Meldung

14.07.2017 14:55

Hessische Universitäten erwarten dauerhaft hohe Nachfrage nach ihrem Studien- und Lehrangebot

Die Konferenz Hessischer Universitätspräsidien (KHU) fordert ein Bund-Länder-Programm zur langfristigen Sicherung der Hochschullehre. Die Universitäten bieten deutlich mehr Studienplätze im Lehramt an.

Die hessischen Universitäten erwarten auf absehbare Zeit eine dauerhaft hohe Nachfrage nach ihrem hochwertigen Studien- und Lehrangebot. Nach den aktuellen Prognosen der Kultusministerkonferenz bleibt die Zahl langfristig auf dem Niveau der vergangenen Jahre, was die Universitäten angesichts der auslaufenden Finanzierung des Bund-Länder-Programms Hochschulpakt 2020 (HSP2020) mit Sorge sehen: „Schon jetzt herrscht an den Hochschulen große Unsicherheit darüber, wie die hohe Qualität von Studium und Lehre für alle Studierenden nach 2020 sichergestellt werden soll“, betonte Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und Sprecher der KHU.

Die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger in Deutschland ist von 360.000 im Jahr 2005 auf über 500.000 jährlich gewachsen. Bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein rechnet die KMK mit einem dauerhaften Hoch von mindestens 460.000 Erstsemestern. „Die deutschen Hochschulen haben in den vergangenen zehn Jahren einen enormen Aufwuchs gemeistert und dabei in einem immer härter werdenden Wettbewerb die Qualität von Studium und Lehre erhalten und sogar gesteigert“, betonte der KHU-Sprecher. Dies werde aber ohne ein auf Dauer angelegtes und ausreichend finanziertes Bund-Länder-Programm im Anschluss an HSP2020 nicht mehr zu leisten sein. In diesem Sinne erteilen die hessischen Universitäten den Gedankenspielen um die Einrichtung einer Deutschen Lehrgemeinschaft (DLG) als einer eigenständigen Organisation zur Förderung der Hochschullehre eine klare Absage: „Wir benötigen statt weiterer befristeter Mittel und einer neuen Agentur eine dauerhaft auskömmliche Grundfinanzierung“, stellte Prof. Mukherjee klar.

Universitäten begegnen steigenden Schülerzahlen mit deutlicher Ausweitung der Studienplätze im Lehramt

Angesichts neuester Berechnungen der Bertelsmann Stiftung, wonach die deutschen Schulen bis zum Jahr 2025 mit weitaus mehr Schülerinnen und Schülern als ursprünglich prognostiziert rechnen müssen, weisen die hessischen Universitäten auf die geplante deutliche Ausweitung in der Lehrerbildung hin. Ab dem Wintersemester 2017/18 werden sie – finanziert durch das Land Hessen – 315 neue Studienplätze im Grund- und Förderschullehramt zur Verfügung stellen; das entspricht einem Zuwachs in Höhe von ca. 50 Prozent. Zudem werden auch die Weiterbildungsangebote ausgeweitet. "Die Universitäten sind sich ihrer Verantwortung bewusst und sind bereit, ihren Beitrag zu leisten", betonte der KHU-Sprecher.

KHU begrüßt Regelung beim Urheberrecht und hofft auf Lösung für Übergangszeit

Die KHU hat sich in ihrer Sitzung am Freitag auch mit der neuen Rechtslage beim Urheberrecht beschäftigt und die Verabschiedung des Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetzes (UrhWissG) durch den Deutschen Bundestag begrüßt. Die neuen Regelungen zur Nutzung digitalisierter Texte in Forschung und Lehre seien zeitgemäß und gut umzusetzen. Unklar sei aber nach wie vor, wie eine Übergangslösung bis zum Inkrafttreten des neuen Gesetzes aussehen könne, um den Studierenden bereits im kommenden Wintersemester den unbürokratischen Zugang zu digitalen Lehr- und Lernmaterialien zu gewähren. Die hessischen Universitäten hoffen hier auf eine baldige Einigung zwischen den Akteuren.
 

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In der Konferenz Hessischer Universitätspräsidien (KHU) haben sich die fünf Universitäten des Landes Hessen zusammengeschlossen. Die Präsidien der Technischen Universität Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Universität Kassel und der Philipps-Universität Marburg tagen in regelmäßigen Abständen. Die in der KHU organisierten Universitäten nehmen gemeinsam Stellung zu aktuellen Entwicklungen der Hochschulpolitik insbesondere des Landes Hessen, aber auch zu bildungs- und forschungspolitischen Herausforderungen auf nationaler und europäischer Ebene. Das Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der fünf hessischen Universitäten zu sichern und auszubauen.