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11.10.2016 13:50

CO2-Emissionen in der Automobilindustrie senken – Forschungsprojekt gestartet

Im deutsch-österreichischen Forschungsprojekt „SolarAutomotive“ sucht ein Forscherteam unter der Leitung der Uni Kassel nach Möglichkeiten, Solarenergie in Form von Prozesswärme in den Herstellungsprozess von Autos zu integrieren. Ziel ist es, den CO2-Verbrauch der Automobilbranche in beiden Ländern erheblich zu senken und den Einsatz fossiler Energieträger zu verringern. Für ihre Studie sucht die Hochschule noch interessierte kleine und mittlere Unternehmen aus der Zulieferbranche, die an einem Konzept zum Einsatz solarer Prozesswärme in ihrem Betrieb interessiert sind.

Ähnliche Solaranlagen könnten künftig viele Dächer von Unternehmen aus der Automobilbranche zieren. Die dadurch gewonnene Energie würde dazu beitragen, die CO2-Emissionen der Unternehmen deutlich zu senken. Foto: Uni Kassel

Während Solarenergie bereits in vielen Privathaushalten eingesetzt wird, um Räume zu heizen oder Wasser zu erwärmen, läuft die Umstellung auf solare Prozesswärme in den meisten Industriezweigen sehr zögerlich. Die Wärme der Solarkollektoren, die auf Dächern oder Freiflächen installiert werden, kann in Betrieben beispielsweise für die Herstellung und Weiterverarbeitung von Produkten genutzt werden – doch weil potentielle Anwender zu wenig da-rüber wissen und die Investitionen zum Teil zunächst hoch sind, nutzen bisher nur wenige Unternehmen diese Technologie. Für die Automobilindustrie möchte ein Forscherteam um den Kasseler Wissenschaftler Dr.-Ing. Bastian Schmitt, Leiter Prozesswärme am Fachgebiet Solar- und Anlagentechnik, das jetzt ändern.

Das Forscherteam untersucht zu diesem Zweck Betriebe entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Automobilherstellung – vom Unternehmen, das einzelne Autoteile wie Sitze oder lackierte Teile fertigt, bis hin zu den Fahrzeugherstellern. Am meisten Wärmeenergie wird beim Lackieren der Karosserieteile verbraucht. So müssen etwa Bäder beheizt werden, in denen Bauteile gereinigt oder grundiert werden. Bei solchen Prozessen setzt das Forscherteam an. Schmitt: „Die Energie, die zum Erwärmen dieser Bäder benötigt wird, könnte künftig durch solare Prozesswärme gewonnen und bereitgestellt werden.“ Für insgesamt zwölf deutsche und acht österreichische Unternehmen ermitteln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen ihrer Studie solche Anwendungsmöglichkeiten und entwickeln Konzepte zur konkreten Umsetzung.

Schmitt erhofft sich von der Automobilbranche eine Signalwirkung: „In Deutschland gehört die Automobilbranche zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen. Deshalb setzen wir hier mit unserem Vorhaben an.“ Viele Ergebnisse ließen sich aber auch in anderen Industriezweige nutzen. „In einer späteren Projektphase übertragen wir unsere Ergebnisse daher auf andere Branchen. Immer mit dem Ziel, die CO2-Emissionen zu senken“, so Schmitt.

Kleinere und mittlere Betriebe gesucht

Aktuell suchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch kleinere und mittlere Unternehmen aus der Automobilindustrie, die am Einsatz von solarer Prozesswärme interessiert sind und an der Studie teilnehmen möchten. Die Teilnahme ist für die Unternehmen kostenfrei. Vor allem Zulieferfirmen sind willkommen. Große Firmen werden nicht mehr gesucht – bei namenhaften Herstellern wie Volkswagen, Opel und MAN laufen bereits die Machbarkeitsstudien.

Von der Universität Kassel sind das Fachgebiet Umweltgerechte Produkte und Prozesse und das Fachgebiet Solar- und Anlagentechnik beteiligt. Auf deutscher Seite kooperieren die Kasseler Forscherinnen und Forscher mit der Stiftung Ressourceneffizienz und Klimaschutz aus Karlsruhe. Die Projektpartner auf österreichischer Seite sind das AEE INTEC, die S.O.L.I.D. Gesellschaft für Solarinstallation und Design mbH, die KPV Solar GmbH und die Paradigma Österreich Energietechnik GmbH & Co. KG. In das Projekt fließt auf deutscher Seite rund eine Million Euro. Rund 750.000 Euro davon trägt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Auf österreichischer Seite fließen rund 0,5 Millionen Euro in das Projekt. Rund 75 % der Gelder stammen aus dem Klima- und Energiefond der österreichischen Forschungsgesellschaft. Das Projekt läuft noch bis April 2019.

Die Universität Kassel ist eine junge, moderne Hochschule mit rund 330 Professorinnen und Professoren und etwa 24.000 Studierenden. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Umwelt-, Klima- und Energieforschung.

Ein Foto erhalten Redaktionen auf Anfrage bei der Pressestelle der Universität Kassel unter presse@uni-kassel.de


Kontakt:
Dr.-Ing. Bastian Schmitt
Universität Kassel
Leiter Prozesswärme
Fachgebiet Solar- und Anlagentechnik
Institut für Thermische Energietechnik
E-Mail: bschmitt@uni-kassel.de
Internet: www.solar.uni-kassel.de