Andreas Mann

Fotografin Esther Beller


Prof. Dr. Andreas Mann
, Studium der Wirtschaftswissenschaften, aktuelle Tätigkeit: Professor für Dialog Marketing Competence Center an der Universität Kassel.


Prof. Dr. Andreas Mann wurde 1965 in Edertal geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und Tätigkeit begann er 1983 sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel. Er promovierte, habilitierte und lehrte an verschiedenen Universitäten. Im Jahr 2006 wurde Mann an die Hochschule in Kassel berufen, um dort das Dialog Marketing Competence Center aufzubauen und zu leiten. Prof. Dr. Andreas Mann ist verheiratet, hat drei Töchter und ist leidenschaftlicher Schalke-04-Fan.


Wissenschaftspreis der IHK Kassel-Marburg – Dem Nachwuchs etwas Gutes tun

Er hat ihn sogar zwei Mal bekommen. Seine Diplomarbeit und seine Dissertation wurden mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnet, den die IHK Kassel-Marburg Ende Oktober zum 22. Mal vergibt. Heute ist Andreas Mann Professor für Dialogmarketing und Leiter des Dialog Marketing Competence Centers, kurz DMCC, der Universität Kassel.

Gefreut habe er sich damals sehr, zumal die Auszeichnung für seine Diplomarbeit außerordentlich überraschend kam. „Mein Betreuer hatte das 320 Seiten starke Werk eingereicht und ich glaubte nicht wirklich daran, dass ich eine Chance hätte. Dann der Anruf. Es war wirklich eine Ehre“, sagt der 48-jährige Wirtschaftswissenschaftler. Noch mehr: „Der Preis war zwar nicht ausschlaggebend für meine Karriere, aber in jedem Fall ein weiterer Motivationsschub, die wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, die ich schon fest im Blick hatte“, sagt Prof. Andreas Mann.

Thema der Diplomarbeit waren der Einsatz und die Akzeptanz von Direktmarketing, einer Form des Marketings, die im Gegensatz zu anderer Werbung gezielt auf die Interessen des potenziellen Kunden zugeschnittene Botschaften übermittelt. „Ich habe dazu eine empirische Untersuchung bei Unternehmen und Verbrauchern in der Region gemacht“, sagt Mann. Damals sei es eine Besonderheit gewesen, dass in einer Diplomarbeit empirisch gearbeitet wurde. „Das war schon sehr innovativ und methodisch anspruchsvoll“, sagt er schmunzelnd.

Erneut mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnet wurde der gebürtige Nordhesse, der bereits mit 39 Jahren Professor war, im Jahr 1998 – dieses Mal für seine Dissertation, die sich auf 680 Seiten mit dem Erfolgsfaktor Service beschäftigt. Die Publikation handelt davon, dass sich Service zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor und Marketinginstrument auf nationalen und internationalen Märkten entwickelt hat. Immer häufiger versuchen Unternehmen, durch Serviceleistungen strategische Wettbewerbsvorteile zu erreichen. Der Service gewinnt als strategisches Marketingwerkzeug an Bedeutung, jedoch waren die Erfolgswirkungen Ende der 90er-Jahre noch nicht umfassend untersucht worden. Das nahm Andreas Mann zum Anlass, eine theoretische und empirische Analyse der strategischen Wirkung des Service als eigenständiges Marketinginstrument, des Einflusses von Service auf den Unternehmenserfolg sowie der Erfolgsfaktoren des Servicemanagements zu erstellen. Und das gelang so gut, dass er die Jury ein zweites Mal überzeugte.

Heute sitzt Andreas Mann selbst in jenem Gremium, das über die Vergabe des Wissenschaftspreises entscheidet. „Ich wurde 2008 als Nachfolger des damaligen Leiters des Instituts für Betriebswirtschaftslehre, Prof. Dr. Jürgen Freimann, in die Jury berufen und es ist eine interessante Aufgabe“, sagt der 48-Jährige. Wichtig und ein Bedürfnis sei ihm in dieser Funktion ein Appell an die Betreuer der Absolventen. Es würden zwar genügend Arbeiten eingereicht, allerdings kämen sie vorrangig aus den Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften sowie aus der Psychologie. „Schön wäre es, wenn wir auch mal Arbeiten aus anderen Fachbereichen bewerten könnten, die wirtschaftsrelevante, aktuelle Themenfelder behandeln.“


Der Preis und die Kriterien

Der Wissenschaftspreis wird jedes Jahr verliehen, und zwar immer wechselseitig an Absolventen der Universität Kassel und der Universität Marburg. Initiator war im Jahr 1984 die Industrie- und Handelskammer Kassel. Eingereicht werden können Bachelor-, Master-, Diplom- und Doktorarbeiten sowie Habilitationen. Folgende Kriterien müssen Abschlussarbeiten erfüllen, um eine Chance auf die Auszeichnung zu haben: Sie müssen sich mit aktuellen Themen beschäftigen, einen Bezug zur Wirtschaft und eine praktische Relevanz für Unternehmen haben. Sie müssen methodisch anspruchsvoll sein, das heißt, es sollen moderne Verfahren zur Untersuchung von Sachverhalten angewendet werden. Zudem kommen für den Preis nur Arbeiten im oberen Notenbereich in Betracht. Zeitgleich mit dem Wissenschaftspreis wird der Förderpreis für Diplomarbeiten vergeben, der mit 1600 Euro dotiert ist.

„Mit dem Wissenschaftspreis kann man motivierten und leistungsfähigen jungen Menschen etwas Gutes tun“, sagt Prof. Dr. Andreas Mann. „Zum einen ist es, wie bereits erwähnt, eine Bestätigung und Bekräftigung sehr guter wissenschaftlicher Arbeit. Zum anderen hat man doch mit dem Preisgeld in Höhe von 5200 Euro – für mich waren damals 5000 D-Mark schon viel – ein gutes Startkapital für den nächsten Karriereschritt.“        

Autorin und Fotografin Ester Beller, Portrait ist erschienen in Wirtschaft Nordhessen 10.2013.