Open Access: Zur aktuellen Berichterstattung von ARD und SZ

Stand: 20.07.2018

Open Access ist ein zunehmend wichtiger Bestandteil des wissenschaftlichen Publikationswesens, der von der Universität Kassel mit diversen Angeboten unterstützt wird. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Einhaltung wissenschaftlicher Standards und die Sicherstellung einer angemessenen Qualitätssicherung. Genauso wie bei Veröffentlichungen in Subskriptionszeitschriften findet bei seriösen Open-Access-Anbietern ein Peer-Review-Verfahren statt, das jeder eingereichte Artikel durchläuft.

Ein Rechercheverbund aus NDR, WDR und SZ Magazin hat nun aufgedeckt, dass bisher mehr als 5.000 deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei betrügerischen Open-Access-Verlagen, sogenannten "predatory publishern" publiziert haben. Solche Verlage täuschen ein Peer Review nur vor und veröffentlichen eingereichte Artikel nach Bezahlung der Publikationsgebühr innerhalb weniger Tage. Betroffen sind fast alle deutschen Hochschulen und Universitäten, darunter auch die Universität Kassel. In den letzten 5 Jahren hat sich die Zahl solcher Publikationen mit Beteiligung deutscher Autorinnen und Autoren gemäß den Auswertungen des Rechercheverbunds verfünffacht.

Das Hauptaugenmerk der Journalisten, die ihre Rechercheergebnisse unter anderem bei der Tagesschau, dem NDR und der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht haben, lag auf den zwei großen Anbietern OMICS und WASET, die beide nicht nur wertlose Open-Access-Zeitschriften herausgeben, sondern auch gefälschte Fachkonferenzen organisieren.

Sowohl unter Wissenschaftlern, die regelmäßig von solchen Verlagen angeschrieben und zur Einreichung von Artikeln aufgefordert werden, als auch in der Open-Access-Community ist dieses Phänomen bereits seit längerem bekannt, wenngleich die Recherchen nun erstmals das Ausmaß dieser Praktiken aufzeigen und das Thema in die breite Öffentlichkeit bringen. Die DFG, die den Open-Access-Publikationsfonds der Universität Kassel unterstützt, knüpft Zahlungen von Artikelgebühren an die Bedingung, dass die Artikel ein anerkanntes Qualitätssicherungsverfahren durchlaufen haben. Die UB Kassel, die den Fonds verwaltet, achtet bei jedem Antrag auf die Seriosität des jeweiligen Journals. In drei Vierteln aller Fälle handelt es sich um Zeitschriften der fünf großen und anerkannten Anbieter MDPI, Frontiers, SpringerNature, IOP und PLOS, so dass keine weitere Prüfung notwendig ist. Auch in den meisten anderen Fällen ist die Frage, ob es sich um ein seriöses Journal handelt, in aller Regel einfach zu klären. Nur in Einzelfällen ist es notwendig, Mitglieder des Editorial Boards anzuschreiben und sie um Bestätigung zu bitten, dass sie tatsächlich darüber informiert sind, als Herausgeber geführt zu werden, und dass tatsächlich ein Peer Review stattfindet. Keine der von Angehörigen der Universität Kassel bei OMICS oder WASET publizierten Beiträge wurde aus dem Fonds finanziert. In der Beratungspraxis der UB spielten diese Anbieter bisher keine Rolle.

Tipps und Hinweise, wie Sie selbst prüfen können, ob ein Journal seriös ist, finden Sie im Unterpunkt Goldener Weg des Open Access. Gerne steht Ihnen unser Open-Access-Beauftragter Dr. Tobias Pohlmann auch beratend zur Verfügung.