Christian Schneider

Dr. Christian Schneider (rechts) gemeinsam mit seinen Kollegen von Yatta Solutions.


Dr. Christian Schneider,
Diplom Informatiker, aktuelle Tätigkeit: Geschäftsführer von Yatta Solutions.


Dr. Christian Schneider studierte Informatik an der Technischen Universität Braunschweig. Von 2003 bis 2007 promovierte er am Lehrstuhl für Software Engineering an der Universität Kassel. Aus dem universitären Forschungsprojekt Fujaba entstand schließlich das erfolgreiche Kasseler Start-Up Yatta Solutions GmbH. Yatta entwickelt für Unternehmen und Behörden individuelle Softwarelösungen und zeichnet sich durch seine innovativen Entwicklungswerkzeuge aus. Christian Schneider hat maßgeblich zum großen Erfolg des Fujaba Projekts beigetragen und verantwortet heute als Geschäftsführer vor allem die Entwicklungsleitung der Yatta Solutions. Schon vor und während seines Studiums hat er unter anderem für die Expo 2000 GmbH Datenbanken- und Softwareprojekte realisiert. Heute verantwortet er solch große Projekte für das von ihm mitgegründete Unternehmen, hält auf internationalen und nationalen Konferenzen Vorträge und gibt Workshops. „Die wichtigste Fähigkeit ist es, Menschen einschätzen und begeistern zu können. Das gilt für jeden Job mit Personalverantwortung“ so Christian Schneider.


AlumniK: Guten Tag, Herr Schneider. Sie haben an der Technischen Hochschule in Braunschweig Informatik studiert, was hat Sie dazu bewogen, nach Kassel zu kommen?


C. Schneider: Während meines Studiums bekam ich ein Angebot von meinem Professor, Albert Zündorf. Er bot mir eine Position als wissenschaftlicher Mitarbeiter an seinem Lehrstuhl an der Universität Kassel an. Hierdurch ergab sich zum einen die Möglichkeit, zu einem spannenden Thema zu promovieren („Verteilung und Replikation von komplexen Objektstrukturen“), und zum anderen konnte ich an interessanten Software Engineering Technologien mitwirken. Durch die Lehre – später auch durch das Fujaba-Projekt – konnte ich zudem früh Verantwortung übernehmen.


AlumniK: Konnten Sie bereits vor oder während Ihres Studiums Berufserfahrung sammeln und welche Vorteile haben sich für Sie daraus ergeben?


C. Schneider: Erste Berufserfahrungen habe ich bei Softwareprojekten der EXPO 2000 GmbH und H.F. & P. in Hannover gesammelt. Das war 1997 bis 2000. Ziel eines Projektes war zum Beispiel die Konzeption und Umsetzung einer komplexen Adressverwaltung – etwa mit der Möglichkeit, chinesische Zeichen zu verwenden. Als Softwareentwickler und Supportmitarbeiter entwickelte ich in den folgenden Jahren zudem verschiedene Business Applikationen. Das sind Softwareprogramme im Geschäftsumfeld von Unternehmen wie Zeiterfassung und Statistikauswertung der Expo-Terminals. Danach folgten verschiedene Projekte im Bereich der Wissenschaft und Entwicklungswerkzeuge an den Hochschulen Kassel, Paderborn, Braunschweig und Darmstadt, sowie ein Projekt für erneuerbare Energien in Kassel.

Hierdurch konnte ich bereits zu Beginn meines Studiums den Bezug zu realen Projekten aus der Wirtschaft herstellen. Das ist leider nicht an allen Universitäten selbstverständlich und wird gerade am Lehrstuhl für Software Engineering und an der Uni Kassel sehr unterstützt. Hierdurch fiel es mir auch in meinen späteren Projekten leicht, Verantwortung zu übernehmen, Projekte zu planen, aber auch die Risiken abzuschätzen.


AlumniK: Ihr Unternehmen, die Yatta Solutions GmbH, ist aus einem universitären Forschungsprojekt entstanden. Wie nannte sich das Projekt und wie kam es dazu?


