Meldung

17.02.2017 14:13

Hessische Universitäten in großer Sorge um internationale Wissenschaftsfreiheit

Universitätspräsidien beschäftigen sich auch mit Lehrerbildung und geplanten Änderungen beim Urheberrecht.

Die fünf hessischen Universitäten beobachten mit großer Sorge, wie sich weltweit die Bedingungen für die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und den freien Austausch von Forschungsergebnissen verschlechtern. „Wissenschaftsfreiheit und Internationalisierung sind von größter Bedeutung für den Fortschritt und eine wichtige Grundvoraussetzung, um den gegenwärtigen immensen Herausforderungen der Weltgemeinschaft zu begegnen“, betonte Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und Sprecher der Konferenz Hessischer Universitäten (KHU) am Freitag nach einer Sitzung des Gremiums.

Neben den Beeinträchtigungen, mit denen viele türkische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler derzeit zu kämpfen haben, fürchten die hessischen Universitäten auch um ihre Beziehungen zu den US-amerikanischen Hochschulen. „Die aktuellen Unsicherheiten über die amerikanischen Einreisemodalitäten sind Gift für wissenschaftliche Kooperationsprojekte, die auf stabile und verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen seien“, betonte der KHU-Sprecher. Davon betroffen seien auch die Beziehungen mit Universitäten in Wisconsin im Rahmen der 40 Jahre alten Landespartnerschaft Hessen-Wisconsin.

Die Präsidentinnen und Präsidenten der Technischen Universität Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Universität Kassel und der Philipps-Universität Marburg beschäftigten sich bei ihrem Treffen in Gießen aber auch mit erfreulichen Nachrichten: Sie begrüßen ausdrücklich den aktuellen Referentenentwurf aus dem Bundesjustizministerium für ein neues Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz. Der Entwurf trage einer internationalen, offenen und digitalisierten Lehr- und Forschungskultur Rechnung und berücksichtige nicht nur die Interessen der Hochschulen und Forschungseinrichtungen, sondern auch die der Autorinnen und Autoren.

Die hessischen Universitäten hoffen nun auch auf ein Ende der langen Diskussionen um den Urheberrechts-Rahmenvertrag, da die von den Hochschulen abgelehnten Einzelmeldungen bei der Nutzung digitaler Semesterapparate entfallen sollen. Die Änderungen würden Unsicherheit an den Hochschulen beseitigen und handhabbare Regelungen für die Praxis schaffen, betonten die Universitätspräsidien. Die vorgesehenen Änderungen beim Urheberrecht seien von großer Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit der Hochschulen in Deutschland.   

Selbstbewusst zeigen sich die Universitäten auch beim Verweis auf die hohe Qualität ihrer Lehrerbildung. In der Qualitätsoffensive Lehrerbildung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hätten alle fünf hessischen Universitäten erfolgreiche Anträge eingereicht und würden nicht ohne Grund mit Millionenbeträgen gefördert, betonte Prof. Mukherjee im Kontext der aktuellen Diskussionen um einen Mehrbedarf an Lehrerinnen und Lehrern in hessischen Schulen. Selbstverständlich würden die Universitäten auch nach Kräften dazu beitragen, den Lehrkräftemangel zu beheben.

In der Konferenz Hessischer Universitätspräsidien (KHU) haben sich die fünf Universitäten des Landes Hessen zusammengeschlossen. Die Präsidien der Technischen Universität Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Universität Kassel und der Philipps-Universität Marburg tagen in regelmäßigen Abständen. Die in der KHU organisierten Universitäten nehmen gemeinsam Stellung zu aktuellen Entwicklungen der Hochschulpolitik insbesondere des Landes Hessen, aber auch zu bildungs- und forschungspolitischen Herausforderungen auf nationaler und europäischer Ebene. Das Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der fünf hessischen Universitäten zu sichern und auszubauen.