Lore Klipp


Lore Klipp, Studiengang Evangelische Religion und Kunstwissenschaft auf Lehramt von 1978-1985; aktuelle Tätigkeit: Personalreferentin bei SMA Solar Technology.


Lore Klipp studierte Evangelische Religion und Kunst für die Sekundarstufe II an der Universität Kassel. In den 1980er Jahren, als es wenige freie Stellen an den Schulen gab, war sich Lore Klipp darüber im Klaren, dass ihr Lehramtsstudium in die Arbeitslosigkeit führen könnte. Als zweites Standbein ließ sie sich daher zur sogenannten Kommunikationsprogrammiererin ausbilden und arbeitete zunächst in einem Softwarehaus. Während der Kindererziehungszeit entschied sich Lore Klipp für eine Mediatoren- und Coachingausbildung, um sich beruflich weiterzuentwickeln. Im Jahr 2004 stieg sie als Personalreferentin bei SMA Solar Technology ein. In Ihrer Freizeit wirkte die Kunstliebhaberin im Sommer 2012 als Worldly Companion auf der documenta 13.


Studium und Berufseinstieg

Lore Klipp wurde die Leidenschaft für die Kunst schon in die Wiege gelegt. Die Tochter eines Kunsterziehers und einer sportbegeisterten Lehrerin ist in einem Drei-Generationen-Haushalt in Kassel mit Blick auf den Herkules aufgewachsen. Die Eltern ermöglichten ihr eine akademische Ausbildung und so studierte sie von 1978 bis 1985 an der damals noch jungen Gesamthochschule in Kassel.

„Für mein Lehrerstudium wählte ich die Fächer Kunst und Ev. Religion für die Oberstufe mit der Vorstellung, dass ich über den Unterricht in diesen Fächern einen spannenden Zugang zu den Jugendlichen bekommen würde. Das bestätigte sich im Referendariat. Die Kasseler Lehrerausbildung hatte mich bestens auf den Umgang und die Diskussion mit meinen Schülern vorbereitet,“ erinnert sich Lore Klipp gerne an ihre pädagogische Ausbildung. Im Kern des Studiums stand die Projektarbeit, sie gab Gelegenheit zum Setzen von Zielen und zur Selbstreflexion.

Das Studienende von Lore Klipp und der Abschluss ihres Referendariats fielen in eine schwierige Phase am Arbeitsmarkt für Pädagogen. Keine Anstellung in dem Fach zu finden, das man jahrelang intensiv studiert hat, ist für viele eine frustrierende Erfahrung. Für Lore Klipp was es der Anstoß zu einem neuen Beruf: „Es waren die ersten Jahre von Lehrerarbeitslosigkeit und ich wollte aus privaten Gründen zu dieser Zeit Kassel nicht verlassen - mein Vater war, viel zu früh für uns, an den Folgen eines Autounfalls verstorben.

So entschied ich mich im Anschluss an mein Referendariat zu einer Zusatzausbildung als Kommunikationsprogrammiererin und wurde damit berufstätig.“ In dieser Tätigkeit musste sie viel Übersetzungsarbeit zwischen Softwareentwicklern, Ingenieuren, Vertriebsmitarbeitern, Kunden leisten und erkannte dadurch, dass es ihr leicht fällt einen guten Draht zu Menschen aufzubauen.


Berufsweg und Weiterbildung

Als Lore Klipp ihren Mann kennenlernte, erhielt ihr Werdegang eine neue Wendung: „Zusammen mit seinen beiden Söhnen bildeten wir zunächst eine Wochenendfamilie, später kamen zwei gemeinsame Kinder dazu. In der etwa siebenjährigen Familienzeit, kümmerte ich mich halbtags um die Büroorganisation aber auch das Projektcontrolling und die Personalfragen  im Architekturbüro ihres Mannes.“

Nach und nach wurde ihr aber deutlich, dass sie mit ihrer Arbeit wieder näher an den Menschen sein wollte. „Ich absolvierte über einen Zeitraum von zwei Jahren eine Ausbildung als Mediatorin und arbeitete zunächst selbständig.“

Sobald dies mit ihrer Familie vereinbar war, suchte sie sich eine Beschäftigung mit Kollegen. Seit nunmehr neun Jahren arbeitet sie als Personalreferentin für die SMA Solar Technology. „Dort berate und begleite ich Kollegen, insbesondere Ingenieure, durch ihr Arbeitsleben in diesem schnell expandierenden Unternehmen und unterstütze ihre Karrieren, indem ich an entsprechenden Entwicklungsprogrammen mitarbeite und Coachings durchführe. Darüber hinaus führe ich häufig Bewerbungsgespräche mit Menschen, die, aus anderen Gegenden Deutschlands und inzwischen der ganzen Welt kommend, sich dafür interessieren, einen sinnstiftenden Beitrag am Aufbau der Erneuerbaren Energien zu leisten. Die Erfahrung, die sie als Kommunikationsprogrammiererin in der Zusammenarbeit mit Entwicklern und Ingenieuren gemacht hat, kommen ihr dabei zu Gute.

Als Ausgleich zur technikdominierten Arbeit pflegt Lore Klipp ihr Interesse an der Kunst in der Freizeit. Die Kompetenzen aus dem Studium konnte sie z.B. 2012 als Worldly Compagnion auf der documenta 13 gut gebrauchen.


Verbundenheit zur Universität Kassel

Mitte der 1980er Jahre, als Lore Klipp selbst angehende Lehrerin in Kassel war, wurden an der damaligen Gesamthochschule Kassel zukunftsweisende Ideen in der Erziehungswissenschaft entwickelt. Daraus gingen, neben vielen anderen Gründungen von Lehramts-Alumni, zwei reformpädagogisch geprägte Schulen hervor (Offene Schule Waldau und Reformschule Kassel). „Inzwischen haben meine eigenen Kinder diese Schulen schon hinter sich gelassen“ schmunzelt Lore Klipp beim Gedanken auf welch unterschiedlichen Wegen und Pfaden sie mit anderen Alumni und mit der Hochschule verbunden ist.

Als interessantes Vorbild, das ein geisteswissenschaftliches Studium mit einer Tätigkeit in der Branche Erneuerbare Energien verbindet, stand Lore Klipp bereits als Praxisexpertin für Studierende zur Verfügung. Im Wintersemester 2013/2014 bietet sie für Studierende des Fachbereichs Geistes- und Kulturwissenschaften ein Seminar zum Themen Berufseinstieg und Berufsorientierung an.

Ihr Tipp an Studierende ist: „Lernt eure eigenen Kompetenzen einzuschätzen und erkennt eure eigene Geschichte und Werte. Authentizität ist wichtig, um langfristig Interesse und Freude am Beruf zu haben.“

 

Das Gespräch führte Isabelle Schulze im September 2013.