Roland Heinzen


Roland Heinzen, Studiengang Maschinenbau von 2004 bis 2005; aktuelle Tätigkeit: Geschäftsführer von FSAVE, Kassel

 

Roland Heinzen studierte Maschinenbau an der Universität Kassel und arbeitete danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Solar- und Anlagentechnik. Zusammen mit seinen ehemaligen Kommilitonen Claudius Wilhelms und Ralf Kappmeyer entwickelte er eine Methode zur Errichtung großvolumiger Speicher bei beengtem Bauraum. Diese Idee wurde patentiert und bildet die Basis von FSAVE Solartechnik GmbH, deren Geschäftsführer Heinzen ist. Als Alumnus, Gründer und Halter mehrerer Patente nimmt Roland Heinzen gern das breite Dienstleistungsspektrum von UniKasselTransfer in Anspruch.



AlumniK: Sie sind Mitentwickler des Patents von FSAVE zur Errichtung großvolumiger Behälter zur Wärmespeicherung. Was ist der Clou der Erfindung?

Heinzen: Für Solarthermieanlagen benötigt man Speicher, um die solar gewonnene Wärme für Zeiten vorzuhalten, in denen wenig oder keine solare Einstrahlung vorhanden ist, z.B. nachts oder im Winterhalbjahr. Hierfür benötigt man große Speicher. Es ist jedoch häufig schwierig in bestehende Gebäude – insbesondere Wohnhäuser – einen Tank zu bekommen, der z.B. 4.000 bis 5.000 Liter fasst ohne vorher das halbe Haus abzureißen.

AlumniK: Spürt man bei der Forschung, dass man etwas Neuartiges, Einzigartiges entwickelt hat?

Heinzen: Vom Bauchgefühl waren wir überzeugt, dass unsere Idee etwas Besonderes ist, aber es war komplett unklar, ob man einen solchen modularen Speicher schützen und patentieren lassen kann. Die Patent-Kategorie Behälterbau ist sehr umfangreich und nicht leicht zu überblicken. Man sagte uns dieser Bereich ist „ausgelutscht“, dort ist es schwierig etwas Neues zu erfinden. Für ein Unternehmen ist der Schutz des Produkts jedoch ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Das Patentinformationszentrum (PIZ) und unser Patentantwalt recherchierten dann, was es auf dem Markt gibt. Wenn man als Laie die Berichte liest, denkt man „Mensch, das gibt es ja schon alles“ und wird abgeschreckt. Aber ein geschulter Blick achtet aufs Kleingedruckte, kann die Codes richtig interpretieren und deckt die Nische auf, in die die Produktidee passt. Für diese Spitzfindigkeiten, was eine Produktidee nicht nur zu einer Innovation macht, sondern auch zu einem Patent, braucht man einen Fachmann. Unser Anwalt formte den Patentantrag.

AlumniK: Sie haben noch mehr Patente angemeldet. Welche?

Heinzen: Während meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Kassel habe ich mit Kollegen zusammen zu solarer Kühlung geforscht. In diesem Zusammenhang entstanden weitere Patente, die von UniKasselTransfer angemeldet wurden wie z.B. der Anlagenabsorber. Momentan ist die GINo – die Patentvermarktung der Universität Kassel –, die uns bei der Vermarktung des Patents hilft, dabei, einen Investor für die Produktion zu suchen.

AlumniK: Wie geht eine Patentanmeldung von statten?

Heinzen: Grundsätzlich gehören alle Erfindungen, die von Mitarbeitern geschaffen werden, der Universität. Wenn Mitarbeiter etwas erfinden, dann melden sie dies daher als erstes an das Patentmanagement bei UniKasselTransfer. Die Hochschule hat dann zwei bzw. vier Monate Zeit zu überlegen, ob sie das Patent halten möchte oder an die Erfinder freigeben möchte. Im Fall der modularen Speicher hat die Universität Kassel sich dafür entschieden, das Patent freizugeben. Das war die Voraussetzung dafür, dass wir das Patent selbst anmelden und die Firma FSAVE gründen konnten. Wenn die Universität das Patent behält – wie z.B. im Falle des Anlagenabsorbers oder der solarthermischen Kollektoren an deren Entwicklung ich beteiligt war – dann übernimmt sie die Administration der Patentanmeldung und trägt die Kosten.

