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07.12.2017 11:57

Nutzen der angewandten Agrarforschung erfassbar machen

Wie kann der gesellschaftliche Nutzen angewandter Forschung erfasst und stärker anerkannt werden? Wie kann ein Bewertungssystem aussehen und umgesetzt werden, dass möglichst vielen Akteuren im Innovationssystem nützt? So lauten die Fragestellungen eines Forschungsteams an der Universität Kassel. Das dazu gehörige Projekt wird mit knapp 1,5 Mio. Euro durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert.

Am Ende sollen ein Forschungsinformationssystem und ein Evaluierungsverfahren zu Projekten der angewandten Agrarforschung stehen, das bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Pilotbetrieb erprobt wird. Projektträger sollen das System nutzen können, um den gesellschaftlichen Nutzen und die Praxiswirksamkeit der von ihnen geförderten Projekte zu erfassen. Das Projekt wird geleitet von Prof. Dr. Jürgen Heß und Birge Wolf vom Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau an der Universität.

„Es wird immer mehr danach gefragt, welchen Beitrag die Wissenschaft zur Lösung drängender Herausforderungen liefert, seien es der Klimawandel, die Ernährungssicherheit oder der Umgang mit den zunehmend knappen Ressourcen. Hier leistet die Agrarwissenschaft extrem wertvolle Beiträge. Dies wollen wir erfassbar und sichtbar machen“, so Heß. Zugleich stellte er klar: „Es geht nicht darum, wissenschaftliche Qualitätskriterien zu ersetzen; sondern sie um Kriterien der gesellschaftlichen Wirksamkeit zu ergänzen. Uns geht es um die angewandte Agrarforschung, die sowohl wissenschaftlich publizieren als auch einen Austausch mit Praxis und Politik leisten muss, um ihre Ergebnisse anwendbar zu machen. Dafür gibt es bisher keine Anerkennung.“

Kriterien für die Bewertung des gesellschaftlichen Nutzens von Forschungsprojekten könnten beispielsweise sein, wie konsequent relevante Probleme in Landwirtschaft und Gesellschaft bearbeitet werden, ob die Ergebnisse zielgruppengerecht aufbereitet werden oder wie groß die Möglichkeiten ihrer praktischen Anwendung sind. Die Bewertungs-Tools sollen in enger Abstimmung mit Stakeholdern aus Forschung, Förderung, Beratung und Landwirtschaft erstellt werden. „Uns ist es wichtig, möglichst viele relevante Akteure in die Entwicklung unserer Methoden einzubeziehen“, so Wolf, „damit ein System entsteht, das wirkungsvoll und anwendbar ist.“

Das Projekt mit dem Namen SynSICRIS wird zunächst bis Herbst 2020 gefördert, nach erfolgreicher Zwischenevaluation bis 2022. Beteiligt ist neben der Universität Kassel die Disy Informationssysteme GmbH in Karlsruhe.

Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen Heß und Birge Wolf
Universität Kassel
Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau
Tel.: + 49 5542 98-1565
E-Mail: jh@uni-kassel.de
E-Mail: birge.wolf@uni-kassel.de