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15.03.2017 09:44

Nachhaltige Kapitalanlagen: Gewissen und soziales Umfeld beeinflussen Entscheidung der Anleger

Etwa 20 Prozent der privaten Finanzentscheider investieren in nachhaltige Kapitalanlagen, die soziale und ökologische Kriterien berücksichtigen – das haben Wirtschaftswissenschaftler der Uni Kassel auf Basis einer repräsentativen Befragung ermittelt. Sie zeigen, dass dabei vor allem ein gutes Gewissen und das soziale Umfeld, weniger dagegen Alter oder Geschlecht eine wichtige Rolle spielen.

Die Forscher der Uni Kassel haben insbesondere zwei Fragen gestellt: Sind Privatpersonen grundsätzlich bereit, für nachhaltige Kapitalanlagen eine geringere Rendite in Kauf zu nehmen? Und: Welche Faktoren sind entscheidend dafür, dass ausschließlich konventionell oder aber (auch) nachhaltig investiert wird? Dafür wurden in einer repräsentativen, computergestützten Erhebung insgesamt 1001 Personen in Deutschland befragt, die in ihrem Haushalt selbst die Finanzentscheidung treffen. Beide Studien sind in der MAGKS Joint Discussion Paper Series in Economics erschienen - No. 40-2016 und No. 41-2016.

Ein Ergebnis: Im Durchschnitt akzeptieren Finanzentscheider für nachhaltige Kapitalanlagen tatsächlich eine geringere Rendite, d.h. insbesondere einen geringeren Zinssatz bei festverzinslichen Wertpapieren. Besonders wichtig ist Privatpersonen dabei, dass sie mit ihrer Anlage ein gutes, angenehmes Gefühl verbinden. Prof. Dr. Andreas Ziegler, Leiter des Fachgebiets Empirische Wirtschaftsforschung, erklärt: „Dieses gute Gefühl, das in der Fachsprache als ,warm glow‘ bezeichnet wird, ist bei der Entscheidung für nachhaltiges Investment sogar wichtiger als ökonomische Faktoren wie eine hohe Rendite oder ein geringes Risiko.“

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das soziale Umfeld. Wer beispielsweise annimmt, dass Freunde, Bekannte, Kollegen oder die Familie von ihm erwarten, nachhaltig zu investieren, entscheidet sich eher für eine nachhaltige Kapitalanlage. Bedeutend ist zudem, ob ihnen Bekannte von ihrer eigenen nachhaltigen Kapitalanlage berichtet haben. Eine geringere Rolle spielt bei der Entscheidung zwischen konventioneller und nachhaltiger Investition dagegen, wie alt die Anleger sind oder welches Geschlecht sie haben.

Ein Transparenzsiegel würde helfen

Bei der politischen Haltung unterscheiden sich Theorie und Praxis. Menschen, die politisch eher links wählen – also etwa die Grünen oder die Linken – sind zwar durchaus stärker geneigt als Menschen, die eher rechts wählen, nachhaltig zu investieren, haben es aber in der Vergangenheit oft nicht getan. Es ist anzunehmen, dass diese Menschen die bisherige Praxis nachhaltiger Geldanlagen, d.h. Aktienanlagen, häufig ablehnen. Gunnar Gutsche, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Empirische Wirtschaftsforschung, erklärt: „Stattdessen würden sie gerne in festverzinsliche nachhaltige Kapitalanlagen investieren, die aber bisher kaum angeboten werden.“

Hier sehen die Forscher eine Möglichkeit für Politik und Wirtschaft in den Markt einzugreifen. Prof. Ziegler fügt hinzu: „Wir konnten in unseren Studien auch feststellen, dass viele potenzielle Anleger bereit sind, für zertifizierte nachhaltige Kapitalanlagen eine geringere Rendite in Kauf zu nehmen als bei unzertifizierten nachhaltigen Kapitalanlagen. Jenseits von nachhaltigen Geldanlagen haben Finanzentscheider darüber hinaus auch ein starkes Interesse für eine Art staatliches Transparenzsiegel für Investments. Das ist eine Chance für den Kapitalmarkt der Zukunft.“


Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Ziegler
Universität Kassel
Fachgebiet Empirische Wirtschaftsforschung
Tel.: 0561 804-3038
E-Mail: andreas.ziegler@uni-kassel.de