Bachelor-Studiengang Ökologische Landwirtschaft

Allgemeine Studienganginformationen

Studienabschluss

Bachelor of Science

Regelstudienzeit

6 Semester

Sprache

Deutsch

Besonderheiten

Duales Studium mit parallelem Berufsabschluss Landwirt/in möglich.
Studienort: Witzenhausen

integriertes Praktikum

4 Monate Berufspraktikum

Zulassungsvoraussetzung

Allgemeine Hochschulreife, Fachhochschulreife oder berufliche Qualifikation; 
13 Wochen Vorpraktikum

Zulassungsbeschränkung

Nein

Studienbeginn

Wintersemester und Sommersemester

Einschreibfristen

WS: 1. August bis 1. September

SS: 15. Dezember bis 1. März

Was ist ökologische Landwirtschaft?

Gemüse, Getreide, Obst, aber auch Dämmstoffe für den Bau und Energiepflanzen: Landwirtschaft erzeugt Lebensmittel und Bestandteile von Produkten, die auf nachwachsenden Rohstoffen basieren. Dabei verändert Landwirtschaft die Natur und schafft eine vielfältige Kulturlandschaft. Die Art und Weise wie dies geschieht, bestimmt wie gut das Ökosystem diesen Eingriff verkraftet. In der konventionellen Landwirtschaft steht das kurzfristige Streben nach Maximalerträgen im Mittelpunkt und hat zu kostenintensiven, nur schwer zu beseitigenden Folgeschäden geführt: Artenarmut, Verschmutzung von Gewässern und Böden, zunehmende CO2-Emissionen oder einer sinkenden Leistungsfähigkeit des Ökosystems.

Auch die ökologische Landwirtschaft ist ertragsorientiert. Darüber hinaus richtet sie sich aber an Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit, Tierwohl und dem Erhalt biologischer Vielfalt aus. Der Fokus bei der Produktion von Lebensmitteln und anderen Gütern liegt auf ressourcenschonenden Methoden. So wird z.B. die Wahl von Pflanzenarten dem Standort angepasst, die Anzahl der Nutztiere ist von der Größe der Acker- und Weidefläche abhängig. Anbauverfahren basieren auf natürlichen Wirkungskreisläufen, Haltungsbedingungen von Tieren orientieren sich an angeborenem Verhalten. Auf die Stimulierung durch synthetische Pflanzenschutzmittel, Mineraldünger, Wachstumsregler und den Einsatz von Antibiotika zur Leistungssteigerung und vorbeugenden Behandlung bei Tieren wird verzichtet. Gentechnik kommt nicht zum Einsatz.

In ihrer Produktion strebt die ökologische Landwirtschaft die Kreislaufwirtschaft an, in der idealerweise die benötigten Stoffe vom landwirtschaftlichen Betrieb selbst oder regionalen Unternehmen erzeugt werden. Die im Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften vertretenen wissenschaftlichen Disziplinen zeichnen sich durch das Denken in Systemen und fächerübergreifenden Zusammenhängen aus.

Inhalte und Spezialisierung

Der agrarwissenschaftliche Bachelorstudiengang "Ökologische Landwirtschaft" vermittelt umfassendes Grundlagenwissen zur ökologischen Produktion von Nahrungsmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen im europäischen Raum. Dabei vereint das Studium bislang isolierte Fachdisziplinen und gewährleistet auf diese Weise eine interdisziplinäre, praxisnahe Ausbildung. Alle Module zeichnen sich durch ihre ökologische Perspektive aus. Die Lehrinhalte entstammen u.a. den Gebieten Boden- und Pflanzenbau, Nutztierwirtschaft, Agrartechnik sowie Agrarpolitik und -ökonomie.

Theorie- und anwendungsbezogene Module sind aufeinander abgestimmt und ergänzen einander. Wichtiger Baustein des Studiums sind Module zu den Disziplinen Chemie und Biologie. Sie gestatten ein grundlegendes Verständnis der Prozesse in Böden, Pflanzen und Tieren und geben Einblick in Vorbedingungen einer artgerechten und produktiven Tierhaltung.

