Matthias Joseph


Dr. Matthias Joseph,
Studiengang Wirtschaftswissenschaften (1994), aktuelle Tätigkeit: Handwerkskammer Kassel, Öffentlichkeitsarbeit.


Herr Dr. Matthias Joseph studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel und promovierte anschließend im Fachgebiet Finanzwissenschaft. Seit 1996 ist er der „Herr der Zahlen“ bei der Handwerkskammer Kassel. Er liefert die statistische Munition im Rahmen der Interessenvertretung gegenüber der Politik, beschäftigt sich mit der Konjunkturentwicklung im Handwerk und mit der Frage, wie man den demographischen Wandel als Chance sehen und nutzen kann. Daneben ist er für die sogenannten „Neuen Medien“ und die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft verantwortlich. Wer würde ahnen, dass dies und noch viel mehr zu Öffentlichkeitsarbeit gehört? Die Möglichkeit im Studium in andere Fachbereiche reinzuschauen, hält er für sehr wertvoll und es mache neugierig. Dadurch erarbeite man sich ein breites Fundament, das für seinen Beruf von großem Nutzen sei, sagt er.



AlumniK: Guten Tag Herr Joseph. Ich möchte gern mit der Frage anfangen, was und wo Sie studiert haben?

M. JOSEPH: Vor dem Studium habe ich eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht, aber es hat mir nicht viel Spaß bereitet. Danach habe ich Wirtschaftswissenschaften auf Diplom I und II an der Universität Kassel studiert und 1989 erfolgreich mein Studium beendet. Besonders schön fand ich die kleinen Seminare, bei denen man viel Kontakt zu dem Professor oder Dozenten hatte. Das prägt ungemein.

AlumniK: Ach so, dann sind Sie ja gleich an der Uni Kassel geblieben.

M. JOSEPH: Ja, ich fand es immer nett an der Uni und wurde von Herrn Professor Reding gefragt, ob ich promovieren möchte.

AlumniK: Wie verlief Ihre Promotion und zu welchem Thema haben Sie promoviert?

M. JOSEPH: Es war ein fließender Übergang. Direkt nach dem Diplom habe ich am Fachgebiet Finanzwissenschaft promoviert und hatte einen 3+2 Vertrag. Die Promotion dauerte fünf Jahre und 1994 war ich fertig. Mein Thema war damals „Die Analyse kommunaler Umweltpolitik aus der Sicht der neuen politischen Ökonomie“. Promoviert habe ich bei Professor Reding und Professor Postlep.

AlumniK: Das heißt die beiden haben Sie bei Ihrer Doktorarbeit betreut.

M. JOSEPH: Genau. Aber ein großer Teil dieser Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter ist Forschungsaufgaben und der Lehre vorbehalten, aber es blieb auch genügend Zeit, um mich meiner Doktorarbeit zu widmen.

AlumniK: Interessant, ich wusste gar nicht, dass dies so einen großen Teil ausmacht. Und wie ging es danach für Sie weiter?

M. JOSEPH: Ich habe sehr gerne geforscht. Ich habe mir eigentlich keine Gedanken gemacht, was danach kommt. Aber nach sechs Jahren Studium und fünf Jahren Promotion habe ich mir gedacht, das war genug Uni. Anschließend habe ich dann ein Jahr in Frankfurt am Main bei einer Unternehmensberatung gearbeitet, welche Kommunen beraten hat. Ich habe mich dabei  sehr viel mit dem Thema Kommunalfinanzen und -marketing auseinander gesetzt.

AlumniK: Warum waren Sie nur für ein Jahr dort?

M. JOSEPH: Grund war aber vor allem, dass meine Familie in Kassel lebte und ich war gerade Vater geworden. 1996 bin ich dann wieder nach Kassel zurückgezogen und habe begonnen bei der Handwerkskammer Kassel zu arbeiten, was mir durch die Vielfalt der Aufgaben auch immer großen Spaß gemacht hat. Seit der Zeit meines Studiums bin ich sozusagen mit Kassel verwurzelt und habe immer auch heute noch oft mit der Uni zu tun.

AlumniK: Privat oder durch Ihren Beruf bei der Handwerkskammer?

M. JOSEPH: Wir vergeben beispielsweise den Wissenschaftspreis der HWK. Man kann sich bei uns mit einer handwerksrelevanten Bachelor- oder Masterarbeit oder eben auch mit einer Dissertation oder Habilitation für den Preis bewerben. Die Bewerbungen können aus der Universität Kassel, der Universität Marburg oder der Hochschule Fulda stammen, also aus allen Hochschulen im Gebiet der Handwerkskammer Kassel. Wichtig ist, dass diese Arbeiten einen Bezug zum Handwerk aufweisen. Ich ermuntere Studierende mit sehr guten Abschlussarbeiten zu handwerksrelevanten Themen eine Bewerbung einzureichen. Ein Versuch lohnt sich auf jeden Fall, denn der Preis ist mit bis zu EUR 6.000 dotiert.

AlumniK: Wow, das ist ja nicht gerade wenig. Wird der Preis jedes Jahr verliehen? Und wie lange gibt es ihn schon?

