rahmen einer mindestens zur Hälfte mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschungstätigkeit entstanden und in einer periodisch mindestens zweimal jährlich erscheinenden Sammlung erschienen ist, hat auch dann, wenn er dem Verleger oder Herausgeber ein ausschließliches Nutzungsrecht eingeräumt hat, das Recht, den Beitrag nach Ablauf von zwölf Monaten seit der Erstveröffentlichung in der akzeptierten Manuskriptversion öffentlich zugänglich zu machen, soweit dies keinem gewerblichen Zweck dient. Die Quelle der Erstveröffentlichung ist anzugeben. Eine zum Nachteil des Urhebers abweichende Vereinbarung ist unwirksam."

Die Gesetzesänderung trat am 01.01.2014 in Kraft, so dass Beiträge unter Berücksichtigung der Sperrfrist seit dem 01.01.2015 in Repositorien eingestellt werden dürfen, sofern sie unter die Regelung fallen. Ob diese auch Publikationen einschließt, die im Rahmen einer rein universitären Forschung ohne Drittmittelfinanzierung entstanden sind, ist derzeit noch strittig. Bundesrat und Bundestag interpretieren die Regelung unterschiedlich. Rechtssicherheit wird also erst durch ein Gerichtsverfahren erreicht werden. Bis dahin dürfte die Regelung eher vorsichtig interpretiert und angewendet werden. Zudem sind nur Veröffentlichungen bei deutschen Verlagen abgedeckt. Ein umfassendes Zweitveröffentlichungsrecht ist durch das deutsche Urheberrecht somit derzeit noch nicht gegeben.

Die Schwerpunktinitiative "Digitale Information" der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen hat eine ausführliche FAQ zum Zweitveröffentlichungsrecht erstellt.

Publikationsserver

Die UB Kassel betreibt den institutionellen Publikationsserver KOBRA, auf dem Universitätsangehörige ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf dem Grünen Weg bereitstellen können. Gesammelt werden neben Pre- und Postprints von Zeitschriftenartikeln sämtliche wissenschaftliche Texte wie Qualifikationsarbeiten, Tagungs- und Forschungsberichte, Bücher, Bild- und Video-Dokumente etc. als Zweit- und Erstveröffentlichung. KOBRA dient somit der Dokumentation der wissenschaftlichen Produktion an der Universität Kassel. Die Auffindbarkeit der enthaltenen, frei zugänglichen Dokumente wird durch die Einbindung in allgemeine Suchmaschinen wie Google und in wissenschaftliche Suchmaschinen wie BASE sichergestellt. Detallierte Informationen zu KOBRA finden Sie unter obigem Link sowie im gleichnamigen Infoblatt.

Neben diesem institutionellen Repositorium stehen Ihnen für Ihre Zweitveröffentlichungen auch fachliche Repositorien zur Verfügung, nach denen Sie im Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) recherchieren können.