Michael Horst

Michael Horst, Studium der Elektrotechnik/Elektrische Nachrichtentechnik (1975), Gründer & Geschäftsführer: miho Inspektionssysteme GmbH, Obervellmarsche Str. 12, 34292 Ahnatal, www.miho.de

Michael Horst studierte von 1972 bis 1975 Elektrotechnik/ Elektrische Nachrichtentechnik an der Gesamthochschule Kassel. Nach einem Lehrauftrag an der Kunsthochschule gründete er 1977 die Firma miho Inspektionssysteme GmbH: "Ganz allgemein gesagt konstruiert, produziert und verkauft miho Maschinen, die sehen und beurteilen können. Praktisch sind das hochkomplexe Systeme, die mittels Kameras und Rechnern eine Kontrolle vornehmen, beispielsweise von Getränkeflaschen nach der Reinigung vor der Befüllung. Sind sie sauber und unbeschädigt oder nicht? Miho Maschinen überprüfen fast überall auf der Erde Flaschen, Dosen, Getränkekästen, aber auch Bauteile wie elastische Dichtungsringe."


Studium in Kassel: Elektroingenieur in den 1970ern

Für den aus einfachen Verhältnissen stammenden Michael Horst war das Studium in Kassel preiswert, und da Universitäten noch kaum um Studierende konkurriert haben, war es nicht üblich, verschiedene Hochschulen systematisch zu vergleichen.

Der Studienalltag war teilweise sehr ernüchternd: 
"Ich hatte mir damals mehr Praxisbezug gewünscht. Die Laborausstattung war schlechte bzw. nicht zeitgemäß." 
Dennoch ist Herr Horst der Auffassung, dass die Hochschule unter den engen finanziellen Rahmenbedingungen der 1970er Jahre ihr Möglichstes gegeben hat und beschreibt das Verhältnis zu den Professoren als sehr nett und eng.

"Die Lehrinhalte des Studiums gehörten zu den Grundlagen des späteren Berufslebens. Das große Lernen hat nach dem Studium erst begonnen und dauert noch an."

Die Aneignung der wissenschaftlichen Grundlagen sieht er als wichtige Erfahrung, um sich selbst zu beweisen "ich bin in der Lage, in gewisser Zeit eine Aufgabe kreativ zu bewältigen". Diese Fähigkeit ermögliche es einem Absolventen, eine Bandbreite von Tätigkeiten auszufüllen und ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Berufsstart. Diese Offenheit, die ihn auch damals in die Kunsthochschule brachte, sieht er als einen Wert an sich. Auch heute kann er sich immer noch ganz andere Tätigkeiten als die Leitung von miho vorstellen.

 


Berufseinstieg: Ein Ingenieur an der Kunsthochschule

"Kultur ist alles, was der Mensch erschafft. Und das schließt eben auch die Technik mit ein." Nach dem Studium erhielt Herr Horst durch den Kontakt zu einem Hochschullehrer an der Kunsthochschule Kassel einen Lehrauftrag für Techniken der Metallbildhauerei an der Kunsthochschule Kassel. Was für manch einen sehr ungewöhnlich klingen mag - ein Ingenieur lehrt an der Kunsthochschule - ist für Michael Horst ganz natürlich, denn Ingenieurswesen und Kunst sind für ihn keine Gegensätze. In der Renaissance war es für Künstler wie Leonardo da Vinci selbstverständlich, dass Kunst und Technik zusammengehören.
 Bei Entwässerungsanlagen wie im Bergbau im Harz oder bei den Wasserspielen im Bergpark Wilhelmshöhe spreche man noch heute von "Wasserkunst", wobei es sich bei den Pumpen und Leitungssystemen um beste Ingenieursarbeit handele. Horst plädiert daher für einen weiteren Kulturbegriff als wir ihn heute üblicherweise verwenden. 


"Die Kunsthochschule war damals für mich eine Möglichkeit, einen Blick in eine andere Welt zu werfen. Ich habe mich in dieser Zeit aber nur als Gast gesehen. Ich hatte auch Einblicke in die, wie ich es empfunden habe, damals schwerfällige Hochschulstruktur, die ohne Zeitdruck und mit wenig finanziellem Risiko arbeitet". 

