KLIMWALD: Hintergrund

Das Vorhaben wurde bereits im Rahmen des Projektes KLIMZUG-Nordhessen konzipiert. Die konkrete Beantragung erfolgte im Sommer 2013, die Bewilligung im Oktober 2014.

Ausmaß, Richtung und Geschwindigkeit des Klimawandels drohen die Anpassungsfähigkeit des Ökosystems Wald an sich verändernde Umweltbedingungen zu überfordern und damit die für die Gesellschaft wesentlichen Funktionen der Wälder zu beeinträchtigen. Die in diesem Zusammenhang aus forstwissenschaftlichen Untersuchungen abgeleiteten Empfehlungen für die forstliche Praxis sind in der forstlichen Fachwelt von breitem Konsens getragen. Sie schätzen die Anbaurisiken der relevanten Baumarten ein und zielen auf den Umbau einschichtiger, einförmiger Waldgefüge in vielschichtige und gemischte Dauerwald-Strukturen. Darüber hinaus sind eine größere Vielfalt an Baumarten und Strukturelementen und die Einmischung klimarobuster Arten wichtige Orientierungen für die Entwicklung robuster, klimaangepasster Waldbestände.

Die durch den Klimawandel bedingten Veränderungen im Ökosystem Wald provozieren neue und verstärken bestehende gesellschaftliche Konfliktfelder. Dazu gehören die unterschiedlichen Interessen von Waldeigentümern, Naturschutz, Jägerschaft, Erholungsnutzern usw. bis hin zum allgemeinen gesellschaftlichen Interesse am Erhalt der identitätsstiftenden „heimatlichen“ Landschaft.  

Ausgehend von Praxiserfahrungen in Nordhessen und darüber hinaus lassen sich folgende Herausforderungen bei der Umsetzung von Maßnahmen zum klimaangepassten Wald ableiten, die Anlass und Ausgangspunkt des Projektes KLIMWALD sind:

  1. Die Aussagen der forstwissenschaftlichen Klimaanpassungsforschung zu langfristigen Veränderungen von Temperatur und Niederschlag sind – unter Berücksichtigung der kontinuierlichen Entwicklung der Datengrundlagen und der Wissensbestände – als zunehmend verlässlich einzustufen. Dies gilt allerdings nicht für das veränderte Auftreten und das Ausmaß von Extremereignissen, insbesondere von Trockenperioden. Gerade diese Extremereignisse werden von den Forstpraktikern bereits heute als zentrale Gefährdung ihrer Waldbestände wahrgenommen. Entsprechend stellen sich Fragen nach der Art, vor allem aber nach dem erforderlichen Ausmaß und der Intensität von Anpassungsmaßnahmen in den Beständen vor Ort. Der bisher erprobte Umgang von Forstpraktikern mit langfristigen Planungshorizonten und Planungsgrundlagen, die kurzfristig wirksame kritische Prozesse nicht abbilden können, ist hinsichtlich der Folgen des Klimawandels zu definieren.

  2. Im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zum Erhalt der vielfältigen Waldfunktionen wird die Art der Bewirtschaftung von privaten und kommunalen Wäldern maßgeblich durch die Zielvorgaben der Waldbesitzer definiert. Die Voraussetzung für Maßnahmen eines klimaangepassten Waldumbaus ist daher, dass seitens der Waldbesitzer dem Ziel der langfristigen Zukunftssicherung der Bestände gegenüber anderen Zielen Vorrang gegeben wird.

  3. Bei bereits begonnenen Vorhaben zur Diversifizierung der Wälder unter Gesichtspunkten der Klimaanpassung wird der Wald-Wild-Konflikt als zentrales Hindernis deutlich. Da Wildbestände einen erheblichen Einfluss auf die Qualität der nachkommenden Waldgenerationen haben, sind angepasste Wildtiermanagementstrategien eine unabdingbare Voraussetzung für – im Sinne der Klimaanpassung und der Nationalen Biodiversitätsstrategie – reagible Waldökosysteme. Ohne zielorientiertes und wirkungsvolles Wildtiermanagement müssen die waldbaulichen Anpassungsstrategien chancenlos bleiben.

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