Katrin Bock


Katrin Bock
, Studiengang Wirtschaftspädagogik von 2006 bis 2012; aktuelle Tätigkeit: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Internationale Kooperationen an der Universität Magdeburg, Institut für Berufs- und Betriebspädagogik.


Katrin Bock erhielt 2012 den Wissenschaftspreis der Handwerkskammer Kassel für ihre Diplomarbeit zum Thema „Ansatz zur Förderung des Interesses an Technik bei Mädchen“. Heute fährt sie beruflich dreigleisig: hauptberuflich ist sie Projektbetreuerin für internationale Teilnehmer eines Weiterbildungsprogramms zum Klimawandel, wissenschaftlich verfolgt sie ein Dissertationsprojekt über Frauen in Technikberufen und nebenberuflich unterrichtet sie für die Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer angehende Meister bzw. Ausbilderinnen und Ausbilder in Berufs- und Arbeitspädagogik. Im Frühjahr 2014 leitet sie eine Ausbilderwerkstatt für mehr junge Frauen in technischen Ausbildungsberufen. Darauf freut sie sich besonders, weil sie hierbei ihre Interessen verbinden sowie die Erkenntnisse ihrer Forschungsarbeit vermitteln und an die Ausbilder und Ausbilderinnen der Region weitergeben kann.


Studienabschluss und Handwerkskammerpreis

Noch während sie ihre Diplomarbeit schrieb, sah Katrin Bock am Schwarzen Brett in der Nora-Platiel-Straße den Aushang: die Ausschreibung für den Wissenschaftspreis der Handwerkskammer. Sie spielte mit dem Gedanken „Könnte ich mich da wohl bewerben?“. Aber erst mal musste die Arbeit ja geschrieben werden.

Dass ihr als Diplomandin die Handwerkskammer überhaupt ins Auge sprang, mag wohl daran liegen, dass Katrin Bock schon lange vor dem Ende ihres Studiums Bezugspunkte zum Handwerk hatte und wusste, dass der Wirtschaftszweig interessante Karrieremöglichkeiten für Akademiker bietet. Nach der Schulzeit absolvierte sie eine kaufmännische Ausbildung in der Versicherungsbranche. Während sie die ersten Jahre Berufserfahrung sammelte, machte sie die Ausbildereignungsprüfung. Die Aus- und Weiterbildung wurden zu ihrem liebsten Arbeitsgebiet. Aber als Versicherungskauffrau war dies nur ein Randgebiet im täglichen Alltagsgeschäft.

Um ihr Interesse an Ausbildung und ihr Faible für Didaktik und Methodik zu vertiefen, entschloss sie sich im Alter von 27 Jahren Wirtschaftspädagogik mit dem Schwerpunkt Betriebliche Aus- und Weiterbildung zu studieren. Nebenbei  war Katrin Bock für die Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer in verschiedenen Bereichen der Erwachsenenpädagogik tätig und verdiente damit die Mittel zur Finanzierung ihres Studiums.

Als die Diplomarbeit abgegeben und bewertet war, bat sie ihren Professor um ein Empfehlungsschreiben für den Preis der Handwerkskammer und reichte ihre Unterlagen ein. Viele Chancen rechnete sie sich nicht aus, immerhin können für den Wissenschaftspreis auch Dissertationen und Habilitationen eingereicht werden. Und während der langen  Begutachtungs- und Entscheidungsphase geriet ihre Bewerbung immer mehr in den Hintergrund ihres Alltags. „Ich hatte Freudentränen in den Augen als eines Tages Herr Joseph, der Koordinator der Handwerkskammer, anrief und sagte, ich hätte den Preis gewonnen. Ich habe mich irre gefreut,“ bekennt Katrin Bock.


Berufspraxis und Wissenschaft

Der Handwerkskammerpreis gab Katrin Bock Selbstvertrauen, die wissenschaftliche Karriere weiterzuverfolgen. In ihrer geplanten Dissertation will sie das Thema Frauen in technischen Berufen weiterführen. Sie will Berufsbiographien untersuchen, um herauszufinden, welche Faktoren begünstigend dazu führen, dass Frauen in technischen Berufen arbeiten. Bislang beschäftigen sich die meisten Studien eher mit den Hemmnissen – wie Sozialisationsbedingungen, Schule und Unterricht, Geschlechterstereotype Rollenbilder, fehlende Vorbilder – die Frauen aus den Technik- und Naturwissenschaften fern halten.

