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23.07.2015 10:26

Handexemplare der Brüder Grimm jetzt online verfügbar

Sie gehören zu den wertvollsten Schätzen aus dem Erbe der berühmten Sprachforscher: die Handexemplare der von den Grimms gesammelten und 1812/15 erstmals und 1819 in zweiter Auflage herausgegebenen Kinder- und Hausmärchen. Nun hat die Universitätsbibliothek Kassel sie in Abstimmung mit der Stadt Kassel – inklusive eines 1822 erschienenen Anmerkungsbandes – mit jeder einzelnen Seite in hoher Qualität digitalisiert.

Aufnahme der Seite 48 des ersten Bandes von 1812. Sie zeigt einen Auszug aus dem Märchen „Von dem bösen Flachsspinnen“ (in späteren Auflagen: „Von den drei Spinnerinnen“). Deutlich zu erkennen sind handschriftliche Ergänzungen. Bild: Uni Kassel.

Die Bände zählen seit 2005 zum Weltdokumentenerbe und werden ab September 2015 zum Herzstück der Ausstellung in der neu eröffneten GRIMMWELT Kassel gehören. Mit zahlreichen Kommentaren und Anmerkungen von Jacob und Wilhelm Grimm versehen, geben die Bände Aufschluss über die Beiträger und die Bearbeitungsstufen der einzelnen Märchenerzählungen und sind für die Forschung deswegen von besonderer Bedeutung. 

Die Universitätsbibliothek hat die mehrere tausend Seiten umfassenden Ausgaben jetzt in hoher Qualität digitalisiert und über ihr Online-Archiv ORKA bereitgestellt. Damit ist es Wissenschaftlern aus der ganzen Welt möglich, die Exemplare für ihre Forschungen zu nutzen, ohne die empfindlichen Originale zu strapazieren. 

„Die Digitalisierung der Handexemplare der Brüder Grimm durch die Universität macht deutlich, dass die Stadt Kassel und das Land Hessen gemeinsam die gegenüber der UNESCO erklärte Verantwortung  - Preservation and Access (Erhaltung und Zugänglichkeit) - übernehmen. Nicht nur die Besucher der neuen GRIMMWELT in Kassel können ab September 2015 die Handexemplare als kostbare Ausstellungsstücke sehen, auch weltweit ist der digitale Zugriff zu Forschungszwecken möglich“, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen. 

Prof. Dr. Claudia Brinker-von der Heyde, Vizepräsidentin der Universität Kassel, sagte: „Die Digitalisierung der Handexemplare macht erneut deutlich, dass sich unsere Universität zu dem zentralen Ort für die Grimm-Forschung entwickelt hat."

Prof. Dr. Holger Ehrhardt, der an der Universität eine Professur zu Werk und Wirkung der Brüder Grimm inne hat, betonte: „Zum ersten Mal sind nun alle fünf Bände der ersten beiden Märchenausgaben so digitalisiert, dass sie allen Anforderungen seitens der Wissenschaft genügen. Von besonderem Interesse ist dabei der Anmerkungsband aus dem Jahr 1822, weil er viele bisher unbekannte handschriftliche Randbemerkungen der Brüder Grimm enthält.“

Die Digitalisierung der Handexemplare der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen ist Teil eines Kooperationsprojekts zwischen Stadt Kassel und Universität Kassel. In einem weiteren Projekt, hier mit dem Hessischen Staatsarchiv in Marburg, hat die Universität bereits zahlreiche Briefe und andere Dokumente der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm online verfügbar gemacht. An der Universität Kassel wurde 2012 die bundesweit erste Professur eingerichtet, die sich ausschließlich Leben und Wirken der Brüder Grimm widmet. Jacob und Wilhelm Grimm verbrachten in Kassel ihre produktivste Zeit.

Screenshot unter 

http://www.uni-kassel.de/uni/fileadmin/datas/uni/presse/anhaenge/2015/Seite_48.jpg
Bildunterschrift: Aufnahme der Seite 48 des ersten Bandes von 1812. Sie zeigt einen Auszug aus dem Märchen „Von dem bösen Flachsspinnen“ (in späteren Auflagen: „Von den drei Spinnerinnen“). Deutlich zu erkennen sind handschriftliche Ergänzungen. Bild: Uni Kassel.

Die 2 Bände im Verlag Realschulbuchhandlung, Berlin, 1812 und 1815 erschienen: http://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/toc/1433243313511/0/

Die 3 Bände im Verlag Reimer, Berlin, in 2. Aufl. 1819 und 1822 erschienen:
http://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/toc/1433243665004/0/

Kontakt:

Dr. Axel Halle
Universitätsbibliothek Kassel
- Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel
Tel.: 0561 804-2117 oder -3726
E-Mail: halle@bibliothek.uni-kassel.de

Prof. Dr. Holger Ehrhardt
Universität Kassel, Fachbereich 02, Germanistik
Tel.: 0561 804-7455
E-Mail: holger.ehrhardt@uni-kassel.de