 

Gründung von miho


„Ich hatte Ideen, die ich realisieren wollte. Ich hatte immer wieder Kontakt zu Menschen, die Lösungen für Aufgaben suchten, für die ich mir Lösungen vorstellen konnte.“

Dies motivierte Michael Horst, 1977 die Firma miho zu gründen. Über den Kontakt zu einem ehemalige Kommilitonen, der später am Fachbereich Elektrotechnik forschte, hielt Michael Horst Kontakt zu einigen Professoren und diskutierte technische Basisprobleme. Manchmal war er in diesen Gesprächen auch mit Reaktionen wie „das kriegst Du nie hin“ konfrontiert. Umso schöner waren dann aber die Erfolge, wenn eine gute Idee zu einer erfolgreichen Umsetzung führte. Anfangs war Michael Horst dabei noch auf sich alleine gestellt. Das erste verkaufte Produkt war ein Gerät zur Detektion von Waschlauge in gereinigten Getränkeflaschen.

Erst 1990 und 2001 wurde die Unternehmensführung von miho durch eine Technische Leitung und eine Vertriebsleitung erweitert. Heute ist das Unternehmen mit ca. 80 Mitarbeitern Entwickler von Inspektionstechnik für die Getränkeindustrie in Ahnatal. Die von miho erstellten Inspektionssystemen werden weltweit in Abfüllanlagen für Getränke eingebaut und messen nicht nur den Füllstand und die Verpackungsqualität von Flaschen und Dosen, sondern sortieren auch Flaschen, Kästen und Gebinde oder kontrollieren die bandgesteuerten Verarbeitungsprozesse. Michael Horst fasst das Produktsortiment zusammen: „Ganz allgemein gesagt konstruiert, produziert und verkauft miho Maschinen, die sehen und beurteilen können. Praktisch sind das hochkomplexe Systeme, die mittels Kameras und Rechnern eine Kontrolle vornehmen, beispielsweise von Getränkeflaschen nach der Reinigung vor der Befüllung. Sind sie sauber und unbeschädigt oder nicht? Miho Maschinen überprüfen fast überall auf der Erde Flaschen, Dosen, Getränkekästen, aber auch Bauteile wie elastische Dichtungsringe.“ 

 


Preise und Herausforderungen

Die Innovationskraft mihos fand Anerkennung: 1999 erhielt miho den Innovationspreis des Landkreises Kassel. Der hessische Innovationspreis 2006 für Innovationen in unternehmerischen Prozessen wurde für die Firmensparte miho securo vergeben. Gummi-Dichtungsringe (O-Ringe), die im Maschinenbau und in der Automobil- und Luftfahrtindustrie zum Einsatz kommen und vor ihrem Einsatz in der Regel manuell und zeitaufwendig kontrolliert werden müssen, können mit miho-Maschinen vollautomatisch kontrolliert werden.

Trotz des erfolgreichen Verkaufs der miho-Produkte auf einem weltweiten Absatzmarkt sieht Michael Horst den internationalen Vertrieb nicht nur positiv, denn Deutschland reiche als Absatzmarkt schlichtweg nicht aus. 85% des Absatzes der miho-Produkte wird durch den Export erreicht. Dies macht die Firma anfällig für Schwankungen und Krisen am Weltmarkt.

Die Reisen zu den Kunden und Geschäftspartnern im Ausland sind mit viel Mühe verbunden. Der internationale Vertrieb stellt besondere Anforderungen an die Mitarbeiter, die sich auf dem jeweiligen Markt des jeweiligen Landes sprachlich und kulturell bewegen können müssen. Wenn Michael Horst und seine Partner von Reisen aus Asien, Afrika oder Südamerika zurückkehren, wissen sie Werte und Vorteile in Deutschland – wenig Kriminalität, Pünktlichkeit und Funktionsfähigkeit der öffentlichen Infrastruktur – wieder besonders zu schätzen.

In Forschungskooperationen hat Michael Horst in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass die Hochschulen in Deutschland allgemein sehr schwerfällig agieren. Aufgrund des fehlenden Zeitdrucks in der Grundlagenforschung sei eine Zusammenarbeit mit einer kleinen Firma wie miho dauerhaft nicht kompatibel. Umgekehrt sei auch miho für die Hochschulen im Unterschied zu großen Konzernen in der Auto- oder Solarindustrie, die Ressourcen für die Durchführung von Forschungsprojekten an den Hochschulen zur Verfügung stellen können, kein wirklich attraktiver Partner. Miho führt daher die benötigte anwendungsorientierte Forschung zunehmend im eigenen Haus durch. Das Entwicklungsteam besteht aus zehn Mitarbeitern, davon sechs Ingenieure. Horst ist voll des Lobes für diese Gruppe „das sind tolle, engagierte Leute mit viel Erfahrung und gewohnt, Zeitpläne einzuhalten.“

 


Wettbewerb als Daueraufgabe - keine Angst vor dem Scheitern

„Ich habe in den letzten über 30 Jahren - nicht nur in meinem Beruf - ein sehr spannendes, interessantes Leben geführt, das mir Einblicke und Erfahrungen in viele naturwissenschaftliche Zusammenhänge ermöglichte. Eine solche Vielfalt ist ein großes Lebensgeschenk.“

Wettbewerbsvorteile zu halten, andauernd Neues zu lernen und sehr schnell auf Veränderungen zu reagieren, ist eine dauerhafte Herausforderung. Trotz dieser fordernden Aufgaben würde Michael Horst heute keine andere Entscheidung treffen und sich erneut mit seinen Ideen selbständig machen.

