Meldung

07.02.2018 14:06

Smartphone als Lebensretter: Eine App für den Katastrophenfall

Erfolgreicher Abschluss des smarter-Projekts.

Stromausfall, Hackerangriff, Naturkatastrophe – unser Mobilfunknetzwerk ist verwundbar und kann schnell zusammenbrechen. Doch gerade für in Not geratene Menschen ist es am wichtigsten, Hilfe anzufordern, Informationen zu recherchieren und Kontakt zu Angehörigen aufzunehmen – in Zeiten mobiler und sozialer Medien über das Smartphone. Wie dies im Krisen- und Katastrophenfall ohne Mo-bilfunknetz trotzdem möglich ist untersuchte das smarter-Projekt. smarter steht für Smartphone-based Communication Networks for Emergency Response. „Für die breite Nutzung der smarter-App ist es aber erforderlich, dass die Nutzer ihr vertrauen können. Dies ist nur dann gegeben, wenn für diese Kommunikation Sicherheit und Datenschutz gewährleistet sind“ – so der Jurist und Teilprojektleiter Prof. Dr. Alexander Roßnagel von der Universität Kassel. Die Ergebnisse des Projekts smarter, das am 28.2.2018 endet, wurden jetzt in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

Seit März 2015 forschen das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), die Technische Universität Darmstadt und die Universität Kassel gemeinsam in dem Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. smarter hat eine datenschutzge-rechte Lösung zur ad-hoc-Notfall-Kommunikation über Smartphones erarbeitet. Über die eigens entwi-ckelte App transportiert jedes einzelne Smartphone wie ein virtueller Datenrucksack alle Informationen und gibt sie automatisch weiter, bis sie beim richtigen Empfänger ankommen – ohne dass eine zentrale Infrastruktur wie das Mobilfunknetz dafür nötig ist. Dabei untersuchten die Forschungspartner unter-schiedliche Bereiche – von der technischen Machbarkeit über die rechtlichen Rahmenbedingungen bis zum Verhalten und den Bedürfnissen der Menschen in Krisen und Katastrophen.

Von der Theorie in die Praxis: smarter-App erfolgreich getestet

Die Technik wurde im September 2017 erstmals im Rahmen einer Feldübung erprobt. Auf einem Mili-tärübungsplatz bei Paderborn wurde ein Krisenszenario simuliert: Ein starkes Unwetter und ein lang anhaltender Stromausfall legten das Mobilfunknetzwerk lahm. Über die smarter-App auf dem Smart-phone konnten die Probanden dennoch einen Hilferuf aussenden, Lebenszeichen verschicken und Kontakt zu Angehörigen aufnehmen. Ebenso war es möglich, Ressourcen wie beispielsweise Essen, Decken oder Streichhölzer zu tauschen und Verhaltenshinweise zu erhalten. Durch weitere fiktive Be-drohungslagen mussten die Probanden die App unter Stress auf ihre Stärken und Schwächen testen. Die Feldübung ermöglichte es den Forscherinnen und Forschern, wichtige Daten unter realistischen Bedingungen zu erheben und auszuwerten – auch zu den Voraussetzungen ausreichenden Vertrauens.

Wichtige Funktionen für den Notfall  

Das BBK beleuchtete im smarter-Projekt das Bevölkerungsverhalten in Krisen und Katastrophen. Es untersuchte wie die Teilnehmer die App nutzten und welche Funktionen sie dabei für sehr wichtig hiel-ten. Die Auswertung der Daten zeigt, dass es für die Probanden am wichtigsten war, Hilfe zu rufen, Informationen zu erhalten und Nachrichten auszutauschen. Durch die Arbeit der TU Darmstadt ist der Grundstein gelegt, dass die smarter-App erfolgreich auf gängigen Smartphones verwendet werden kann. Da die Geräte nicht von Haus aus eine direkte Kommunikation unterstützen, ist eine marktreife App noch nicht verfügbar. Die technische Grundlage wurde geschaffen – nun muss an die Geräteher-steller appelliert werden. Auch der Datenschutz spielte bei der Entwicklung der App eine zentrale Rolle. Hierfür Gestaltungsvorschläge zu entwickeln, war Aufgabe der Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet) im Wissenschaftlichen Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG) der Universität Kassel. „Bei der Entwicklung der smarter-App ist es provet gelungen, ein höchstes Maß an Rechtsverträglichkeit sicherzustellen und Datenschutzfeatures zu realisieren, wie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Löschung der Daten nach Abschluss der Kommunikation“, so Roßnagel. „Die nötige IT-Sicherheit der smarter-App war für die Probanden ein wichtiges Thema. 80 Prozent möchten, dass Missbrauch mit ihren Daten ausgeschlossen wird. Die smarter-App ist somit ein hervorragendes Beispiel für die Entwicklung von rechtsverträglichen Peer-to-Peer-basierten Ad-Hoc-Kommunikationsanwendungen.“

Weitere Informationen: www.smarter-projekt.de