02.07.2012 10:59

Wie sieht unsere Zukunft aus? – Prof. Maurer zu Gast an der Uni Kassel

Unter dem Titel „Die Zukunft hat mehr Überraschungen für uns als angenehm sein wird“ sprach Prof. Hermann Maurer (TU Graz) über Veränderungen einer sich rasch entwickelnden Welt. Langfristige Vorhersagen werden für verschiedene Bereiche gebraucht. Werden Menschen weiterhin auf Bürgersteigen gehen oder bewegen sich in Zukunft die Bürgersteige? Ebenso werden für Schulen Vorhersagen getroffen. Problem: Wie sollen Kinder ausgebildet werden, wenn niemand weiß, wie die Zukunft aussieht?

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Maurer führte konkrete Gründe auf, warum Vorhersagen nur schwer eindeutig getroffen werden können. Dazu gehört zum einen das schnelle Anwachsen von Wissen, denn die Halbwertszeit von Wissen sinkt in vielen Bereichen kontinuierlich. Zum anderen ist die Akzeptanz neuer Entwicklungen schwer vorauszusagen, wie zum Beispiel beim Phonographen von Thomas Alva Edison.  Dass zu viele Informationen eher schädlich als nützlich sein können, machte Prof. Maurer an folgendem Experiment deutlich: Gibt man einer Gruppe eine unscharfe Fotografie von einem Gegenstand, erraten dennoch 80 Prozent der Teilnehmer den Gegenstand. Erhält nun eine Vergleichsgruppe das erste Bild sowie eine noch unschärfere Fotografie mit dem gleichen Objekt, so erkennen nur noch 20 Prozent den Gegenstand. „Das liegt an der Eigenschaft des Menschen zu schnell eine These zu bilden, an der er dann festhält“, sagte Maurer. Trotz Gegenargumente weiche man nicht von seiner Meinung ab, weshalb es ebenso schwer falle, eine Voraussage zu treffen.

Ein weiterer Grund dafür ist ebenso: Ein Erhöhen der Quantität, verändert die Qualität eines Phänomens. Vergrößert man dieses, entstehen mehrere. Als Henry Ford die Fließbandtechnik im Automobilbau perfektionierte, prognostizierte zu dieser Zeit niemand, dass diese Entwicklung auch negative Eigenschaften mit sich bringen würde. Zum Beispiel hätte vor rund hundert Jahren niemand an eine Wirtschaftskrise der Automobilindustrie gedacht oder, dass die Sterberate durch Autounfälle steigen wird. „Viele Dinge, die man heute als Wunder sieht, werden in 40 Jahren alltäglich sein“, erklärte Hermann Maurer.  Dazu gehört unter anderem auch die Biotechnologie. Dass diese heutzutage gleichzusetzen ist mit der Gentechnik, traue sich nur niemand auszusprechen, da sie als Gefahr gesehen werde. Dabei ist die Gentechnik auch Retter bei vielen Problemen, wie zum Beispiel in der Medizin, der Beseitigung von Abfallstoffen oder in der Entwicklung neuer Enzyme. Insgesamt wird die Entwicklung noch viel rascher weitergehen als man annimmt. Daher wird es nicht leichter werden zukünftige Prognosen zu erschließen. Der Vortrag fand im Rahmen des Kasseler Informatik-Kolloquiums statt, in dem Forscherinnen und Forscher aktuelle Ergebnisse zu Grundlagen und Anwendungen der Informatik bzw. verwandten Gebieten präsentieren.

Jacqueline Kleinhans