Die Auseinandersetzung mit Teilgebieten der Physik wie Thermodynamik, Kraft und Mechanik liefert das notwendige Basiswissen in Bezug auf agrartechnische Maschinen und Anlagen. Mathematik, Statistik und Datenverarbeitung bereiten u.a. auf den Umgang mit wirtschaftswissenschaftlichen Themen und das Verarbeiten wissenschaftlicher Daten vor.

Die Möglichkeit, ein individuelles, öko-agrarwissenschaftliches Kompetenzprofil zu erarbeiten, bietet das umfangreiche Wahlpflichtangebot. So können Studierende ihr Wissen in Fächern wie z.B. in Boden- und Pflanzenwissenschaften, Energieerzeugung, spezielle Agrartechnik und Nutztierwissenschaften je nach Interesse vertiefen und Schwerpunkte setzen.

Praxis- und handlungsbezogenes Spezialwissen liefern Module aus den Wirtschafts-, Sozial- und Lebensmittelwissenschaften mit Themen wie z.B. Unternehmensführung, Marketing oder Betriebsumstellung. Einzelne Module thematisieren auch tropische Landwirtschaft und ländliche Entwicklungszusammenarbeit.

Schlüsselkompetenzen, die es Absolventinnen und Absolventen erleichtern, Wissen im Berufsleben effizient anzuwenden und adäquat auf neue Situationen zu reagieren, sind ein weiteres Element des Studiums. So wird u.a. die Entwicklung von Organisations- und Kommunikationskompetenz unterstützt, Sprachkenntnisse und Teamfähigkeit gefördert.

Integriertes Praktikum

Charakteristisch für das Bachelorstudium "Ökologische Landwirtschaft" ist der hohe Praxisanteil in der Lehre. Freilandversuche, Laborpraktika sowie Exkursionen im In- und Ausland bieten kontinuierlich die Möglichkeit, Wissen praktisch anzuwenden und unter realen Bedingungen zu testen.

Anwendungsbezogene Spezialkenntnisse werden in einem verpflichtenden beruflichen Praktikum erworben. Besonderheit dabei: Das Praktikum muss in Unternehmen, Einrichtungen oder Organisationen absolviert werden, die der Landwirtschaft vor- oder nachgelagert sind. Innerhalb von vier Monaten erhalten Studierende so einen Einblick in weitere mögliche Tätigkeitsfelder und können je nach Interesse entsprechende Schwerpunkte im Studium setzen.

Alternativ kann das berufliche Praktikum auch in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Ausland absolviert werden. Auf diese Weise erproben Studierende nicht nur ihr Wissen im Alltag, sondern erweitern gleichzeitig ihre Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenz. Bestandteil des beruflichen Praktikums ist ein Bericht, in dem die erworbenen Kenntnisse mit themenbezogener Fachliteratur vertieft werden.

Kasseler Profil

Ein agrarwissenschaftliches Studium mit vorrangig an ökologischen Wirkungszusammenhängen orientiertem Forschungs- und Lehrkonzept ist einzigartig in der internationalen Hochschullandschaft. Mit dem Bachelorstudiengang "Ökologische Landwirtschaft" bietet die Universität Kassel eine vielseitige, agrarwissenschaftliche Ausbildung in einer zukunftsweisenden Spezialrichtung.

Der Fachbereich "Ökologische Agrarwissenschaften", der seinen Standort in Witzenhausen hat, steht in engem wissenschaftlichen Austausch zu zahlreichen nationalen und internationalen Hochschulen, Instituten und Forschungseinrichtungen und gewährleistet so eine Lehre auf internationalem Niveau. Direktes Resultat dieser Zusammenarbeit sind Module zur internationalen Agrarentwicklung sowie zum Landbau in gemäßigten und tropischen Klimazonen (Masterstudium).

Gewächshäuser, Laboratorien, eine Versuchsanlage für Solar- und Bewässerungstechnik am Studienstandort Witzenhausen sowie ein ökologisch bewirtschafteter Lehr- und Versuchsbetrieb (Staatsdomäne Frankenhausen) mit 320ha Nutzfläche gewährleisten einen optimalen Anwendungsbezug.

