Anne Fenge

 

Dr. Anne Fenge, Studiengang Wirtschaftswissenschaften und Promotion an der Universität Kassel; aktuelle Tätigkeit: Vorstand der Hermanns AG, Kassel.

An ihre Studienzeit an der Universität Kassel erinnert sich Dr. Anne Fenge gerne. Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin ist Vorstand der Hermanns AG und seit fünf Jahren Mitglied im Vorstand der Universitätsgesellschaft Kassel e.V. Mit ihrer ehrlichen und direkten Art berichtet sie, wie sie all diese Aktivitäten unter einen Hut bringt.


Studium

1999 wechselte sie von Gießen an die nordhessische Hochschule. In Kassel gefällt ihr der enge Kontakt zu den Professoren und Dozenten. „Der Geist der ehemaligen GhK hängt noch immer etwas über der Uni, er ist noch immer spürbar. Ich habe es als sehr positiv empfunden, dass es keinen Standesdünkel gab. Die Lehrenden haben sich auch außerhalb der Sprechstunden für uns Zeit genommen“. Besonders gut findet sie, dass Praxis-Experten Seminare leiten. Diese bringen den Studierenden bei, was man für das tägliche Berufsleben braucht, und darauf kommt es ihrer Meinung nach im Studium an. „Natürlich gibt es Herausforderungen, auf die das Studium nicht vorbereiten kann“, weiß sie.


Fähigkeiten und Herausforderungen

Der Berufseinstieg war für Anne Fenge als Erbin der Hermanns AG nach ihrer Promotion vorgezeichnet. „Ich habe keine Karriere gemacht,“ stellt sie nüchtern fest. Sie wurde von einem Tag auf den anderen Chefin. Natürlich hat sie als Kind das Unternehmen ihrer Eltern und die Mitarbeiter sehr gut kennengelernt, dennoch traten bei ihr, wie bei vielen Berufseinsteigern in der Baubranche, in der Anfangszeit vereinzelt Akzeptanzprobleme auf. „Gerade als Frau in einer Führungsposition muss man lernen, dass die Leute einen nicht mögen müssen“, resümiert sie. „Das Geld muss reinkommen, damit unsere 350 Leute jeden Monat ihr Gehalt bekommen.“

So etwas lernt man jedoch nicht im Studium. Um mit solchen Herausforderungen umgehen zu können, muss man sich seiner Stärken bewusst sein. Steuern zählen bei ihr nicht dazu, dafür ist ihr Mann Experte – sowohl in der Firma als auch privat. Ihre persönlichen Stärken sind die Einschätzung und der Umgang mit dem Personal. Dies ist es auch, was sie an ihrem Job begeistert, obwohl es manchmal eine schwere Verantwortung ist. „Vielleicht fühlt man sich in einem Familienunternehmen gegenüber den Mitarbeitern noch mehr verantwortlich“, vermutet Fenge, „manche Mitarbeiter arbeiten bereits in der zweiten Generation ihrer Familie bei Hermanns.“ Umso schwerer ist es, wenn man sich von Mitarbeitern trennen muss, weil die fachliche Leistungnicht stimmt. In solchen Fällen bietet Anne Fenge ihre Familie Rückhalt. Ihre Eltern und ihr Mann stehen mit Rat zur Seite. Ihre beiden Hunde helfen ihr abzuschalten und zu entspannen: Nach dem morgendlichen Spaziergang ist sie fit für den Tag und kann ihre Stapel im Büro effektiv wegarbeiten.



Ehrenamt und Beruf

Auf die Frage, wie sie es schafft sich neben der Arbeit ehrenamtlich bei der Universitätsgesellschaft zu engagieren, antwortet sie prompt: „Wenn man an etwas hängt, dann nimmt man sich die Zeit“. Anne Fenge fühlt sich ihrer ehemaligen Hochschule verbunden und möchte durch ihre Mitarbeit etwas zurückgeben. Außerdem profitiert die Hermanns AG durch die enge Zusammenarbeit mit der Hochschule. Das Netzwerk der Universitätsgesellschaft hat ihr schon kurze Wege bei der Klärung von kleinen Problemen ermöglicht, wobei dies für sie nicht im Vordergrund steht. Wichtiger ist der Kontakt zu Professoren, denn Hermanns gewinnt viele Praktikanten aus der Universität Kassel. Einige sind inzwischen geschätzte Mitarbeiter geworden. Wann immer eine interessante Baustelle in Kassel und Umgebung liegt, organisiert Herrmanns Exkursionen für die Studierenden, so beispielsweise während des Baus des Flughafens Kassel Calden.

Der Flughafen Calden war für die Hermanns AG ein wichtiges Projekt. „Die Mitarbeiter konnten viel lernen und der Bau ist eine wichtige Referenz für unser Unternehmen,“ erklärt Anne Fenge. Trotz Kälteeinbruch und extremen Minusgraden wurde der Flughafen pünktlich fertig. Darauf ist das Unternehmen, das in Kooperation mit der Firma Bickhardt Bau aus Bad Hersfeld den Flughafen Calden gebaut hat, stolz – trotz der wirtschaftlichen Probleme, die sich seit der Eröffnung des Flughafens abzeichnen. Doch für die Mitarbeiter sei es schön, wenn sie ihren Familien das fertige Produkt zeigen können.

Auch Richtfeste, so Fenge, sind jedes Mal wieder ein tolles Erlebnis. Sie ermöglichen, auf die Arbeit der vergangenen Wochen zurückzublicken und motivieren für die nächste Bauphase. Für den Abschluss großer Projekte müssen ihre Mitarbeiter oft viel und lange arbeiten. In solch stressigen Zeiten ist gutes Zeitmanagement erforderlich. Die Geschäftsführerin ist überzeugt: „Niemand kann 24 Stunden am Tag durcharbeiten“. Deshalb ist es für sie während der Hochphasen wichtiger denn je, sich Zeit für ihren Sport, die Hunde und ihre Herzensangelegenheiten zu nehmen. Denn nur so kann man Arbeit, Privatleben und Ehrenamt erfolgreich miteinander vereinbaren.

 

Der Artikel erschien in AlumNews 22 im Dezember 2014.
Das Interview führte Antje Bennefeld im November 2014.

Zur Webseite der Universitätsgesellschaft Kassel e.V.