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25.07.2016 12:19

Steve Jobs bleibt die Ausnahme

Auch wenn es Karrieren wie die von Steve Jobs oder Bill Gates suggerieren - Hochschulabbrecher sind nicht die erfolgreicheren Unternehmer. Darauf deuten Ergebnisse einer Untersuchung hin, die ein Kasseler Wirtschaftswissenschaftler mit Kollegen aus Dänemark und Norwegen anhand von dänischen Arbeitsmarktdaten durchgeführt hat.

Prof. Dr. Guido Bünstorf, Foto: Andreas Fischer

In der Untersuchung werden verschiedene Faktoren unterschieden, mit denen sich Einkommensunterschiede in den ersten drei Jahren nach Verlassen der Hochschule erklären lassen. Bei ansonsten gleichen Eigenschaften verdienen Studienabbrecher/-innen rund 17 Prozent weniger als Absolventen/-innen. Hinzu kommt, dass Selbstständige weniger als halb so viel verdienen wie abhängig Beschäftigte. Selbstständige Abbrecher sind demnach doppelt benachteiligt. In der Regel gelingt es ihnen nicht, die Einkommenslücke gegenüber Absolventen durch die Selbstständigkeit zu verringern.

Im Durchschnitt kommt ein Unternehmen, das ein junger Mensch nach seinem Abschluss gegründet hat, im ersten Jahr auf einen Umsatz von 480.000 Dänischen Kronen und 0,32 Angestellte. Unternehmen, die von Abbrechern nach dem Verlassen der Hochschule gegründet werden, sind meistens noch kleiner. Sie kommen im Schnitt auf rund 360.000 Kronen und 0,28 Angestellte.

Die Bereitschaft von Abbrechern, sich selbstständig zu machen, ist hingegen höher als die von Absolventen: So waren unter den Abbrechern, die zwischen 1994 und 2007 an einer dänischen Hochschule eingeschrieben waren, drei Jahre nach Verlassen der Hochschule 2,41 Prozent selbstständig. Unter den Absolventen war die Quote geringer (1,52 Prozent).

„Die Bereitschaft, sich selbstständig zu machen, dürfte freilich bei manchen schlicht aus der Not heraus geboren sein“, so Prof. Dr. Guido Bünstorf, Leiter des Fachgebiets Wirtschaftspolitik, Innovation und Entrepreneurship und Direktoriumsmitglied des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung (INCHER) an der Universität Kassel. „Bei manchen mögen Charakter-Eigenschaften wie Risikobereitschaft oder der Drang nach Autonomie sowohl einen Studienabbruch befördern als auch eine erfolgreiche Selbstständigkeit; auf der anderen Seite könnten Studienabbrüche auch für einen Mangel an Beständigkeit und kognitiven Fähigkeiten sprechen, die einen Erfolg als Unternehmer eher unwahrscheinlich machen.“ Bünstorf weiter: „Insgesamt liefert diese Untersuchung keine Anhaltspunkte für die etwa im Silicon Valley weit verbreitete These, dass Erfolgsgeschichten wie die von Steve Jobs oder Mark Zuckerberg typisch für Studienabbrecher sind.“

Für die Untersuchung nutzten Bünstorf und seine Partner anonymisierte Daten des „Danish Integrated Database for Labor Market Research“, das unter anderem Angaben zu Einkommen, aber auch zum Ausbildungsgrad aller dänischen Arbeitsmarktteilnehmer enthält. Daneben wurden Statistiken von Unternehmensgründungen herangezogen. „Aufgrund der Datenlage eignete sich Dänemark besonders gut für diese Untersuchung“, erläutert Bünstorf. „Wir gehen davon aus, dass die Ergebnisse in der Tendenz auch für andere Industriestaaten zutreffen.“

Beteiligt an der Studie waren neben Bünstorf die Wirtschaftswissenschaftler Kristian Nielsen von der Universität Aalborg (Dänemark) und Bram Timmermans von der Norwegian School of Economics in Bergen.  Die Studie ist soeben im Fachjournal Small Business Economics erschienen.

Buenstorf, Guido/Nilsen, Kristian/Timmermans, Bram: Steve Jobs or no Jobs? Entrepreneurial activity and performance among Danish college dropouts and graduates. In: Small Business Economics, 2016, Vol. 47. DOI: 10.1007/s11187-016-9774-1.

Ein Foto von Prof. Dr. Guido Bünstorf erhalten Redaktionen auf Anfrage.

Kontakt:
Prof. Dr. Guido Bünstorf
Universität Kassel
Institut für Volkswirtschaftslehre
Internationales Zentrum für Hochschulforschung (INCHER-Kassel)
E-Mail: buenstorf@uni-kassel.de