Die Vernetzung des Fachbereichs mit Unternehmen und Organisationen im In- und Ausland liefert wertvolle Informationen zu aktuellen Entwicklungen, Problemlagen oder der Wirksamkeit von Methoden. Mit den örtlichen Voraussetzungen, dem Lehrkonzept, seinen vielseitigen Unterstützungsangeboten - insbesondere für ausländische Studierende - sowie der intensiven Betreuung in kleinen Studiengruppen bieten sich ideale Ausbildungsbedingungen.

2009 zeichnete die Unesco den Studiengang als offizielles Projekt der UN-Dekade "Bildung für Nachhaltige Entwicklung" aus.

Zugangsvoraussetzungen

Für das Studium an der Universität Kassel ist die Allgemeine Hochschulreife, Fachhochschulreife, fachgebundene Hochschulreife oder eine berufliche Qualifikation Voraussetzung. Um das Studium im Bachelorstudiengang "Ökologische Landwirtschaft" aufnehmen zu können, ist bei Einschreibung zusätzlich der Nachweis eines mindestens 13wöchigen Praktikums in einem landwirtschaftlichen Ausbildungsbetrieb erforderlich. Studieninteressierten ohne längere Vorerfahrung oder familiärem Bezug zur Landwirtschaft wird nahegelegt, das Vorpraktikum auf ein Jahr auszudehnen. So lassen sich alle jahreszeitlichen Besonderheiten in einem landwirtschaftlichen Betrieb kennenlernen.

Umfangreiche Informationen zum Vorpraktikum, Sonderregelungen und Fördermöglichkeiten finden sich auf den Fachbereichsseiten.

Studienanforderungen

Das vielfältige Themenspektrum des Bachelorstudiengangs "Ökologische Landwirtschaft" erfordert die Bereitschaft, sich neben agrarwissenschaftlichen Inhalten auch mit Aspekten aus den Wirtschafts-, Rechts- und Politikwissenschaften auseinanderzusetzen.

Unverzichtbar für das Verständnis von Prozessen, Wirkungsweisen und Abläufen sind zudem solide naturwissenschaftliche Kenntnisse aus Physik, Biologie und Chemie. Neben Mathematik und Statistik sind diese Fächer wesentlicher Bestandteil des Studiums. Defizite im Schulwissen können in Vorkursen ausgeglichen werden. Studieninteressierte sollten darüber hinaus über ein grundlegendes technisches Verständnis verfügen. Für den wissenschaftlichen Austausch und Auslandsexkursionen sind gute Englischkenntnisse empfehlenswert.

Leistungswille, Mobilität und Ausdauer sind für das Studium ebenso unerlässlich wie körperliche Belastbarkeit und keine Scheu, sich unabhängig vom Wetter im Freien aufzuhalten.

Studienverlauf

Das Studium kann zum Sommer- und Winterhalbjahr aufgenommen werden und ist auf sechs Semester angelegt. Zum Erreichen des akademischen Titels "Bachelor of Science" sind insgesamt 180 Credits aus dem Pflicht- und Wahlpflichtmodulangebot zu erbringen. Ein Credit ist das international anerkannte Maß für den studentischen Arbeitsaufwand und entspricht 30 Stunden.

Im Mittelpunkt der Grundstudienphase steht eine vielseitige, intensive Ausbildung in landwirtschaftlichen Grundlagenfächern. Studierende erwerben innerhalb der ersten zwei Semester essenzielle Kenntnisse in Biochemie, Allgemeiner und Anorganischer Chemie sowie Agrikulturchemie, in Bodenkunde, Nutztier-, Pflanzen- und Bodenbiologie. Auf den vermittelten Lehrinhalten bauen im dritten und vierten Semester vertiefende Module und Übungen zu Nutzieren und Agrarpflanzen  auf. Begleitende Schlüsselkompetenz-Module vermitteln Studierenden berufsbezogene Fähigkeiten zu Präsentationtechniken, Datenverarbeitung und Zeit- und Projektmanagement.

