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30.11.2017 11:03

EANLA wird erwachsen

Was als einfacher Erfahrungsaustausch zwischen internationalen Projektpartnern der Universität Kassel zu Problemen der gemeinsamen Drittmittelverwaltung begann, entwickelte sich binnen kurzer Zeit zu einer Kooperation von inzwischen fast 40 Hochschulen. Auf ihrer vierten Jahreskonferenz gab sich das ‚East African Network of Learning of Administrators‘ (EANLA) jetzt eine eigenständige Organisationsstruktur. Das ICDD an der Universität Kassel ist Mitbegründer von EANLA.

Zusätzliche Gelder von öffentlichen und privaten Einrichtungen, die der Hochschullehre und -forschung zu Gute kommen sollen, werden nicht nur in Deutschland und Europa immer wichtiger. Auf der Jahreskonferenz des EANLA-Netzwerks vom 13. bis 15. November in Kigali (Ruanda) unterstrich der  kenianische Botschafter John Mwangemi in seiner Eröffnungsrede einmal mehr, dass die Einwerbung und professionelle Verwaltung solcher Drittmittel gerade auch für Afrikas Universitäten große Bedeutung gewinnen. Einerseits stehen die afrikanischen Hochschulen vor der enormen Herausforderung, die universitären Ausbildungsmöglichkeiten vor allem mit Blick auf die momentan Unter-18-Jährigen weiterzuentwickeln, die immerhin mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung stellen. Bei dieser Aufgabe, deren Bewältigung letztlich über die Zukunft des Kontinents mitentscheidet, können drittmittelbasierte Förderprogramme eine wichtige Stütze sein. Andererseits erlebt die afrikanische Hochschullandschaft derzeit eine ungeheure Dynamik. Hiervon zeugt nicht nur die Vielzahl privater und öffentlicher Universitätsneugründungen. Auch die Förderprogramme insbesondere von nicht-afrikanischen Einrichtungen wie der US-amerikanische Entwicklungshilfeagentur USAid oder dem Deutschen Akademische Austauschdienst (DAAD) werden vielfältiger und komplexer – aber dabei auch anspruchsvoller für diejenigen, die sie an den Hochschulen verwalten sollen.

„Wir stellen einen wachsenden Bedarf an Fortbildungs- und Austauschmöglichkeiten zum Management von Drittmittelprojekten fest, vor allem solcher, die von internationalen Gebern finanziert werden“, erklärt die EANLA-Mitbegründerin Birgit Felmeden. Sie kennt diese Situation aus eigener Erfahrung. Als Geschäftsführerin des DAAD-finanzierten International Center for Development and Decent Work (ICDD) an der Universität Kassel begleitet sie die Kooperation von gleich acht Universitäten aus vier Kontinenten, wobei drei davon in Afrika angesiedelt sind. „Insbesondere die gemeinsame Verwaltung der ICDD-Mittel war angesichts ganz unterschiedlicher Verwaltungsabläufe an unseren Partnereinrichtungen anfangs eine große Herausforderung“, bestätigt auch Antje Bracht, Finanzadministratorin des ICDD „Aber durch die gezielte Zusammenarbeit mit den Finanzadministratoren an den verschiedenen ICDD-Standorten, ihre problemorientierte Schulung sowie die gegenseitige Bereitschaft, voneinander zu lernen, konnten wir mit der Zeit anfängliche Probleme abstellen.“

Diesen innovativen Ansatz griff das ICDD an der Universität Kassel mit dem kenianischen ICDD-Partner, der Egerton University, auf und entwickelte ihn 2013 zu einem erfolgreichen Projektantrag im Rahmen des DIES-Programm des DAAD, durch den nun auch andere ostafrikanische Universitäten von ihm profitieren. Seitdem bietet das EANLA Trainingsmodule für Verwaltungsangestellte und Wissenschaftler in Drittmittelprojekten an, analysiert und systematisiert Managementabläufe, teilt Best-Practice-Beispiele und organisiert regelmäßige Fortbildungskonferenzen wie die jüngst zu Ende gegangene in Kigali. Diese und weitere Maßnahmen zielen darauf ab, die Administration von Drittmittelprojekten an afrikanischen Universitäten effektiver und effizienter zu gestalten und gleichzeitig die Zusammenarbeit von Finanzadministratoren sowohl innerhalb eines Landes als auch grenzüberschreitend zu stärken.

In der Kooperation bestätigt sich, dass eine komplexer werdende Drittmittelakquise und -bewirtschaftung die offene und ehrliche Kommunikation zwischen den beteiligten Verwaltungsangestellten und Wissenschaftlern erfordert, ja voraussetzt. Diese wird jedoch oft durch Statusgefälle zwischen beiden Gruppen und hierarchische Verwaltungsstrukturen an vielen Universitäten behindert.  Im EANLA versuchen die Netzwerkpartner, auch dieses Problem nicht unangetastet zu lassen. So war auf der jüngsten Ruanda-Konferenz die Beteiligung beider Gruppen ausgeglichen, und ihre gemeinsamen Diskussionen führten sie auf Augenhöhe.

Das EANLA-Konzept scheint aufzugehen. In nur vier Jahren wuchs die anfängliche Kooperation zwischen den Universitäten Kassel und Egerton auf mittlerweile 37 teilnehmende Hochschulen. Weitere Mitglieder sind erwünscht und  wahrscheinlich. Mit der Ausrichtung der letzten Netzwerktagung in Ruanda wurde neben den bisherigen vertretenen Ländern Deutschland, Kenia, Tansania und Uganda ein weiteres Partnerland hinzugewonnen. Zudem konnten die Organisatoren dort erste Kontakte zu Universitäten in Burundi knüpfen.

Das jüngste EANLA-Treffen markiert auch aus anderen Gründen einen wesentlichen Entwicklungsschritt des Kooperationsprojekts. Birgit Felmeden berichtet nicht ganz ohne Stolz: „EANLA-Partner informierten auf der letzten Konferenz erstmals darüber, dass ihnen vor allem die im Netzwerk erworbenen Kompetenzen eine erfolgreiche eigene Drittmitteleinwerbungen ermöglichten. Auch beschlossen die Partnerorganisationen in Kigali, EANLA eine eigene selbsttragende Verwaltungsstruktur zu geben, die sie von der bisherigen Organisation des Netzwerks durch die beiden ursprünglichen Projektträger, Universität Kassel und Egerton University, unabhängig macht.“ Künftig wird EANLA auf sogenannten ‚Country Chapters‘ basieren und durch ein grenzüberschreitendes ‚Governance‘-Gremium koordiniert. Es scheint, das Netzwerk ist damit seinen Kinderschuhen endgültig entwachsen.  Ein lebendiges Beispiel hierfür ist ein Workshop an der Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology (JKUAT) in Nairobi zum Thema „Quality Research Proposal Writing“, der im Rahmen des EANLA Projektes in der vergangenen Woche stattfand.

Mehr Informationen: http://www.jkuat.ac.ke/workshop-quality-proposal-writing-staged-jkuat/

Kontakt:
Birgit Felmeden
Universität Kassel
International Center for Development and Decent Work (ICDD)
EANLA-Koordinatorin
Tel.: +49 561 804-7931
E-Mail: felmeden@icdd.uni-kassel.de

Prof. Dr. i.R. Gerd-Michael Hellstern
Universität Kassel
Fachbereich 07 - Institut für Betriebswirtschaftslehre
Wissenschaftlicher Berater des EANLA
E-Mail: hellstern@wirtschaft.uni-kassel.de