Zhouli T. (China)

"Mein Name ist Zhouli T., ich habe an der Shanghai Jiao-Tong Universität und an der Universität Kassel Bauingenieurwesen studiert. Jetzt bin ich als Brückenbauingenieur in einem renommierten Planungsbüro in Stuttgart. In Kassel hatte ich einen sehr netten Professor, der nicht nur fachlich professionell sondern auch menschlich sympathisch war. Er hat mir bei den Vorlesungen und bei der Abschlussarbeit viel geholfen. Bis heute haben wir noch Kontakt.

Im Studium haben wir wesentlich mehr Theorie gelernt als ich heute in der Praxis brauche. Insbesondere Masterstudenten sollte man meiner Meinung nach mehr Zeit für Praktika haben. Hilfreich sind die Problemlösungsstrategien “Geduld” und “Schritt für Schritt”, die ich während des Studiums gelernt habe. Diese nutze ich sowohl im Alltag als auch im Beruf. Durch eine Kollegin im Sprachzentrum der Uni Kassel kenne ich eine nette deutsche Frau, eine Musiklehrerin, bei der ich später gewohnt habe. Durch sie habe ich erfahren, wie eine echte Deutsche im Alltag lebt.

Nach dem Studium hatte ich zunächst große Zweifel und Sorgen, ob ich hier in Deutschland eine Stelle finden kann. Aber ich habe mich um einen Job beworben und es hat geklappt. Es war mir sehr wichtig, eine Arbeitsstelle zu finden, die meinem Studienfach angemessen ist. So kann ich schnell einsteigen und nutzen, was ich gelernt habe. Natürlich sind mir auch andere Faktoren wie angemessenes Gehalt, angenehme Arbeitsumgebung und ein guter Ruf wichtig. Mein Arbeitsgebiet – der Brückenbau - ist spannend, interessant und macht mir viel Spaß. Meine Kollegen und Chefs sind sehr nette und sympathische Leute. Ich fühle mich sehr wohl in der Firma. Was ich inzwischen klarer sehe ist, dass man in meiner Heimat Shanghai viel mehr Arbeitsstress und meist auch weniger Gehalt als Berufsanfänger hat als in Deutschland.

Studierenden empfehle ich Netzwerke aufzubauen und zu pflegen. Als ich am Anfang in den Vorlesungen nicht viel verstanden habe, habe ich mich mit Fragen an meine Kommilitonen oder Professoren gewendet. Als ich keine Ahnung hatte, wie man sich in Deutschland überhaupt um eine Arbeitsstelle bewirbt, habe ich meine Freunde und Mitstudenten um Rat gefragt. Diese Kontakte haben mir geholfen.

Ein Tipp für Berufseinsteiger: Im Beruf sollte man meiner Meinung nach nicht nur fachlich sehr gut zu sein, sondern auch höflich und sympathisch auftreten – das hilft in der Zusammenarbeit mit anderen. Mit 40 Arbeitsstunden pro Woche bis zum 67. Lebensjahr muss man vor allem Spaß bei der Arbeit finden."