C. Schneider: Yatta wurde 2008 als Spin-Off aus dem Fujaba Projekt heraus gegründet. Das universitätsübergreifende Forschungsprojekt wurde unter Federführung der Universitäten Kassel und Paderborn sowie der TU Darmstadt durchgeführt und startete schon 1997. Zahlreiche weitere Hochschulen und Forschungseinrichtungen wie das Hasso-Plattner-Institut Potsdam, die RWTH Aachen, die University of Victoria, Kanada, und die Universität Bayreuth beteiligten sich seit 1997 hieran. Bis zu 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiteten am Fujaba Projekt.

Ziel des Projekts war es, eine leistungsfähige und flexible Plattform für Softwareentwickler zu schaffen und die Grenze zwischen modellgetriebener und agiler Softwareentwicklung zu überwinden. Deshalb steht Fujaba als Abkürzung für ‚From UML to Java and back again‘. Heute helfen diese Technologien bei Planung, Analyse und Umsetzung von Softwareprojekten. Ich bin daher sehr froh, dass mich mein Schulfreund, später Mitgründer und heute Co-Geschäftsführer Johannes Jacop, davon überzeugt hat, hieraus ein eigenes Unternehmen zu gründen.



AlumniK: Wie entwickelte sich das vormalige universitäre Projekt in Ihrem Unternehmen weiter? Welche Erfolge konnten Sie verbuchen?


C. Schneider: Zunächst einmal haben wir mit dem Yatta Team den Fujaba Ansatz und die Technologien konsequent weiterentwickelt und auch neu implementiert. Unsere technischen Mitarbeiter waren zuvor alle maßgeblich an Fujaba beteiligt. Im Prometheus Projekt konnten wir daher aus den früheren Ansätzen eine zuverlässige Lösung für den Abgleich von Softwaredesign und Implementierung entwickeln.

Das Projekt wurde zunächst durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie durch EXIST gefördert. Später haben wir unsere Technologien mit der Yatta Solutions weiterentwickelt – und hierbei auch eng mit der Universität Kassel und weiteren Partnern zusammengearbeitet. Dabei haben uns auch die Hessen Agentur und das Land Hessen unterstützt.

Heute haben wir bei Yatta 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Johannes und ich als Geschäftsführer, aber auch zwei wissenschaftliche Mitarbeiter. Zu unseren Erfolgen gehören sicherlich: die Prämierung beim Business Plan Wettbewerb promotion Nordhessen 2008, die Beteiligung des High-Tech Gründerfonds als Finanzinvestor mit 500.000 EUR 2009, die Auszeichnung als "Bestes Start-Up" von der Gesellschaft zur Förderung des Forschungstransfers e.V. 2010, die Auszeichnung beim Hessischen Gründerpreis 2011, sowie insbesondere auch die Auszeichnung als „IKT-Gründung des Jahres 2011“ durch Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler in Berlin.

Der größte Erfolg ist aber, was unsere Kunden zu uns und unseren Produkten sagen. Beispielsweise Tim Barry von Hewlett-Packard aus den USA, der für HP Software mit unseren Werkzeugen entwickelt:

»It is world class software with a result that insofar as I can tell is unmatched. […] This tool chain is solving real problems for us in a way that we could not do otherwise. We would not be where we are without UML Lab. […] This is one of the best pieces of software engineering and tool craftsmanship I've seen in two and a half decades in my job.«

…und auch das, was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu uns sagen.


AlumniK: Das klingt nach einem sehr glücklichen Verlauf. Soweit ich das mitbekommen habe, haben sie bereits eine Familie mit drei kleinen Kindern. Das finde ich sehr bewundernswert, wie Sie das alles geschafft haben. Welche Kompetenzen muss man mitbringen, um die Anforderungen als Geschäftsführer gut bewältigen zu können.


C. Schneider: Meine Familie ist für mich immer das Wichtigste. Dank ihr habe ich immer den benötigten Ausgleich zu meinem Alltag als Geschäftsführer. Aus meiner Sicht ist der familiäre Ausgleich eine entscheidende Komponente für den beruflichen Erfolg.

