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07.11.2013 11:42

Science Bridge bietet Molekularbiologie zum Anfassen – Kurse für Kinder, Bürger/innen und Lehrkräfte

Eine Brücke bauen zwischen Wissenschaft, Schule und Öffentlichkeit - das will Science Bridge, ein Kooperationsprojekt der Universitäten in Kassel und Gießen. Mit mobilen Laboren machen die Forscher molekularbiologische Experimente für alle erfahrbar.

Ein Kurs zum Thema Gentechnik und eine Lehrerfortbildung stehen jetzt zur Anmeldung offen. Das Schüler- und Öffentlichkeitslabor, eine Initiative des Fachgebiets Genetik der Universität Kassel, unterstützt seit den 1990er Jahren Schulen mit Laborkursen zur Molekularbiologie. Als Projekt „Science Bridge“ steht die Initiative heute unter der Leitung des Kasseler Professors Dr. Wolfgang Nellen sowie Dr. Jörg Klug (Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Anatomie und Zellbiologie). Gemeinsam mit engagierten Lehramts- und Diplomstudierenden konzipieren sie Schulexperimente, engagieren sich in der Lehrerausbildung und –fortbildung. Mit etwa 70 Kursen im Jahr belebt Science Bridge seitdem den Schulunterricht und bietet darüber hinaus noch eine Reihe weiterer Aktivitäten.

Die öffentlichen Kurse richten sich an Multiplikatoren wie Lehrkräfte, Journalist/innen, Kunstschaffende, Pfarrer/innen sowie interessierte Bürger/innen – von der Rentnerin bis zum Taxifahrer oder der Versicherungskauffrau. „Molekularbiologie ist nicht nur etwas für Spezialisten“, betont Science-Bridge-Leiter Nellen. „Wir benutzen täglich Produkte der Molekularbiologie: vom Waschmittel über die Jeans bis zum Insulin, auf das Diabetiker nicht verzichten können.“ Wie diese Produkte entstehen, können die Wissenschaftler in ihren mobilen Laboren anschaulich demonstrieren.

„Unsere Kurse sollen den Bürgerinnen und Bürgern helfen, wichtige Diskussionen wie beispielsweise die Debatte um Gentechnik besser zu verstehen. Die Medien sind voll mit den Gefahren gentechnisch veränderter Lebensmittel, mit Bioterrorismus und geklonten Menschen und Tieren. Nur wer versteht, worum es geht, kann auch mitreden. Deshalb versuchen wir, ein schwieriges Gebiet verständlich zu machen“, erklärt Nellen. In den öffentlichen Laborkursen führt Science Bridge über anschauliche Experimente an das Thema Gen-Technik heran. Die Teilnehmer/innen stellen selbst gentechnische Produkte her. Sie erfahren, was „Gen-freie Milch“ ist, was sich hinter dem Begriff „beta-Galaktosidase“ verbirgt oder wie ein genetischer Fingerabdruck funktioniert.

Science Bridge ist Teil des naturwissenschaftlichen Netzwerkes „Science for People“, in dem sich die Organisatoren mit naturwissenschaftlichen Bildungsprojekten wie dem Schülerforschungszentrum Nordhessen organisiert haben.

Auswahl aus dem Kursprogramm:

Am 7.12.2013 bietet Science Bridge in Kassel einen öffentlichen Laborkurs zum Thema Gentechnik an. In einem Laborversuch, der allgemeinverständlich erklärt wird, stellen die Teilnehmer/innen ein gentechnisches Produkt her und wenden es an. Neben der praktischen Arbeit im Labor gibt es genügend Zeit für Fragen und Diskussion rund um die Gefahren oder Chancen von Gentechnik. Der Kurs verlangt keine Vorbildung im Bereich Gentechnik oder Molekularbiologie. Die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro (25 Euro für Science Bridge- und VBIO-Mitglieder) und schließt einen Mittagsimbiss und Getränke ein. Interessierte können sich über das Kontaktformular auf der Science Bridge-Website (http://www.sciencebridge.net/kontakt/) anmelden.

Am 23.11.2013 bietet Science Bridge in Kassel eine Lehrerfortbildung an. Interessierte können sich über das Kontaktformular auf der Science Bridge-Website (http://www.sciencebridge.net/kontakt/) anmelden. Die Teilnahmegebühr beträgt 30 Euro (25 Euro für Science Bridge- und VBIO-Mitglieder) und schließt einen Mittagsimbiss und Getränke ein. Es wird gebeten, bei der Anmeldung die Präferenz für einen der beiden folgenden Versuche mitzuteilen:


a) Lebensmittelanalyse:
Mit spezifischen Primern wird über PCR und anschließende Gelelektrophorese bestimmt, ob in einer Fleischprobe Rind, Schwein oder Geflügel enthalten ist. Unterrichtsanbindung: Pferdefleischskandal, religiöse Vorschriften zum Verzicht auf Schweinefleisch.


b) Krebsmedikamente
Das Enzym Aldo-Ketoreduktase (AKR) wird stark in Tumoren exprimiert. Eine Hemmung der AKR kann als Krebstherapie dienen. Das Experiment befasst sich mit der Suche nach Inhibitoren, die in einer Enzymreaktion getestet werden. Eventuell kann die AKR selbst als rekombinantes Protein isoliert werden. Experimentell wird mit Michaelis-Menten-Kinetik und verschiedenen potenziellen Inhibitoren gearbeitet.

In der Fortbildung kann nur eines dieser Experimente durchgeführt werden, dabei werden die Präferenzen der Teilnehmenden berücksichtigt. Deshalb sollte bei der Anmeldung mitgeteilt werden, welches Experiment bevorzugt wird. Eine Kurzbeschreibung der Experimente findet sich unter:

http://www.sciencebridge.net/forum/viewthread/175/

Auch in diesem Jahr engagiert sich Science Bridge weiter im Bereich Jugendbildung und bietet einen Kurs für Besucher/innen eines Jugendzentrums an. Hier geht es nicht so sehr um tiefere Kenntnisse der Molekularbiologie, sondern darum, zu zeigen, dass es interessante Berufe im naturwissenschaftlichen Bereich gibt. Vielleicht lassen sich auf diesem Wege einige Jugendliche für Pipette und Eppendorfgefäß begeistern!

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Nellen
Universität Kassel
FB 10 – Mathematik und Naturwissenschaften
Fachgebiet Genetik
Tel.: 0561/804-4805 oder -4806
E-Mail: nellen@uni-kassel.de