Meldung

10.03.2017 13:39

Elektronisches Ticketing im ÖPNV: Uni Kassel beteiligt sich an Forschungsprojekt zu flexiblen Tarifen

Der Nordhessische Verkehrsverbund NVV und die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft KVG wollen zukünftig den Kauf von Tickets für Bus und Bahn mit dem Smartphone attraktiver machen. Das Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Universität Kassel unterstützt dieses Vorhaben durch die Mitarbeit an der Entwicklung neuer Tarifmodelle und die wissenschaftliche Konzeption, Begleitung und Auswertung eines Pilotversuchs.

Um entsprechende Tarifangebote für das NVV-Handyticket zu entwickeln, beteiligt sich die Universität Kassel gemeinsam mit NVV, KVG, der WVI GmbH in Braunschweig und der KreisVerkehr Schwäbisch Hall GmbH an einem Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen der Initiative eTicketing und digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr.

Im Rahmen des Projektes sollen neue Tarifmodelle für das NVV-Handyticket und ein eTicket-System im Landkreis Schwäbisch Hall entwickelt und in einer Pilotphase praktisch getestet werden. Die neuen Tarifmodelle sollen insbesondere für Gelegenheitskunden geeignet sein, für die sich eine Zeitkarte preislich nicht lohnt. Insbesondere durch den relativ neuen flexiblen Vertriebsweg des Smartphones werden hierfür große Potentiale gesehen.

Ziel des Projektes ist es, die bisherigen Gelegenheitskunden mit verschiedenen Anreizsystemen zu bewegen, Zug, Tram und Bus öfter zu nutzen und dafür ein elektronisches Ticket zu kaufen, das schnell und einfach zu erhalten ist. Die neuen flexiblen Tarife sollen dabei den Preis unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte individuell ermitteln können. Dabei sind zum Beispiel Rabattsysteme für Mengen oder Umsatz, den Zeitpunkt der Fahrt oder die Möglichkeit, ein Guthaben über bereits gekaufte Tickets auf-zubauen, denkbar.

Kunden, die nicht regelmäßig und häufig fahren, können oft nicht einschätzen, welche Fahrkarte (Zeitkarte oder Einzelticket) für sie preislich am sinnvollsten ist. Auch hier soll das Projekt Erkenntnisse liefern, welche Tarife mit elektronischen Tickets für jene Fahrgäste besser geeignet wären.

Voraussichtlich ab Herbst können Kunden des öffentlichen Nahverkehrs in Nordhessen dann neue elektronische Tarife nutzen, wenn sie dafür an einem Pilotprojekt teilnehmen und die Angebote testen. Die Testkunden werden im Sommer ausgewählt.

Aus den im Projekt gewonnenen Erfahrungen werden Empfehlungen abgegeben, die die Umsetzung flexibler Tarifmodelle in anderen Verkehrsverbünden und die Entwicklung weiterer Tarifmodelle unterstützen sollen.
Das Projekt wird gefördert vom BMVI im Rahmen der Initiative eTicketing und digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr. Die Fördersumme beträgt rund 800.000 Euro. Das NVV-Handyticket wurde 2016 ca. 100.000 verkauft (rund 420.000 Euro Umsatz).