Meldung

08.11.2017 15:51

Otto Philipp Braun fördert Kasseler Grundlagenforschung zur Blockchain-Technologie

Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether, Ripple und Dash revolutionieren internationale Zahlungsströme und gelten in den Augen nicht weniger Investoren als das neue Gold. Sie basieren auf der Distributed Ledger Technology (DLT), deren Kernelemente geographisch verteilte, synchronisierte Datenbanken ohne zentrale Datenhaltung und Administratoren bilden. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe an der Universität Kassel erforscht ihre Grundlagen und untersucht dabei Fragen der Stabilität, der Akzeptanz und des Regulierungsbedarfs von DLT-Anwendungen. Ihre Forschung wird jetzt durch 750.000 Euro unterstützt, die der Unternehmer Otto Philipp Braun bereitstellt.

v.l.n.r.: Prof. Dr. Ali Sunyaev, Prof. Dr. Arno Ehresmann, Dr. Oliver Fromm, Prof. Dr. Dr. Walter Blocher, Otto Philipp Braun und Prof. Dr. Georg von Wangenheim. Foto: Uni Kassel.

Die vertragliche Vereinbarung zwischen der Metamorphoses Braun GmbH (München) und der Universität Kassel wurde heute (8. November 2017) am Campus Holländischer Platz in Kassel in Anwesenheit des Vizepräsidenten für Forschung, Prof. Dr. Arno Ehresmann, und des Kanzlers, Dr. Oliver Fromm, unterzeichnet.

Mit der Distributed Ledger Technology (DLT) wurde die Grundlage für auf Tausende oder Millionen von Rechnern verteilte Verzeichnisse (sog. „Blockchains“) geschaffen, in die jedermann Einblick nehmen und schreiben, aus denen aber nichts mehr gelöscht werden kann. Erstmals sind Aufzeichnungen möglich, die nicht geändert, gefälscht, zerstört oder unterdrückt werden können und daher auch keinerlei Zensur unterliegen. Das Potenzial der Technologie, auf welcher u.a. die Bitcoin-Blockchain basiert, geht nach Aussage der Kasseler Forscher weit über die Möglichkeit hinaus, Geldbeträge blitzschnell, kostengünstig und weltweit zu übertragen. Die dezentralisierten Block-chains könnten die bislang im E-Business ebenso wie im E-Government erforderlichen „Vertrauensintermediäre“ überflüssig und durch sog. „Smart Contracts“ auf bestimmten Gebieten sogar die Rechtsdurchsetzung bürgernäher machen. Vertrauensintermediäre sind beispielsweise Banken, Kreditkartenorganisationen, Versicherungsunternehmen, Börsen oder – etwa bei Verzeichnissen wie dem Grundbuch oder dem Handelsregister – der Staat.

„DLT zieht tiefgreifende Veränderungen der Art und Weise nach sich, wie wir das Internet nutzen und wie wir Geschäfte abschließen. Sie wird vielfältige Bereiche der Gesellschaft mindestens ebenso nachhaltig beeinflussen, wie dies in den 1990er-Jahren durch die Kommerzialisierung des Internets geschah. Neben das ‚Internet der Information’ wird nun das ‚Internet der Werte’ treten“, prognostiziert Prof. Dr. Dr. Walter Blocher, Leiter des Fachgebiets Bürgerliches Recht, Unternehmensrecht und Informationsrecht an der Universität Kassel.

Für die Herausforderung, die komplexen Grundlagen, aber auch lohnende Anwendungsgebiete von Blockchains zu untersuchen, ist die Universität Kassel mit ihrer multidisziplinären Ausrichtung besonders gut aufgestellt, ergänzt der Wissenschaftler. Im Frühjahr 2016 wurde eine DLT-Forschungsgruppe gegründet, in der mehr als 20 Fachgebiete, darunter Informatiker, Wirtschaftsinformatiker, Volkswirte, Betriebswirte, Juristen und – last but not least – Musikwissen-schaftler (die u.a. Auswirkungen von Blockchains auf die Musikindustrie erforschen) vertreten sind. Inzwischen hat sie mehrere Dutzend Forschungsthemen rund um DLT identifiziert, die zunächst in vier Clustern bearbeitet, in der Folge jedoch in multidisziplinären Verbundprojekten erforscht werden sollen.

Wegbegleiter aus der Praxis ist dabei Otto Philipp Braun, der kürzlich die Metamorphoses Braun GmbH mit Sitz in München gründete, zu deren Unternehmensgegenstand Smart Contracts, die Blockchain- und Distributed-Ledger-Technologie, das sog. „Mining“ von Kryptowährungen sowie die Entwicklung und die Vermarktung internet- und blockchainbasierender Technologielösungen und entsprechender Apps zählen. Die Metamorphoses Braun GmbH, deren Gründer sich von DLT vor allem die Verbesserung des Austausches von Informationen und Werten zwischen Menschen sowie mehr Bürgernähe und Transparenz bei Entscheidungsprozessen erwartet, will künftig eng mit der DLT-Forschungsgruppe der Universität Kassel kooperieren. Deren Grundlagenforschung fördert das Unternehmen jetzt mit 750.000 Euro für die Untersuchung dreier wesentlicher Themenfelder:

  1. Veränderungen von Marktstrukturen und -prozessen durch den Einsatz von Blockchains / Smart Contracts – C2B statt B2C (unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Walter Blocher, Prof. Dr. Andreas Mann und Prof. Dr. Georg von Wangenheim);
  2. Trusted Blockchain: Secure Blockchain Technology through Third-Party Certification (unter der Leitung von Prof. Dr. Ali Sunyaev und Prof. Dr. Andreas Mann);
  3. Crypto-Assets – blockchaingestützte Zuordnung von Rechten zu Personen (unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Walter Blocher und Prof. Dr. Georg von Wangenheim).


Ein Teil der Mittel, welcher der Finanzierung von Veranstaltungen, Konferenzreisen etc. gewidmet ist, wird dabei an die Kursentwicklung von Bitcoin und Ether gekoppelt, gewissermaßen also an den Erfolg sowie die Bedeutung der beiden herausragenden Blockchains. Damit, so Prof. Blocher, beschreite man auch in der Finanzierung universitärer Forschungsprojekte neue Wege.

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Walter Blocher
Universität Kassel
Leiter des Fachgebiets Bürgerliches Recht, Unternehmensrecht und Informationsrecht
Sprecher der DLT-Forschungsgruppe
Tel.: +49 561 804-2186
E-Mail: blocher@uni-kassel.de
http://uni-kassel.de/go/blocher