Als Firmengründer kam Michael Horst sicherlich seine Risikofreudigkeit zugute. Generell müsse man auf dem Berufsweg immer wieder Risiken eingehen, sonst verbaue man sich viel, meint Michael Horst. „Jeder guten Idee und jedem erfolgreichen Projekt geht in der Regel ein Vertrauensbonus voraus.“ Trotz seiner Risikofreudigkeit ist Michael Horst kein Draufgänger. Das kann er sich in seiner Position, in der er Verantwortung für 80 Mitarbeiter trägt, nicht erlauben. Er setzt zwar immer wieder neue Ideen um, kalkuliert aber die Möglichkeit des Scheiterns mit ein. „Scheitern gehört zum Entwickeln dazu.“ Diese Erfahrung hält Herr Horst für überauswichtig. Dass etwas unter diesen Bedingungen nicht funktioniere, sei eine wichtige Erkenntnis und Scheitern sollte daher unbedingt den negativen Beigeschmack verlieren.

 


Mitarbeiterführung und Rekrutierung: Praktikumsplätze

"Die Erneuerbare Energien-Branche hat alles an Ingenieuren abgegrast, was einen Lötkolben halten kann.“

Die Herausforderung für die Firmenleitung in dem kleinen mittelständischen Betrieb miho ist die Motivation und Begeisterung der Mitarbeiter. Im Gegensatz zu großen Unternehmen stehen formale Instrumente der Personalentwicklung und monetäre Anreize zur Mitarbeitermotivation kaum zur Verfügung. Daher sei es äußert wichtig, dass „die Leute Spaß haben und ständig lernen.“ Die Mitarbeitermotivation laufe vor allem über die persönliche Wertschätzung und über die Nähe zum Produkt, betont Horst. Die Beschäftigten schätzen, dass sie die Projekte „wie ihre eigenen Kinder“ von Anfang bis Ende begleiten. Der enge Bezug zum Produktionsprozess und zum Ergebnis und damit zur eigenen Arbeitsleistung sei sehr wichtig. Die Kehrseite ist, dass die Mitarbeiter gefühlt „einmal pro Woche mit einer Katastrophe konfrontiert sind“. In einer kleinen Firma laste auf jeder Einzelperson viel Verantwortung, um mit den begrenzten Ressourcen erfolgreich umzugehen.

Ehemalige Praktikanten und Diplomanden stellen häufig den Pool, aus dem zukünftige festangestellten Mitarbeiter für das Unternehmen gewonnen werden. „Wir ziehen unsere Leute selbst groß“, beschreibt Michael Horst die Personalentwicklung von miho. Die Mitarbeiter kommen von verschiedenen Hochschulen – zuletzt wurde ein Absolventen der Uni Koblenz-Landau eingestellt. Der Nachwuchs rekrutiere sich jedoch relativ selten aus der Universität Kassel, denn hier in der Region konkurriere man mit Großbetrieben, die bei Absolventen der Universität Kassel sehr beliebt seien und finanziell attraktivere Angebote machen können. Die Solarbranche und das ISET machen es in Kassel sehr schwierig, gutes Personal für Nischenbereiche wie miho zu finden.

Den Nachwuchs im Unternehmen bilden Michael Horst und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilweise selbst aus. Neben vier Auszubildenden rekrutiert miho Praktikanten und Diplomanden. Miho bietet Praktikumsplätze und Diplomarbeitsthemen in den Forschungsgebieten Bildverarbeitungsalgorithmen, 3-dimensionale Inspektionstechnik, Röntgentechnik, FPGA-Programmierung, Mikrocontroler-Programmierung an. Besonders wertvoll für das Unternehmen sind Praktikanten und Diplomanden mit Erfahrungen in der hardwarenahen Softwareentwicklung. Kenntnisse in den Gebiete C, Java, Win 32API, Microcontroller, Echtzeitbetriebssysteme, Windows werden ebenfalls vorausgesetzt.

 

(Das Gespräch führte Isabelle Schulze im Oktober 2011.)