M. JOSEPH: Seit 13 Jahren gibt es den Wissenschaftspreis der HWK. Er wird jedes Jahr verliehen. Ziel ist es vor allem auf die Vielfältigkeit und die Bedeutung des Wirtschaftszweigs Handwerk aufmerksam zu machen. Ich betreue diesen Preis mit und mein Ziel ist es, diesen Preis bekannter zu machen, denn er schlägt eine wichtige Brücke zwischen Forschung und Anwendung.

AlumniK: Dann wünsche ich Ihnen viele Bewerber in der kommenden Zeit. Was umfasst Ihre Tätigkeiten außerdem?

M. JOSEPH: Die Arbeit dort ist sehr bunt gemischt und mein Studium hat mir in dieser Hinsicht viel mitgegeben, insbesondere, dass ich mich schnell und effizient in neue Themen einarbeiten kann Ich beschäftige mich zum einen mit volkswirtschaftlichen Fragestellungen, vor allem Anfragen von der Presse und der Politik. Beispielhafte Themen sind die Konjunkturentwicklung im Handwerk oder aber auch Strukturverschiebungen innerhalb der unterschiedlichen Handwerksbranchen. Wie kann dem Strukturwandel begegnet werden usw. Des Weiteren bin ich „der Herr der Zahlen“, da ich mich viel mit Statistiken, Zahlen und Fakten auseinandersetze. Damit liefere ich die wichtige statistische „Munition“ im Rahmen der Interessenvertretung gegenüber der Politik. Der dritte Teil ist die eben erwähnte Zusammenarbeit mit der Wissenschaft. Darunter fällt der Wissenschaftspreis, aber auch andere Kooperationen mit der Universität Kassel. Ein vierter Bereich sind vor allem die neuen Medien. Dazu gehört der Internetauftritt, aber auch die sozialen Netzwerke. Der fünfte größere Bereich ist ein weiterer Schwerpunkt geworden: die demografische Entwicklung und die Folgen für unsere Handwerksbetriebe. Damit beschäftigen wir uns seit ca. sieben Jahren, da dieses Thema immer wichtiger wird. Da halte ich z.B. Vorträge und gebe mehrtägige Seminare.

AlumniK: Inwiefern ist dieses Thema denn wichtig für das Handwerk?

M. JOSEPH: Es ist wichtig um Chancen, Möglichkeiten, aber auch Risiken für das Handwerk zu erkennen und um neue Marktpotentiale aufzuspüren. Ein Beispiel was darunter fällt, ist barrierefreies Bauen, da die Bevölkerung immer älter wird. Ziel ist es, Handwerksbetriebe dafür fit zu machen und ihnen aufzuzeigen, was sie brauchen. 

AlumniK: Darunter kann ich mir etwas vorstellen. Ich hätte nicht gedacht, als Sie mir sagten, dass Sie für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig sind, dass so viel dazu gehört. Da Ihre Arbeit sehr vielschichtig ist, würde mich noch interessieren, was für Kompetenzen Sie dazu brauchen und welche besonders nützlich sind.

M. JOSEPH: Ich glaube Selbstständigkeit ist eine der wichtigsten Kompetenzen, die ich vor allem auch durch das Studium mitgenommen habe. Damals war es noch möglich, sehr frei zu wählen, welche Vorlesungen man besuchen möchte oder auch nicht. Vor allem die Fähigkeit sich in neue Sachverhalte einzuarbeiten. Da ich in der Öffentlichkeitsarbeit tätig bin, ist eine weitere wichtige Fähigkeit für mich, dass ich die Informationen so transportieren kann, dass andere sie verstehen. Dazu gehört ein gewisses Vermögen, Texte sprachlich gut formulieren zu können. Ich denke, das ist die  Kernkompetenz für die Öffentlichkeitsarbeit.

Hinzu kommt die Fähigkeit statistische Verfahren anzuwenden, also Zahlen zu analysieren und zu erklären. Und EDV Kenntnisse sind sehr wichtig. Ich erinnere mich noch, wie ich meine erste Internetanwendung an der Hochschule hatte, also damals hieß die Uni Kassel ja noch GHK. Es war ein Highlight für uns, eine Datei von Kassel nach Marburg schicken zu können. Heute ist das total unspektakulär. Ich habe EDV also von der Pike auf gelernt. Heute ist sie einfach nicht mehr wegzudenken.

AlumniK: Danke für Ihre Ausführungen. Gibt es denn noch einen Tipp, den Sie an die Studierenden weitergeben möchten?

M. JOSEPH: Wenn ich so zurück denke an meine Studienzeit fand ich besonders schön, dass man die Möglichkeit hatte, in andere Bereiche reinzuschnuppern. Ich habe nicht nur Vorlesungen aus meinem Fachbereich besucht, sondern auch Psychologie und Recht. Dies hat meinen Blick erweitert und sicherlich auch meine Persönlichkeit gestärkt. Ich kann jedem empfehlen, in andere Fächer reinzuschauen und sich ein breites Fundament zu schaffen. Heute ist es oft hilfreich nicht auf eine Disziplin spezialisiert, sondern möglichst breit aufgestellt zu sein. Man muss nicht immer Spezialist sein, Generalisten sind ebenso begehrt.

(Das Interview führte Marleen Stein im Dezember 2012)