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14.04.2015 12:27

Doktortitel erhöht Einkommen

Promovieren lohnt sich – auch für Nicht-Wissenschaftler. Nach einer Studie des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung INCHER an der Universität Kassel verdienen Männer und Frauen mit Doktortitel eineinhalb Jahre nach ihrer Promotion im Schnitt knapp 40 Prozent mehr als Absolventen mit einem Master als höchstem Abschluss. Deutliche Einkommens-Unterschiede gibt es je nach Fach, in dem der Doktortitel erworben wurde. Nur zwei Prozent der Promovierten sind erwerbslos.

Die Studie widerspricht der verbreiteten Auffassung, Promotionen seien in erster Linie für eine wissenschaftliche Karriere nützlich. Nur 30 Prozent der Befragten arbeiten anderthalb Jahre nach der Promotion an einer Hochschule oder einer außeruniversitären Forschungseinrichtung. 17 Prozent sind in Forschung und Entwicklung außerhalb der Wissenschaft tätig, etwa in F&E-Abteilungen großer Unternehmen. Mehr als die Hälfte, nämlich 52 Prozent, sind in einem Wissenschafts-fernen Bereich tätig. 

In der Regel verdienen Promovierte in der freien Wirtschaft mehr als in der Wissenschaft: Im Schnitt haben sie eineinhalb Jahre nach dem Abschluss ein Einkommen von 4722 Euro (zu 3340 Euro in Hochschulen und Forschungseinrichtungen). Deutliche Unterschiede gibt es auch je nach Fach: So verdienen Sprach- und Kulturwissenschaftler im Schnitt 3841 Euro in der Privatwirtschaft bzw. 2559 Euro an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Maschinenbauer mit Doktortitel hingegen verdienen 5496 Euro in der freien Wirtschaft bzw. 3792 Euro in der Wissenschaft. 

Im Schnitt über alle Beschäftigungsgruppen liegt das Einkommen von Promovierten eineinhalb Jahre nach Abschluss bei 4357 Euro. Bei Akademikerinnen und Akademikern mit einem Master-Abschluss liegt das Einkommen bei 3144 Euro, bei einem Bachelor-Abschluss bei 2632 Euro. 

Breite empirische Basis

„Die Ergebnisse zeigen, dass sich die berufliche Situation der promovierten Absolventinnen und Absolventen im Vergleich zu Absolventinnen und Absolventen ohne Promotion eindeutig besser darstellt“, so Dr. Choni Flöther, Autorin der Studie. „Erwerbslosigkeit ist eine Ausnahme, und prekäre Beschäftigungsverhältnisse kommen – auch im Hochschulsektor – mit Promotion weniger häufig vor als ohne.“

Die Studie stützt sich u.a. auf Daten des Kooperationsprojekts Absolventenstudien (KOAB) des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung/International Centre for Higher Education Research (INCHER) der Universität Kassel und wurde im soeben erschienenen Band „Generation Hochschulabschluss“ veröffentlicht. Im Rahmen von KOAB werden jährlich etwa 70.000 Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen ca. 1,5 Jahre nach ihrem Studienabschluss zum Studium und zum Berufsweg befragt. Zusätzlich wurden für diese Studie 1266 Promovierte befragt. 

Das INCHER ist ein wissenschaftliches Zentrum der Universität Kassel und gehört zu den europaweit führenden Einrichtungen in der Hochschulforschung. Bildungsforschung und Hochschulforschung zählen zu den Forschungsschwerpunkten der nordhessischen Hochschule. 

Choni Flöther, Georg Krücken (Hg.) Generation Hochschulabschluss: Vielfältige Perspektiven auf Studium und Berufseinstieg. Analysen aus der Absolventenforschung. Münster und New York: Waxmann 2015.

Kontakt: 

Choni Flöther
Universität Kassel
International Centre for Higher Education Research (INCHER)
Tel.: 0561 804-2408
E-Mail: c.floether@incher.uni-kassel.de