Wichtig ist vor allem ein gutes Gespür für Menschen sowie für Probleme und Lösungen. Hierfür bilden die theoretischen Grundlagen, aber auch praktische Team-Erfahrungen aus dem Studium durchaus eine gute Basis. Organisationstalent ist sicher auch eine wertvolle Kompetenz als Manager.
In der Softwareentwicklung halte ich es außerdem für wichtig, immer am Puls der Zeit zu sein. Ich möchte wissen, was sich Neues entwickelt und sich tut. Außerdem sollte man auch einen guten Draht zu anderen Unternehmen und Unternehmern pflegen – idealerweise auch nicht nur aus der eigenen Branche. Man profitiert ungemein von solchen Netzwerken, auch als Mensch.
Letztlich kommt es als Geschäftsführer vor allem darauf an, die Fäden zusammenhalten. Man kann nicht alles allein machen. Es ist wichtig, Aufgaben zu delegieren oder auch externe Berater mit ihren Fähigkeiten und Erfahrungen hinzuzuholen. Dazu muss man erkennen, wer für die Aufgabe am besten geeignet ist. Die Aufgabe muss auch zu dem Mitarbeiter passen. Es reicht nicht, dass jemand aus dem Team es kann. Die Aufgabe muss auch zu denjenigen passen. Man muss Spaß daran haben, sonst kommt meist nichts Gutes dabei raus. Die wichtigste Aufgabe für Unternehmer und Führungskräfte ist es, das eigene Team weiterzuentwickeln. Außerdem ist es erfüllend: Mit guten Leuten zusammenarbeiten, macht Spaß und ist effektiv. So wächst man an seinen Aufgaben. In einem Start-Up hat man hier natürlich mehr Freiheit als bei großen Unternehmen mit gewachsenen Strukturen und viel Bürokratie. Um die Freiheit zu nutzen, braucht man sicher eine gewisse Menschenkenntnis und ein gutes Gefühl für das Team und die Fähigkeiten und Vorlieben von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Man muss aber auch bereit sein, unangenehme Dinge selbst zu machen. Letztlich muss man zu seiner Verantwortung stehen – auch wenn man hierbei andere einbindet. Da darf man niemanden mit seinen Aufgaben allein lassen. Analytisches Denken und die ständige Bereitschaft zu lernen sind ebenfalls wichtig. Denn gerade als Unternehmer und Manager muss man sich ständig weiterentwickeln. Auch hieran sollte man Spaß haben und Herausforderungen als Möglichkeit daran zu wachsen verstehen.


AlumniK: Was war für Sie eine solche besondere Herausforderung in Ihrem Beruf?


C. Schneider: Eigentlich hat man als Geschäftsführer dauernd eine Herausforderung. Man muss sich ständig für das Unternehmen verändern und weiter entwickeln. In der Studienzeit hat man meist mit Leuten zu tun, die das Gleiche studieren, aber im Unternehmen und in der Berufswelt kommen die Menschen meist aus einem sehr unterschiedlichen Umfeld und haben sehr unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten. Das bedeutet oft auch, dass man ein unterschiedliches Vokabular verwendet und mit anderen Denk- und Vorgehensweisen zu tun hat. In unserer Branche, in der Software- und IT-Industrie ändern sich zudem auch die Rahmenbedingungen sehr schnell. Deshalb ist es auch so wichtig, sich ständig weiterzuentwickeln, für Neues offen zu sein. Ich persönlich, empfinde die Vielfalt auch als Bereicherung. Das Umfeld in dem ich tätig bin, ist außerdem unglaublich kreativ.


AlumniK: Was würden Sie den Studierenden noch als Tipp mit auf den Weg geben?


C. Schneider: Wichtig ist es, für sich selbst herauszufinden, welches Potential eigentlich in einem steckt und woran man Spaß hat. Man muss selbst herausfinden, wo die eigenen Stärken liegen und was man für sich erreichen möchte. Ich glaube, nur wenn man das, was man tut, wirklich gern macht, kann man auf Dauer erfolgreich sein.

 

(Das Interview führte Marleen Stein im Dezember 2012)