Claire Pentecost: "Seed & Soil"

Die Künstlerin Claire Pentecost begreift die Verantwortung für "Seed & Soil" - also Saat und Ackerboden - als Gemeingut der Menschheit. Zu sehen ist die Kunst der documenta-Teilnehmerin, die für ihre Projekte mit dem Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften in Witzenhausen zusammenarbeitete, im Kasseler Ottoneum.

Am documenta-Standort Ottoneum präsentiert Pentecost eine Installation aus Barren und Münzen aus Kompost - organische Substanz als echter Wert, "SOIL.ERG" als neue Währungseinheit. Daneben sind auch Zeichnungen von Pionieren zu finden:  WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und PhilosophInnen, die sich um "Seed & Soil" verdient gemacht haben. Ein Schrein zur Vermikompostierung, in dem unermüdliche Kompostwürmer organischen Abfall in fruchtbaren Humus umwandeln, ist ein Nachbau des Richelsdorfers Gebirgsschränkchens, welches von Bergrath Bose für das 1779 eröffnete Museum Fridericianum gefertigt wurde. Der Schrein thematisiert die Bedeutung der Bodenfruchtbarkeit und soll gleichzeitig auf das weltweit dramatisch zunehmende "Land Grabbing", die Aneignung von Landflächen für zweifelhafte Zwecke, hinweisen.

Vor dem Ottoneum sind drei Gemüsesäulen aufgestellt, die als Symbol und Maßnahme für ein intensives, ökologisches und partizipatives Anbausystem am Ort des Verzehrs und als Anklage gegen die Ausbeutung und Verknappung der endlichen Ressource Boden dienen. Die Gemüsesäulen sind eine Adaptation des Projekts "Can YA Love" von Ben Friton, das in einem Slum der kenianischen Hauptstadt Nairobi dazu beiträgt, Menschen mit Gemüse zu versorgen: Die Anbaufläche wird durch den vertikalen Aufbau der Gemüsesäulen vergrößert, kompostierte organische Abfälle dienen als Substrat – so begegnet man dem Problem der kaum verfügbaren und häufig chemisch kontaminierten Böden.

In ihren Projekten arbeitet  Claire Pentecost mit dem Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel zusammen. Über vier Monate bezog die Künstlerin ein Studio in Witzenhausen und wurde von den MitarbeiterInnen der Fachgebiete Ökologischer Land und Pflanzenbau (Prof. Dr. Jürgen Heß, Dipl. Ing. agr. Birge Wolf) und Agrartechnik (Prof. Dr. Hensel) sowie engagierten Studierenden aktiv unterstützt. Diese fruchtbare Zusammenarbeit mündete in einem gemeinsamen Forschungsprojekt, gefördert durch das Bundesprogramm "Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landbewirtschaftung" des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz. Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Verbreitung von Gemüsesäulen als ein Element für urbane Gartenprojekte, aber auch als Zeichen, dass neue Denkansätze zur Lösung der Welternährungsfrage notwendig sind.

Im Projekt wird ein Leitfanden für Bau und Pflege sowie thematische Angebote rund um die Gemüsesäulen entwickelt, der ab Anfang 2013 auf der Homepage www.oekolandbau.de verfügbar sein wird.

Weitere Informationen:

 

Die Gemüsesäulen enthalten Komposte von Pionieren der nachhaltigen Kompostwirtschaft und Boden von der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen.

Die Projektverantwortlichen danken den Betrieben, die Kompost zur Verfügung gestellt und ihr Erfahrungswissen über die Kompostierung geteilt haben:

Biolandhof Braun, Freising
Biolandhof Engemann, Willebadessen
Bundesgütergemeinschaft Kompost, Köln
Gärtnerei Sannmann, Hamburg
Gemeinnützige Landbauforschungsgesellschaft Sottorf, Amelinghausen
Hofgemeinschaft Marienhöhe, Bad Saarow
Humus & Erden Kontor, Neu-Eichenberg
Landwirtschaftsgemeinschaft Dottenfelderhof, Bad Vilbel
Obergrashof, Dachau
Pfänder-Hof, Schwabmünchen
URS Landmanagement, Peuerbach
VERMIGRAND Naturprodukte, Absdorf

Ein Dank gilt auch der Bundesgütegemeinschaft Kompost für die Unterstützung der Transporte der Komposte.

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