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"documentationvomunsichtbaren"
"vomunsichtbaren" ist eine Initiative, in der Mitglieder des Bundesverbandes Blinder Künstlerinnen und Künstler (BBK) Darmstadt zusammen mit Partnern mit Sehbeeinträchtigung aus den Reihen des Blindenhilfswerks Hessen gearbeitet haben. Die Beiträge zur Ausstellung "documentationvomunsichtbaren" sind so individuell wie die neun Projektgruppen selbst. Diese setzten sich in der Regel aus einer Künstlerin oder einem Künstler und einer Projektpartnerin oder einem Projektpartner mit Sehbeeinträchtigung zusammen. Die Arbeitsweisen reichen von Malerei, Zeichnung und Fotografie über Film, Plastik sowie Installation bis hin zu Sound und Text.
Bei allen Unterschieden gibt es bei den Arbeiten ein verbindendes Thema: die Auseinandersetzung mit dem Unsichtbaren, mit dem nicht ausschließlich Visuellen. Die Konzentration der bildenden Kunst liegt gemeinhin in der Sinneswahrnehmung des Sehens, also den Augen. Werke, die alle Sinne ansprechen oder gar ganz auf das Visuelle verzichten könnten, sind eher selten. Das Ziel des Projektes war die Schnittstelle zwischen dem sehenden und sehbeeinträchtigten Alltag zu thematisieren und jene Impulse zu verarbeiten, die der Austausch zwischen den beiden Welten provoziert. Dabei wurden nicht nur die Grenzen zwischen sichtbar und unsichtbar aufgehoben, sondern auch eine Annäherung zwischen Nicht-Künstler und Künstler erreicht.
Seit über einem Jahr trafen sich die Projektgruppen in Workshops und erkundigten gemeinsam das Erfahrungsfeld des Unsichtbaren. Sie besuchten zusammen das Dialogmuseum in Frankfurt, frühstückten im Dunkeln mit verbundenen Augen und veranstalteten eine Baumpflanzaktion im Ober-Ramstädter Forst. Aus den gemeinsamen Erlebnissen entwickelte jede Gruppe individuelle künstlerische Ideen mit dem klaren Anspruch der Inklusion. Ästhetische Entscheidungen seitens der sehenden Künstler hatten zwar Priorität, dennoch dominieren sie nicht das Geschehen, im Gegenteil.
Im künstlerischen Dialog erschlossen sich Künstlerinnen und Künstler die Welt ihrer blinden oder sehbeeinträchtigten Projektpartnerinnen und -partner und lernten neue Perspektiven, Rezeptionsweisen und technische Hilfsmittel kennen, vom "Pickelbock", einer Punktschrift-Schreibmaschine über Farblesegeräte bis hin zu sprechenden Haushaltsgeräten und Computern mit Spracherkennung. Auf gemeinsamen Reisen zeigten Blinde ihren sehenden Partnern, wie intensiv sich Landschaft auch durch Geräusche, Gerüche und nicht zuletzt durch Sprache erschließen kann. Andersherum erfuhren die blinden Projektteilnehmer künstlerische Prozesse und Kunst in einer bisher meist nicht gekannten Tiefe und Vielfalt.
Folgende Präsentationen erwarten die Besucherinnen und Besucher: "Kunst haptisch erschließen" (Katrin Beger-Merla/Frank Schäfer), "Schrifttafeln/Begriffliches" (Gisa Hillesheimer/Dana Lienert), "Die Maßnehmerei" (Juliana Jaeger/Wolfgang Lohnes), "Lachende Befreiung" mit Brigitte Kottwitz/Hanna Hagenauer, "Holz lebt – und tanzt" (Traudi Schulte/Anna Courtpozanis), "Ich kann nicht ohne dich, Du kannst nicht ohne mich" (Ulrike Rothamel/Anna Courtpozanis), "Ich sehe was, was Du nicht siehst" (Roland Zehetmaier/Renate/Ludwig Pawlowsky), "Blind Echo" (Martina Schoder/Brigitte Buchsein) sowie "Texte und Bildspuren" (Gundula Schneidewind/Eva Leitschuh/Stephan Wilhelm).
"vomunsichtbaren" ist ein gemeinsames Projekt des Blindenhilfswerks in Hessen (BSBH) und des Bundesverbands Bildender KünstlerInnen (BBK), Regionalverband Darmstadt. Die Ausstellung in Kassel ist gleichzeitig eine Ouvertüre zur großen Gesamtschau, die vom 28. September bis 12. Oktober in der Kommunalen Galerie der Stadt Darmstadt gezeigt wird. Im März 2013 folgt ein Gastspiel in den Räumen des Kunstvereins Eulengasse in Frankfurt.
AUSSTELLUNG "DOCUMENTATIONVOMUNSICHTBAREN"
Datum: 23.-28. Juli 2012
Öffnungszeiten: Di. – Sa. 12:00-17:00 Uhr
Ort: Kunsthochschule Kassel, Gebäudeteil Südbau, Nr. 0100S
Menzelstraße 13 – 15
34121 Kassel
Der Eintritt ist frei.