Ausdruck der interdisziplinären Ausrichtung des Studiengangs ist das Modul "Aktuelle Themen aus Wissenschaft und Praxis". Es führt Studierende in anwendungs- oder forschungsorientierte Fragen der Ökologischen Landwirtschaft ein sowie in andere Fachkulturen und -disziplinen. Zusätzlich eröffnet dieses Modul durch Exkursionen eine praxisnahe Anschauung und Gelegenheit interkulturelle und Sprachkompetenzen auszubauen. Fachwissen zu Agrartechnik, ökologischen Landbausystemen, Tiergesundheit, -ernährung und -zucht sowie Agrarsoziologie und -politik, Betriebswirtschaft- und Agrarmarktlehre komplettiert die facettenreiche Grundlagenausbildung.

Ein individuelles Kompetenzprofil können sich Studierende in der Hauptstudienphase durch das vielseitige Wahlpflichtangebot erarbeiten. Innerhalb der vier Themenkomplexe - "Boden- und Pflanzenbauwissen-schaften", "Nutztierwissenschaften", "Wirtschafts-, Sozial- und Lebensmittelwissenschaften" sowie "Methoden" - lassen sich die Module je nach Interesse miteinander kombinieren und Schwerpunkte setzen.

Berufliche Praxis und der Studienabschluss stehen im Zentrum des sechsten Semesters. Das Praktikum gestattet konkreten Einblick in mögliche Tätigkeitsfelder und bietet die Chance, berufsrelevante Spezialkenntnisse zu erwerben. Für die Bachelorarbeit wählen Studierende eigenständig ein agrarwissenschaftliches Thema, erläutern theoretische Grundlagen und Ansätze und ziehen Schlussfolgerungen. Das Ergebnis wird im darauffolgenden Kolloquium präsentiert und diskutiert.

Mit dem erfolgreichen Bestehen aller Modulprüfungen, der Bachelorarbeit und des Kolloquiums wird der akademische Titel "Bachelor of Science" verliehen. Absolventinnen und Absolventen können anschließend direkt in die berufliche Praxis starten oder ein weiterführendes Masterstudium aufnehmen. Ein exemplarischer Studienplan, der die Verteilung der Module im Studium zeigt, befindet sich im Modulhandbuch. Es ist Bestandteil der Prüfungsordnung und beschreibt ausführlich Inhalte und Lernziele aller Module.

Hochschulwechsel und Quereinstieg

Sie sind oder waren Studierende/ Studierender einer anderen Hochschule und möchten Ihr Studium an der Universität Kassel fortsetzen oder hierhin in einen anderen Studiengang wechseln?

Sie sind bereits in der Universität Kassel immatrikuliert und streben den Wechsel Ihres Studiengangs an? Wichtige Informationen für einen möglichst reibungslosen Einstieg finden Sie hier.

Berufsfelder

Die zunehmende Zahl von Betrieben, die nach ökologischen Standards produzieren, ein weltweit steigender Anteil an ökologisch bewirtschafteten Flächen und ein seit Jahren kontinuierlich wachsender Marktanteil ökologisch erzeugter Lebensmittel und Produkte belegen den Wandel im Verbraucherverhalten. Die ökologische Landwirtschaft, inklusive der vor- und nachgelagerten Unternehmen, ist zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftszweig geworden.

Vor diesem Hintergrund eröffnen sich Absolventinnen und Absolventen weltweit zahlreiche Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Landwirtschaftliche Betriebe, Forschungseinrichtungen oder Universitäten, Verbände, Politik, Umweltorganisationen, Kosmetikindustrie und Nahrungsmittelwirtschaft, Behörden oder die Entwicklungszusammen-arbeit bieten breitgefächerte Tätigkeitsfelder. Dabei übernehmen Absolventinnen und Absolventen Leitungsaufgaben, beraten oder unterstützen Produktentwicklung und Marketing, beteiligen sich an der Züchtung von Pflanzen und Tieren, tragen zur Zertifizierung von Betrieben oder der Entwicklung von Maschinen bei. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Bachelorstudiums sind Absolventinnen und Absolventen optimal vorbereitet auf ein anschließendes Masterstudium.

Standort des Fachbereichs

Universität Kassel Fachbereich 11
Ökologische Agrarwissenschaften
Steinstr. 19

D-37213 Witzenhausen

Tel: +49 5542 98-1211
Fax: +49 5542 98-1309
Mail: dekfb11@uni-kassel.de

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