Ihre aktuelle Tätigkeit lässt ihr jedoch  wenig Zeit für die Promotion. Nach der Diplomarbeit folgte sie ihrem Professor an die Universität Marburg und arbeitet dort in dem Projekt „International Leadership Training (ILT): TVET, Climate Change and Green Jobs“. In dem Weiterbildungsprogramm werden Fach- und Führungskräfte der Beruflichen Bildung mit mehrjähriger Berufserfahrung in den Bereichen Wasserver- und -entsorgung, Erneuerbare Energien sowie Energieeffizienz im Bauwesen fortgebildet. Die rund 20 Fach- und Führungskräfte kommen aus Laos, Indonesien und Vietnam und lernen neben der Vermittlung theoretischer Grundlagen die Vorbereitung und Durchführung eines Transferprojekts, das sie nach ihrer Rückkehr ins Heimatland dort umsetzen sollen.

Katrin Bock ist für die Betreuung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zuständig. Das bedeutet in der Praxis häufig „Mädchen für alles“ zu sein: Sie begleitet die Asiaten bei Behördengängen, gibt ihnen eine Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten, betreut die Transferprojekte und übersetzt ins Deutsche bei Arztbesuchen. „Da menschliche Schicksale dran hängen, sind die Arbeitstage lang. Es ist schwer „nein“ zu sagen, wenn die Internationalen Hilfe brauchen. Ein Bewusstsein für Quellenangaben und für das Umformulieren eines Texts in eigene Worte ist bei manchen nicht vorhanden. Das Heranführen an das wissenschaftliche Arbeiten ist teilweise echte Pionieerarbeit. Projektbetreuerin zu sein – das bedeutet persönliches Involvement. Schön daran finde ich, dass ich viel über andere Kulturen lerne, neue Lernstile erfahre, auf den Study Tours die Menschen kennenlerne und nicht zuletzt durch die Arbeitssprache English meine Sprachkenntnisse verbessere. Nebenbei meine eigene Diss voranzubringen … das ist jedoch nahezu unmöglich,“ gibt Katrin Bock zu.

Wenn ihr derzeitiger Vertrag im Projekt endet, möchte sie daher eine Doktorandenstelle in einem einschlägigen Fachgebiet suchen oder eine berufliche Auszeit nehmen, um sich Vollzeit auf die Doktorarbeit zu konzentrieren.

„Ich habe einen Forschungsdrang, ich will ins Feld gehen. Ich will nicht in engen Strukturen denken, sondern offen sein und neue Theorien entwickeln,“ schwärmt Katrin Bock von der Wissenschaft.


Nebentätigkeit

Da ihr die Kurse mit den Handwerksmeistern immer viel Spaß gemacht haben, arbeitet sie auch heute nebenberuflich unter anderem ein paar Wochen im Jahr für die Handwerkskammer. Ihr Doktorvater und wissenschaftlicher Leiter des Weiterbildungsprojektes an der Universität Magdeburg hat dafür Verständnis. Er ist gelernter Dachdecker und hat das Handwerk somit selbst von der Pike auf gelernt.

„Es ist eine ganz andere Art des Lehrens. Die Handwerker sind die Experten für das Praktische. Informationen aus einem Text zu filtern, müssen sie dagegen oft erst wieder trainieren. Lernen zu lernen, muss vermittelt werden und dabei achte ich darauf, Sachverhalte möglichst kurz und prägnant zu erklären. Es ist ein Balanceakt aber auch eine schöne Abwechslung – das wissenschaftliche Arbeiten einerseits und die Lehre bei den Handwerkern.“

Wissen die Schüler Bescheid, dass ihre Dozentin eine Preisträgerin ist? „Ja, ja, spätestens wenn sie mal nach meinem Namen googeln, stoßen sie sofort auf den Handwerkskammerpreis. Einerseits haben sie Respekt davor, aber andererseits ist das Thema meiner Diplomarbeit „Frauen in technischen Berufen“ auch eine Materie, an der sie sich gern reiben. Frauen im Handwerk – das ist für viele allenfalls die Friseurin oder die Bäckerin. Eine Mechatronikerin haben nur wenige im Kopf. Auch unter meinen Schülern in den Handwerksklassen treffe ich vereinzelt noch auf diese antiquierte Vorstellung. Aber die Einstellungen ändern sich. Das Handwerk wird modern.“


Das Gespräch führte Isabelle Schulze im November 2013.