Marientraut b. Speyer, Wasserburg

2° Ms. Hass. 107 [268]

Ansicht von Osten, 1630

Von Speyer aus, wo Landgraf Moritz im Juli 1630 längere Zeit verbracht hatte, reiste er mit seinen Söhnen Friedrich und Moritz im August nach Dürkheim (datierte Zeichnungen vom 5.+6.8.). Vermutlich auf der Rückreise nach Speyer machte man dann in Marientraut (Mergentraudt) bei Hanhofen Halt, wo die Zeichnung des "f. Bischoflich / Speyrisch hauß Mergen / traudt. 1630. / den 10 Aug: / M.H.L." entstand.

Die ehemalige Burg der Speyerer Bischöfe, eine Wasserburg, war 1414 von Bischof Raban zur Festigung der Ansprüche des Bistums und zur Kontrolle der Wasserquellen Speyers errichtet worden. Zu dieser Zeit erhielt sie auch ihren Namen, der mit der Anfertigung eines steinernen Marienbildes einherging. 1417 von Speyerer Bürgern zerstört, wurde die Anlage 1464 bis 1471 auf vergrößerter Fläche weitgehend neu erbaut und mit einer turmbesetzten Mauer und einem Wassergraben geschützt. Mit der Errichtung der Festung Philippsburg 1623, verlor sie  ihre militärische Bedeutung und fungierte weiterhin als Amtssitz. Nach mehreren Zerstörungen  wurde 1722 auf dem Gelände der Hauptburg ein barockes Schlösschen erbaut, das während der französischen Besetzung 1792 – 1794 vollständig niederbrannte.[435]

Die Zeichnung des Kasseler Fürsten gibt in der charakteristischen schrägen Vogelschau ein anschauliches Bild der Anlage, die von einem Wassergraben umgeben ist und von großen Baumgärten und von vier Fischteichen begleitet wird, wobei eine Windrose eine genauere Verortung ermöglicht. Eingerahmt von einer Mauer mit Ecktürmen und zugänglich über einen Torbau  mit Zugbrücke präsentiert sich die ehemals als Festung dienende Anlage als Abfolge von zwei nahezu quadratischen Höfen, wobei der bischöfliche Wohnsitz noch einmal besonders gesichert ist. In dieser Form stimmt die Zeichnung weitgehend überein mit den Bauaufnahmen von 1720 im Landesarchiv Speyer[436], allerdings fehlt der innere Wassergraben. Ebenso wie die auffällig symmetrische Anlage der Nebengebäude könnte dies eine Indiz dafür sein, dass Landgraf Moritz hier eine aus seiner Sicht „verbesserte“ Ansicht der zu seiner Zeit offensichtlich noch sehr eindrucksvollen Wasserburg präsentiert.


[435] vgl. Hildenbrand 1922, Alexander Thon, Hanhofen in: Kleddigkeit, 2002

[436] Landesarchiv Speyer Best. W 1, 2052-2056