Harald Kröck

Harald Kröck; Studiengang Labour Policies and Globalisation von 2004-2005; aktuelle Beschäftigung: Freiberufler, Harald Kröck Consulting.

Der gelernte Controller, Harald Kröck, ist an Fragen der sozialen Gerechtigkeit interessiert und fand im Studiengang Labour Policies and Globalisation die passende Möglichkeit, zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Heute ist er freiberuflicher Berater und koordiniert ein Ehemaligennetzwerk, dessen Mitglieder sich für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen rund um den Globus einsetzen.

 


Studium

Als der Studiengang Labour Policies and Globalisation (LPG) 2004 startete und Harald Kröck sein Studium aufnahm, titelte die TAZ „Den Protest studieren“ (15.10.2005). Der einjährige Studiengang der Global Labour University (GLU), dessen Lehrveranstaltungen je zur Hälfte an der Universität Kassel und der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) stattfinden, bildet Gewerkschafter und Personen, die an Fragen sozialer Gerechtigkeit interessiert sind, aus. Ziel ist es, Studierende die Methoden und Theorien zu gesellschaftspolitischen und volkswirtschaftlichen Abläufen zu vermitteln. Sie erhalten im Studium, das Handwerkszeug, das sie befähigt, sowohl in ihren Heimatländern als auch auf globaler Ebene, mit Arbeitgebern und politischen Vertretern auf Augenhöhe zu verhandeln. Denn erst der Weitblick für die großen Zusammenhänge erlaubt das strategische Handeln vor Ort. Voraussetzung für die Aufnahme in das Studienprogramm Labour Policies and Globalisation ist gewerkschaftliches bzw. soziales Engagement im Vorfeld.

Harald Kröcks persönliche Motivation Labour Policies and Globalisation zu studieren, hat sich langsam herausgebildet. Nach seinem BWL-Erststudium hatte er jahrelang als Controller in der Papierbranche gearbeitet und war qua Amtes dazu angehalten, nach Einsparpotential beim Produktionsfaktor Arbeit zu suchen. Er arbeite bereits damals schon mit dem Betriebsrat zusammen, war an Fragen der sozialen Gerechtigkeit interessiert und sah in dem Studiengang eine Möglichkeit zur beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung. Das im Rahmen des LPG-Studiums vorgeschriebene Praktikum absolvierte Harald Kröck beim DGB und der Verdi Bundesverwaltung in Berlin und erhielt dadurch Einblicke in weitere Aspekte der Arbeiterbewegung.

Als einer der wenigen Deutschen, genoss Harald Kröck neben den fachlichen Inhalten die Internationalität und Interkulturalität im Studiengang Labour Policies and Globalisation. Die Studierenden seines Jahrgangs kamen aus 18 Ländern von Moldawien, Südafrika bis Süd-Korea. Trotz aller kulturellen und inhaltlichen Unterschiede, ist den Studierenden eines gemein: Sie alle wollen die Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer in ihren Heimatländern verbessern, die Globalisierung sozial gerecht gestalten und sind daher mit großem Enthusiasmus bei der Sache.


Aktuelle Tätigkeit

Nach dem Abschluss sammelte Harald Kröck Erfahrungen bei der ILO in Genf und einem von ver.di initiierten internationalen Projekt-Netzwerk. Durch die Arbeit für die ILO und durch Kontakte zur Global Labour University entdeckte Kröck sein Talent als Berater und Organisator. Als Freiberufler ist er heute mit einer Vielfalt von Dingen betraut - der inhaltlichen und technischen Betreuung von Webauftritten, der Planung und Durchführung von Sommerschulen, Workshops und Konferenzen, und nicht zuletzt mit der Koordination des Alumninetzes der Global Labour University.

Kröck kümmert sich um die Alumni, die in Kassel und Berlin studiert haben, aber auch um die Alumni ähnlicher Studiengänge, die die GLU in Brasilien, Südafrika und Indien anbietet. Die rund 270 Alumni aus 60 Ländern ermöglichen einen befruchten den länderübergreifenden Austausch zwischen Gewerkschaftlern.
Da die Studierenden während des Studienaufenthalts in Deutschland im kleinen Kreis zusammen studieren und teilweise auch zusammen wohnen, lernen sie sich untereinander sehr gut kennen. Obwohl die Studiendauer im Vergleich zu Bachelor- oder anderen Masterprogrammen kurz ist, ist die Gemeinschaft unter den Studierenden stark, der Kontakt zu den Professoren eng und damit die Voraussetzungen für eine spätere Zusammenarbeit als Alumni ideal.

Die Gründungsväter des Labour Policies and Globalisation Studiengangs haben sich zum Ziel gesetzt, die wissenschaftliche Arbeit zwischen Hochschulen und Gewerkschaften weltweit auch über den Studienabschluss hinaus fortzuführen. So bilden die jährlich stattfindenden Alumni Sommerschulen, Workshops und Konferenzen, sowie die Projekttreffen zwischen Wissenschaftlern und Gewerkschaftern einen wesentlichen Bestandteil des Netzwerks.

Das Alumninetzwerk bietet noch einen weiteren Aspekt – es bietet ganz praktische Lebenshilfe. Die GLU-Alumni richteten in 2007 einen Solidaritätsfond ein. Spenden der Ehemaligen werden dazu verwendet, einzelnen Alumni in Notsituation zu helfen. Harald Kröck ist Teil eines von allen Alumni gewählten Gremiums, das neben allgemeinen Alumnifragen auch über Anträge an diesen Fond entscheidet. In der Vergangenheit konnte so z.B. mehreren ehemaligen Studierenden geholfen werden, die nach Rückkehr in ihre Heimatländer in eine wirtschaftliche Notlage (z.B. durch Verlust des Arbeitsplatzes oder Krankheit) geraten waren.

Mit dem Solidaritätsfond, den Sommerschulen, der kontinuierlichen Kontaktpflege, der Betreuung von zwei Facebookgruppen, der Herausgabe eines Newsletters und der Gründung eines GLU-Fördervereins hat die Vernetzung von GLU-Alumni und –Studierenden ein Level an Professionalität erreicht, das längst das Niveau ehrenamtlichen Engagements überschritten hat. Mehrmals im Jahr erhält Harald Kröck den Auftrag, für das Netzwerk zu arbeiten. An der Alumniarbeit reizt ihn vor allem das Thema, mit dem sich die Ehemaligen der GLU beschäftigen – die weltweite Gewerkschaftsbewegung und die Verbesserung von Arbeitsbedingungen rund um den Globus.

(Das Gespräch führte Isabelle Schulze am 18.02.2013)