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16.10.2014 12:41

Kasseler Studie: Nachhaltige Geldanlagen lohnen sich

Wer nachhaltig investiert, braucht auf hohe Renditen nicht zu verzichten. Das ist das Ergebnis einer Kasseler Meta-Studie zur Performance nachhaltiger und konventioneller Fonds von Prof. Dr. Christian Klein, Leiter des Fachgebiets Unternehmensfinanzierung.

Prof. Dr. Christian Klein. Foto: Uni Kassel.

Das herkömmliche Sparbuch lohnt in Sachen Zinsen immer weniger. Deshalb suchen Sparer nach neuen Möglichkeiten, ihr Geld anzulegen. Dabei erfreuen sich nachhaltige, sozial und ökologisch verträgliche Aktien und Fonds immer größerer Beliebtheit. Die sorgen nicht nur für ein gutes Gewissen, sondern oft auch für hohe Renditen. „Die Studie widerlegt das Vorurteil, nachhaltige Fonds brächten weniger Performance oder seien unsicherer als herkömmliche Fonds“, erklärt Prof. Dr. Christian Klein. „Dieses Ammenmärchen stimmt schlichtweg nicht.“

Klein analysierte für seine Meta-Studie 35 empirische Studien, die die Leistungen von nachhaltigen Fonds mit den Ergebnissen konventioneller Fonds vergleichen. Anders als bisherige Meta-Studien legte Klein den Fokus aber nicht allein auf die Rendite, sondern auf das Rendite-Risiko-Verhältnis. „15 Studien machten überhaupt keinen Performanceunterschied aus. Nur sechs Studien stellten eine schlechtere Performance nachhaltiger Fonds fest, aber 14 Studien eine bessere Performance“, so Klein. Nachhaltige Fonds seien etwas weniger riskant als andere, so Klein: „Das kann damit zusammenhängen, dass Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz setzen, beim Konsumenten besonders positiv wahrgenommen werden. Oft sind sie auch zuverlässiger, das heißt, sie handeln weniger riskant.“ Die Studie, die in Zusammenarbeit mit Miriam Hofmann erstellt wurde, erscheint demnächst im Fachmagazin „Business Research“. 

„Es besteht ein Aufklärungsproblem“

Dass nachhaltige Fonds bei den meisten Investoren als Underperformer gelten, erklärt Professor Christian Klein mit fehlender Erfahrung in diesem doch relativ neuen Marksegment: „Gerade für Private Investoren scheinen nachhaltig orientierte Fonds so etwas Ähnliches wie Bio-Eier zu sein: Irgendwie sind sie aus ethischer Sicht besser, irgendwie aber aus finanzieller Sicht auch teurer.“ Diese Vermutung lässt sich auf Basis der Ergebnisse der Studie jedoch nicht bestätigen, eher liegt sogar das Gegenteil vor: „Wichtig ist, dass bei Fonds nicht nur die Rendite, sondern auch das dafür eingegangene Risiko mit berücksichtigt wird. Und wenn man das Rendite-Risiko-Verhältnis betrachtet, sind nachhaltige Fonds genauso gut oder besser als konventionelle Fonds.“ 

Nachhaltige Fonds, so Klein, suchten die Unternehmen, in die investiert wird, nach einer Vielzahl von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien aus. Der Anteil der entsprechenden Anlagen am Markt ist von der absoluten Zahl her gesehen sehr hoch, in Deutschland sind beispielsweise über 12 Mrd. Euro in nachhaltigen Fonds angelegt. In Prozent ist diese Zahl verschwindend gering; weniger als zwei Prozent des in Fonds investierten Geldes steckt in nachhaltigen Fonds. „Wir beobachten jedoch, dass die Nachfrage von Jahr zu Jahr steigt“, so Klein. „Das Problem, das momentan noch besteht, ist ein Aufklärungsproblem. Die Leute denken, wenn sie einen politisch korrekten Fonds kaufen, verschenkten sie ihr Geld, vergleichbar mit einer Spende. Dem ist nicht so.“ 

Kontakt:

Prof. Dr. Christian Klein
Universität Kassel
Fachbereich 07 – Wirtschaftswissenschaften
Fachgebiet Unternehmensfinanzierung
Tel: 0561 804-7565
E-Mail: klein@uni-kassel.de