AlumniK: Wie kamen Sie auf die Idee ein produzierendes Unternehmen zu gründen statt einfach nur von Lizenzgebühren für das Patent zu profitieren?

Heinzen: Mein Geschäftspartner Claudius Wilhelms und ich haben zusammen studiert und waren schon früh entschlossen, uns selbständig zu machen. Wir wollten unsere Idee wahr werden lassen. Wir glaubten an das Produkt „günstiger, großer modularer Wärmespeicher “. An unserem Fachgebiet war es Allgemeinwissen, dass es an der Uni eine Gründungsberatung gibt. Wir stellten Gabi Hennemuth und Jörg Froharth unsere Gründungsidee vor. In der Folgezeit berieten uns die Mitarbeiter des Inkubators und des Unternehmer Rats. Dann reichten wir eine Skizze für ein EXIST-Gründungstipendium ein und waren damit erfolgreich. Wir hatten Geschäftsräume an der Uni und konnten unser erstes Produkt in den Laboren der Hochschule produzieren. Dies erleichterte den Start ungemein. Es folgte die Teilnahme am Gründerwettbewerb „promotion nordhessen“, bei dem wir 2008 den 1. Preis gewannen. Ursprünglich sahen wir uns als Unternehmen im Hintergrund, das Systemlieferanten für Solarthermieanlagen berät. Die Industrie war jedoch nicht bereit, unsere modularen Speicher und unsere Kollektoren umzusetzen. Jetzt machen wir alles selbst: die Produktion, den Vertrieb und die Weiterentwicklung.


AlumniK: Was braucht man, um ein Unternehmen zu gründen und zu führen?

Heinzen: Begeisterung, Glaube an die Idee und Beharrlichkeit! All die anderen Fähigkeiten, die man später noch benötigt, die folgen irgendwie. Aber die Begeisterung ist Voraussetzung, um den Prozess der Gründung auf sich zu nehmen. Darüber hinaus sind gute Mitstreiter sehr viel wert. Unserem ersten Kunde sind wir dankbar für die Chance, die er uns gab. Es war ein Mitglied des Unternehmer Rats des Inkubators. Er wollte sein Eigenheim modernisieren, dabei sollte ein altes Schwimmbad aus energetischen Gründen abgeschafft werden. Das ehemalige Becken nutzten wir, um darin den Speicher für die Solarthermie zu installieren. Die Abwärme des Speichers wird heute genutzt, um ein darüber liegendes Gewächshaus zu beheizen.

AlumniK: Sie stehen heute immer noch in regem Kontakt mit der Uni. Warum?

Heinzen: Aus den Kundenanfragen ergeben sich immer wieder neue Projekte, die wir häufig gemeinsam mit der Uni in Angriff nehmen. Ein Speicher steht nie für sich allein. Da wir drucklose Speicher verkaufen, die nicht direkt zu traditionellen Heizungssystemen passen, benötigt man auch einen Wärmetauscher, andere Regler als bei normalen Heizsystemen, Pumpen und Hydraulik. Unsere Kunden wünschen sich daher Komplettpakete. Die Montage von drucklosen Anlagen ist etwas schwieriger als bei herkömmlichen Anlagen und daher noch nicht massentauglich. Unser Ziel ist es die Kosten weiter zu reduzieren. Hieraus ergeben sich ständig neue, anwendungsbezogene Forschungsfragen, die wir mit unseren Partnern im Fachbereich Maschinenbau angehen. Darüber hinaus habe ich ein persönliches Netzwerk zu den ehemaligen Kollegen am Fachgebiet aber auch zu früheren Forschungskooperationspartner in der ganzen Welt. Den Erfahrungsaustausch mit ihnen möchte ich nicht missen.

alle Fotos ©FSAVE Solartechnik GmbH

Das Gespräch führte Isabelle Schulze im November 2013.