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23.08.2012 10:18

Nur geringes Interesse an Elektrofahrzeugen unter deutschen Autofahrern

Trotz dauerhaft hoher Benzinpreise haben deutsche Autofahrer nur eine geringe Bereitschaft, sich ein Elektromobil zuzulegen. Mit ihrem nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität hat die Bundesregierung das Ziel proklamiert, Deutschland in den nächsten Jahren zum Leitmarkt für Elektromobilität zu entwickeln.

Eine Million Elektrofahrzeuge sollen 2020 auf Deutschlands Straßen rollen. Zehn Jahre später sollen es bereits fünf Millionen sein. Doch trotz der intensiven öffentlichen Debatte über das Thema Elektromobilität stößt der Kauf von Elektrofahrzeugen auf große Vorbehalte. Zu diesem Ergebnis kommt der Kasseler Wirtschaftsforscher Prof. Dr. Andreas Ziegler in einer Studie, die kürzlich in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Transportation Research A“ veröffentlicht wurde.

Für die Studie befragt wurden 598 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger, die sich zum Zeitpunkt der Erhebung mit dem Gedanken trugen, ein Auto zu kaufen. Durchgeführt wurde dabei eine experimentelle Befragung. „Da Fahrzeuge mit Elektro- und Wasserstoffantrieb bisher kaum oder gar nicht angeboten werden, ist eine Analyse des geplanten Kaufs für die untersuchte Fragestellung nicht möglich. Deshalb wurden die Testpersonen gebeten, zwischen sieben hypothetischen Autos zu wählen“, erklärt Prof. Ziegler. Diese unterschieden sich insbesondere durch Antriebsart und Energieträger, aber auch durch weitere Fahrzeugattribute wie Kaufpreis, Motorleistung, Treibstoffkosten, CO2-Emmissionen und Tankstellennetzdichte.

Ein wenig überraschendes und bereits bekanntes Ergebnis der statistisch-ökonometrischen Analyse war, dass Kaufpreis und Treibstoffkosten einen negativen Einfluss und die Tankstellennetzdichte einen positiven Einfluss auf den Kauf eines Autos haben. „Gerade im Hinblick auf die derzeit geringe Tankstellennetzdichte und hohen Batteriekosten bei Elektrofahrzeugen wären hier zur Förderung der Elektromobilität entsprechende staatliche Maßnahmen hilfreich“, erklärt Ziegler.

Eine wesentliche neue Erkenntnis der Untersuchung war aber, dass die Neigung zum Kauf von Elektroautos, aber auch von anderen alternativen Antriebsarten wie z.B. Wasserstoff- und Hybridfahrzeugen im Vergleich zu herkömmlichen Benzin- und Dieselfahrzeugen generell gering ist. Beachtenswert bei diesem Ergebnis ist, dass für alle weiteren Fahrzeugattribute kontrolliert wurde, dass sich die hypothetischen Autos also nur hinsichtlich Antriebsart und Energieträger unterschieden, ansonsten aber z.B. bei Kaufpreis, Treibstoffkosten oder Tankstellennetzdichte völlig identisch waren.

Die Studie ergab auch, dass bei jüngeren Fahrern die Präferenz für Autos mit Wasserstoff-, Elektro-, Biokraftstoff- oder Gasantrieb höher ist als bei älteren Fahrern. Generell umweltbewusste Personen haben zudem eine höhere Präferenz für Wasserstoff-, Hybrid- und Bio-kraftstofffahrzeuge. Im Hinblick auf die ehrgeizigen Ziele beim Ausbau der Elektromobilität innerhalb kurzer Zeit könnten deshalb diese Personengruppen Ziel von entsprechenden Informations- und Werbemaßnahmen sein. „Aufgrund des positiven Einflusses von Umweltbewusstsein wären hier z.B. staatliche Kooperationen mit Umweltverbänden oder Anbietern von umweltfreundlichen Produkten wie z.B. Bio-Märkten oder Anbietern von Öko-Strom denkbar“, schlägt Ziegler vor.

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Info  
Prof. Dr. Andreas Ziegler
Universität Kassel
FB 07 - Wirtschaftswissenschaften
Fachgebiet Empirische Wirtschaftsforschung
Tel.: 0561/804-3038
E-Mail: andreas.ziegler@uni-kassel.de